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EM-Trainer im Porträt: Deutschland: Joachim Löw, der Arbeiter

zuletzt aktualisiert: 29.04.2008 - 18:18

Frankfurt/Main (RPO). Erich Ribbeck flüchtete nach dem blamablen Scheitern bei der Euro 2000, Rudi Völler packte vier Jahre später nach dem peinlichen EM-Vorrunden-Aus ebenfalls seine Koffer - doch Bundestrainer Joachim Löw muss unabhängig vom sportlichen Ausgang bei der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz nicht um seine Zukunft als Chefcoach der deutschen Nationalmannschaft fürchten.

Joachim Löw hat sich für fünf Stürmer entschieden.  Foto: AP, AP
Joachim Löw hat sich für fünf Stürmer entschieden. Foto: AP, AP

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit Präsident Theo Zwanziger an der Spitze hat dem bislang äußerst erfolgreichen Löw bereits eine Jobgarantie bis zur WM 2010 in Südafrika ausgestellt.

"An den Qualitäten von Joachim Löw und auch seines gesamten Stabs gibt es gar keine Zweifel. Sicherlich werden wir auch mal wieder ein wichtiges Spiel verlieren, das ist eben so. Das ist den Engländern so gegangen und auch anderen großen Fußball-Nationen. Das wird uns aber nicht von unserer Grundkonzeption und von unserer Linie abbringen", sagte Zwanziger.

Die bisherige Bilanz von Bundestrainer Löw, der bei seinem ersten Spiel als Nachfolger von Jürgen Klinsmann am 16. August 2006 beim 3:0 gegen Schweden ein gelungenes Debüt feierte, liest sich beeindruckend.

Mit dem dreimaligen Welt- und Europameister, der sich in der Vergangenheit oftmals erst im letzten Spiel für ein großes Turnier qualifizieren konnte, stand Löw als erstes europäisches Team bereits im Oktober 2006 neben den gesetzten Gastgebern Österreich und Schweiz als EM-Teilnehmer fest.

Dass Weinliebhaber Löw eines Tages derart erfolgreich die Nationalmannschaft coacht, hätten ihm beim Amsantritt als Co-Trainer unter Jürgen Klinsmann nur wenige zugetraut. Dabei gewann Löw mit dem VfB Stuttgart 1997 den DFB-Pokal und zog mit den Schwaben in der darauffolgenden Saison ins Europapokal-Finale der Pokalsieger gegen den FC Chelsea ein (0:1). Zudem holte er mit dem FC Tirol in Österreich 2002 den Meistertitel.

Doch im eigenen Land wurde Löw lange verkannt. Erst in den zwei Jahren an der Seite von Klinsmann entwickelte sich der frühere Stürmer zum "taktischen Gewissen" im Kreise der DFB-Auswahl. Klinsmann motivierte, Löw trainierte. So war die Ernennung zum DFB-Cheftrainer nach dem Abgang von Klinsmann nur logisch.

Mittlerweile gilt Löw als einer der besten deutschprachigen Trainer überhaupt und absoluter Fußball-Experte. Aus der Not während der EM-Qualifikation, als Michael Ballack, Torsten Frings und Christoph Metzelder über Monate hinweg fehlten, machte der Modefreund eine Tugend. Spieler wie Thomas Hitzlsperger, Mario Gomez, Clemens Fritz oder zuletzt auch Heiko Westermann spielten sich unter Löw in den Vordergrund.

Auch organisatorisch überlässt Löw nichts dem Zufall. Gemeinsam mit Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, seinem Assistenten Hans-Dieter Flick, Bundestorwarttrainer Andreas Köpke und Chefscout Urs Siegenthaler plante der 48-Jährige die Tage bis zum ersten Spiel bei der Euro am 8. Juni in Klagenfurt gegen Polen exakt durch.

"Ich kann zwar nicht versprechen, dass wir am Ende wirklich Europameister werden, aber ich kann versprechen, dass wir uns europameisterlich vorbereiten. Wir müssen äußerst akribisch arbeiten, um erfolgreich zu sein", meinte Löw.

Akribie ist ohnehin das Erfolgsrezept des Badeners. Bei seinen fachkundigen Analysen benutzt Löw gerne das Wort "Ballbesitz-Quote. " Gemeint ist die Zeit zwischen Ballannahme und Abspiel. Unter Löw wurde diese Spanne im DFB-Team deutlich reduziert. Die Folge: Das Spiel der Nationalmannschaft ist erheblich schneller geworden.

Bislang hat Löw die wenigsten Länderspiele aller Nationaltrainer auf dem Buckel. Die längste Amtszeit als Bundestrainer verbuchte Josef Herberger, der von 1936 bis 1964 im Amt war und in 167 Länderspielen die Mannschaft coachte. Hinter Herberger rangieren Helmut Schön (139 Spiele), Berti Vogts (102), Otto Nerz (70), Jupp Derwall (67), Franz Beckenbauer (66), Rudi Völler (53), Jürgen Klinsmann (34) und Erich Ribbeck (24).

Quelle: sid

 
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