Deutschlands Fußball-Talente: Drei Kicker für Jogi Löw
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 09.01.2009 - 15:27Düsseldorf (RP). Die Schlagzeilen über den sensationellen Herbstmeister 1899 Hoffenheim beherrschen andere. Vedad Ibisevic zum Beispiel als erfolgreichster Torjäger der Bundesliga-Hinrunde oder auch seine Sturmpartner Demba Ba und Chinedu Obasi.
Als rechter Verteidiger schwimmt ein junger Mann auf der Erfolgswelle, der in der Kicker-Rangliste des deutschen Fußballs in der Rubrik „Außenbahn defensiv“ gleich hinter dem Münchner Philipp Lahm auf Position zwei liegt: Andreas Beck.
Der in Westsibirien geborene U21-Nationalspieler verpasste nur eines der 17 Ligatreffen, da er nach fünf Gelben Karten gesperrt war. Er wurde nie ein- oder ausgewechselt und zeigte sogar einen starken Auftritt gegen Bayerns Superstar Franck Ribéry.
Das im Sommer 2008 vom VfB Stuttgart zum Neuling gewechselte Abwehrtalent könnte über kurz oder lang ein Mann für die Nationalelf sein - schließlich sind erstklassige Spieler auf der rechten Bahn hierzulande selten.
Beck lässt sich gern von Büchern fesseln, wagt sich manchmal auch an „schwere Kost“, wie der Wirtschaftsabiturient sagt, liest Friedrich Nietzsche und Fjodor Dostojewski und gibt auf seiner Internetseite Buchtipps wie Henri Charrières „Papillon“ oder John Grishams „Der Partner“. Horizonterweiterung nennt er das Hobby Lesen - etwa für die Zeit, wenn er im Bus unterwegs oder in einem Hotel ist.
Höwedes will studieren
Auch Benedikt Höwedes hat das Abitur gemacht, da gehörte er bereits zum Schalker Bundesligakader. „Es kann sein, dass ich irgendwann mal ein Fernstudium beginne“, sagt er. Der 20-Jährige ist in Haltern geboren - wie Christoph Metzelder.
Der schaffte bereits mit 20 Jahren den Sprung ins Nationalteam. 20 ist auch noch Höwedes, Innenverteidiger wie der frühere Dortmunder, und Bundestrainer Joachim Löw scheint eine baldige Nominierung des begabten Westfalen nicht auszuschließen.
Obwohl er sich im Klub gegen erfahrene Konkurrenten wie Heiko Westermann und Mladen Krstajic zu behaupten hat, kam Höwedes in der laufenden Bundesligasaison schon elfmal, in der Champions-League-Qualifikation bzw. im Uefa-Cup siebenmal zum Zug. Dabei bewies er Schnelligkeit und Zweikampfstärke.
Für Aufsehen sorgte „Benni“ im Oktober: Mit einem Tor in Frankreich, Sekunden vor Schluss, schoss er die U21 zur EM, vier Tage später erzielte er in Hamburg mit einem Kopfball seinen ersten Ligatreffer. So enttäuschend das Abschneiden des FCSchalke in dieser Saison auch ist - Höwedes sorgt für ein vielversprechendes Kontrastprogramm. Schalkes Manager Andreas Müller sieht in ihm „eine der festen Säulen unserer Mannschaft in der Zukunft“.
Auch Mesut Özil war Schalker, mit Höwedes wurde er 2006 Deutscher A-Junioren-Meister. Doch vor knapp einem Jahr wechselte der gebürtige Gelsenkirchener, Sohn türkischer Einwanderer, zu Werder Bremen. Vorausgegangen war beim Revierklub ein Gezerre um eine Vertragsverlängerung.
Fünf Millionen Euro für Özil
Geschätzt rund fünf Millionen Euro war Werder die Verpflichtung des technisch versierten Jungprofis wert, der im September nach einem spektakulären Tor gegen den FC Bayern und zwei Treffern gegen Hoffenheim zum „Fußballer des Monats“ gewählt wurde.
Noch ist der Brasilianer Diego Bremens überragender Regisseur. Womöglich dauert es aber nicht lange, und Özil könnte das Spiel der Grünweißen prägen. Bundestrainer Löw hat mit dem 20-Jährigen über dessen Möglichkeiten in der DFB-Auswahl gesprochen. Özil kann noch entscheiden, ob er für das deutsche oder das türkische Nationalteam spielen will.
Auf Neven Subotic kann Löw nicht setzen. Der Dortmunder hätte sich nur für Serbien, Bosnien, Kroatien und die USA entscheiden können - von 1999 bis 2006 lebte er in Amerika. Jetzt präsentierte ihn der serbische Fußballverband. „Meine ganze Familie stammt aus Serbien“, erklärte Subotic, „ich fühle mich als Serbe und freue mich auf meine künftige Nationalmannschaft.“
Im Sommer 2008 folgte er für 3,5 Millionen Euro Ablösesumme seinem ehemaligen Mainzer Trainer Jürgen Klopp zu Borussia Dortmund und war einer der Shootingstars der laufenden Saison. In den 17 Hinrunden-Begegnungen versäumte er keine Minute.
Mit fünf Treffern ist er sogar erfolgreichster Torschütze seines Teams - als Abwehrspieler! Mit Mats Hummels (20/vom FC Bayern ausgeliehen) bildet er beim Tabellensechsten ein Verteidiger-Duo, von dem Borussia wohl noch Großes erwarten darf.
Von Özil bis Hartmann - das sind Deutschlands größte Fußball-Talente.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







