| 11.38 Uhr

Umsatzsteigerung
Dem Profisport geht's gut

Fußball, Handball, Basketball: dem Profisport geht's gut
Diese Grafik zeigt die Entwicklung der vier großen Ligen in den vergangenen zehn Jahren. FOTO: Ferl
Düsseldorf. Nicht nur die Bundesliga ist ein Erfolgsprodukt, auch Handball-, Basketball- und Eishockey-Liga steigern ihre Umsätze. Von Kilian Treß

Vor 40 Jahren begann das Millionenspiel im deutschen Sport endgültig. Der Belgier Roger van Gool wechselte 1976 für eine Million D-Mark (umgerechnet 500.000 Euro) vom FC Brügge zum 1. FC Köln. Damit war der belgische Außenstürmer der teuerste Einkauf in der Geschichte der Fußball-Bundesliga. Möglich machte es der Deutsche Fußball-Bund, der 1972 zunächst Gehaltsobergrenzen abschaffte, 1973 Trikotwerbung erlaubte und 1974 die Begrenzung der Ablösesummen strich. Die Fußball-Bundesliga boomt seither. 2,6 Milliarden Euro setzte die 1. Bundesliga allein im Geschäftsjahr 2014/15 um und erzielte damit zum elften Mal hintereinander ein Rekordergebnis. ein Ende dieser Erfolgsgeschichte ist vorerst nicht abzusehen.

Die Leidtragenden der Fußball-Dominanz waren stets die anderen, Handball, Basketball, Eishockey. Doch die vermeintlich Kleinen haben auch aufgerüstet. 2008 galt im deutschen Profi-Handball beispielsweise die Verpflichtung des montenegrinischen Handballspielers Alen Muratovic noch als Meilenstein.

Mit 700.000 Euro, die der Bundesligist SG Flensburg-Handewitt nach Spanien zu BM Valladolid überwies, galt der Rückraumspieler als spektakulärster Einkauf der deutschen Handball-Liga. Ein Jahr später nahm das Transferkarussell erst richtig Fahrt auf. Von den Mannheimer "Rhein-Neckar-Löwen", die vom SAP-Gründer und Milliardär Dietmar Hopp unterstützt werden, wurde zum ersten Mal eine Millionensumme aufgerufen. Nicola Karabatic sollte vom Rekordmeister THW Kiel in die Kurpfalz gelockt werden. Den Zuschlag für 1,5 Millionen Euro bekam allerdings der französische Erstligist Montpellier HB. Kiel reagierte und holte für etwa 1,2 Millionen Euro adäquaten Ersatz: den französischen Weltklassespieler Daniel Narcisse.

Anfang des Jahres 2016 soll THW Kiel bereit gewesen sein, für den Isländer Aron Palmarsson drei Millionen Euro zu zahlen. Zwar kam der Wechsel nicht zustande, das Geld scheint aber bei den etablierten Handball-Klubs vorhanden zu sein.

Das unterstreichen die Umsatzzahlen. In den vergangenen zehn Jahren hat die Liga den Umsatz um 102 Prozent von 47 auf 96 Millionen gesteigert. Prozentual gesehen entwickelt sich Handball damit im selben Zeitraum genauso prächtig wie die Fußball-Liga (104 Prozent), die freilich von einem ganz anderen Gesamtniveau kommt und immer noch in den Kennzahlen weit über dem Rest in Deutschland liegt. Aber auch die Zuschauerzahlen sind im Handball seit 2001 um ein Fünftel auf 1,53 Millionen gestiegen.

Noch besser ist die Basketball-Bundesliga aufgestellt. Freilich auch getrieben vom Neu-Erstligisten Bayern München steigerte die BBL den Umsatz zwischen 2005 und 2015 um 187 Prozent auf 97 Millionen Euro. Dass Bayern München überhaupt mitmacht, verdankt es der Entscheidung von Uli Hoeneß, der neben den Fußballern ein zweites Aushängeschild des Klubs wollte.

In der abgelaufenden Saison durchbrach die BBL erstmals die 100-Millionen-Schallmauer. Zudem kommen im Vergleich zur Saison 2001/02 mit einer Steigerung von 121 Prozent mehr als doppelt so viele Zuschauer in die BBL-Hallen. Fast 1,5 Millionen. "Infrastrukturell, organisatorisch und vom Wettbewerb her liegen wir sicher unter den Top Drei in Europa. Was noch fehlt, sind größere Erfolg in der Euroleague", sagt BBL-Sprecher Dirk Kaiser.

Die Transfersummen sind trotzdem überaus bescheiden. Der deutsche Top-Star Dennis Schröder wechselte 2013 von den Braunschweig Phantoms (heute Basketball Löwen Braunschweig) für 423.000 Euro in die NBA. "Nach Abzug der Transferkosten haben wir letztlich rund 370.000 Euro bekommen", sagte der Aufsichtsrats-Chef Michael Doering damals der "Braunschweiger Zeitung" über den Rekordtransfer.

Die Summen, die Basketball-Bundesligisten für neue Spieler ausgeben, sind dagegen deutlich geringer. Aber: "Hinsichtlich der Transfererlöse führen wir keine Statistik", sagt BBL-Sprecher Dirk Kaiser. Die Eishockeyliga DEL mit 2,7 Millionen Zuschauern jährlich und 107 Millionen Euro Umsatz liegt (noch) auf Rang zwei im deutschen Profisport. Transfersummen gibt es in dieser Liga nicht. Üblich ist es, dass Spieler erst nach Auslaufen oder vorzeitiger Auflösung des Kontrakts wechseln. Die Gehälter bleiben im Gegensatz zum Fußball bescheiden. 80.000 bis 150.000 Euro netto, dazu ein Leasing-Fahrzeug, eine Wohnung und ein Handy werden für einen gestandenen DEL-Spieler gezahlt. Nur bei den Topklubs Adler Mannheim, Eisbären Berlin, Kölner Haie oder Red Bull München können für einen Spitzenspieler auch schon mal 300.000 Euro Gehalt überwiesen werden.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Fußball, Handball, Basketball: dem Profisport geht's gut


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.