Ballack-Kritik an Löw: Frings tritt nochmal nach
VON CHRISTIAN KURTH - zuletzt aktualisiert: 23.10.2008 - 10:30Athen (RPO). Die TV-Kameras sorgen in den Katakomben des Athener Stadions für das letzte Licht. Gerade erst hat (Ex-)Nationalspieler Torsten Frings mit dem Bundesligisten Werder Bremen bei Panathinaikos Champions League gespielt (2:2, den Spielbericht finden Sie hier), als er zum großen Schlag ausholt. Man solle sich mal Gedanken machen, warum sich gestandene Spieler aufregen. Es ist der nächste Giftpfeil Richtung Bundestrainer Jogi Löw.
Und es folgen weitere. "Michael Ballack will nur das Beste. Ich finde, als Kapitän darf er was sagen", erklärte Frings mit weinerlicher Stimme. "Ich bin seit elf Jahren Profi. Man hat mir nie etwas geschenkt. Ich habe mich überall durchgesetzt. Aber die Art und Weise, wie man damals mit mir umgegangen ist, so geht das nicht."
Gemeint ist offensichtlich der DFB, dessen gewünschte heile Welt nun ins Wanken gerät. "Michael (Ballack, A.d.R.) und ich sind Freunde. Er hat sich halt auch gewundert, dass ich nicht gespielt habe." In der WM-Qualifikation gegen Russland war Frings wenige Minuten zum Einsatz gekommen, gegen Wales durfte er sich gar nicht erst warmlaufen.
Die jüngsten Aussagen des 31-Jährigen könnten nun dafür sorgen, dass er nie mehr im Trikot mit dem Adler aufläuft. Konsequenzen fürchtet Fings selbst offenbar nicht. "Wie soll Löw denn reagieren? Ich hab ja jetzt schon nicht gespielt. Was soll mir schon passieren?", sagte Frings bei "Premiere".
Genau wie Ballack empört sich Frings über den fehlenden Respekt seitens des Bundestrainers gegenüber erfahrenen Spielern. Am Dienstag hatte Ballack dann zum öffentlichen Rundumschlag gegen Löw angesetzt, wofür er "zeitnah" (Löw) zum Rapport nach Deutschland muss.
"Das muss der DFB mit Chelsea absprechen", sagte Ballack nun der "Bild". Indes freue er sich auf das Gespräch. Löw hat Ballack mit Konsequenzen gedroht, sollte das Vier-Augen-Gespräch nicht fruchtbar sein. Der Nationalmannschaftskrach geht in jedem Fall weiter.
Sammer springt Löw zur Seite
Einen Tag nach seinen verbalen Angriffen auf Löw hat Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack auch von Matthias Sammer harsche Kritik einstecken müssen. "Diese beiden Persönlichkeiten dürfen sich nicht auf eine Stufe stellen. Ein Trainer ist immer etwas Außergewöhnliches", sagte der DFB-Sportdirektor bei Premiere: "Diese Diskussion ist unnötig wie ein Kropf, vor allem wie Jogi Löw jetzt in Erklärungsnot gekommen ist, ist nicht dienlich. Natürlich müssen wir da eine Reaktion zeigen und alles dafür tun, dass die Autoriät von Löw nicht beschädigt wird."
Die Diskussion schade "in allererster Linie unserem Verband, deshalb kann ich sie nicht gut heißen. Wir stehen sportlich gut da, jetzt müssen endlich diese Diskussionen aufhören". Der Bundestrainer hatte nach Ballacks Kritik erklärt, er sei "maßlos enttäuscht", die Vorwürfe seien "inhaltlich nicht haltbar".
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