DFB vor Zerreißprobe: Jetzt geht es um noch mehr Macht und Geld
zuletzt aktualisiert: 05.02.2010 - 07:47Frankfurt/Düsseldorf (RP). Anders als von der Spitze des DFB beabsichtigt wird der Kontrakt mit dem Bundestrainer und seinen Helfern nicht vor der WM verlängert. Manager Bierhoff soll ein Vetorecht bei der Besetzung des Trainerpostens verlangt haben.
Verbitterung spricht aus Theo Zwanzigers Worten. "Bei den Gesprächen im Januar sind für uns überraschend neue Vorstellungen entwickelt worden, die aus der Sicht des DFB-Präsidiuns nicht zu akzeptieren sind", ließ sich der Verbandsboss offiziell im hauseigenen Pressedienst zitieren. Und weiter: "Bei wichtigen Inhalten konnten wir uns nicht einigen."
Nach der fast dreistündigen, außerordentlichen Sitzung des 18-köpfigen Präsidiums, in der es um die Verlängerung der Verträge des Bundestrainer-Teams Löw/Flick/Köpke, des Chefspähers Urs Siegenthaler sowie des Teammanagers Oliver Bierhoff ging, steht fest: Die Fronten sind verhärtet. "Eklat!" rufen manche.
Zwanziger und DFB-"General" Wolfgang Niersbach wollen die Forderungen der Gegenseite nicht erfüllen. Frühestens nach der WM sollen die Kontrakte verlängert werden. Wenn überhaupt. Ob nur mit Löw samt Team? Ob mit oder ohne Bierhoff? Wenig harmonisch muss die Sitzung gewesen sein. In "strukturellen Fragen, aber auch wirtschaftlich" seien die Differenzen zu groß, sagte Zwanziger. "Die Punkte sind zu weit auseinander", wiederholte Bierhoff mit versteinerte Miene. Löw war nicht anwesend.
Längst geht es nicht mehr allein um Löws Forderung nach mehr Einfluss bei den Junioren unter 21 und den damit verbundenen Kompetenzstreit mit Sportdirektor Matthias Sammer. Jetzt geht es um noch mehr Macht. Und es geht um viel Geld. Bierhoff reklamiert angeblich für sich ein Vetorecht bei der Einstellung eines Bundestrainers. Hintergrund: Sollte Löw scheitern, wäre Sammer wohl Zwanzigers erste Wahl. Bierhoff und den Sachsen, die Europameister von 1996, verbindet aber herzliche Abneigung.
Und alle Mann hätten neben der Vertragsverlängerung übrigens zusätzlich gern noch die Kleinigkeit eines Jahresgehalts als Dreingabe allein für die Unterschrift. Quasi als Gratifikation für die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre. Will heißen: allein für Löw noch einmal rund drei Millionen Euro mehr. Gestern machte sich Verwunderung darüber breit, dass solch vertrauliche Inhalte über Bierhoffs angebliche Forderungen ans Licht der Öffentlichkeit gekommen waren. Es war die Zeit der "gewöhnlich gut unterrichteten Kreise" und der "verlässlichen Quellen". Wo ist die undichte Stelle im DFB?
Zwanziger hat gut vier Monate vor dem Weltturnier in Südafrika augenscheinlich größe Mühe, seine von starken Persönlichkeiten geprägte Organisation zu befrieden, auf dass die sich "ausschließlich auf die WM-Vorbereitung konzentriere" und "all ihre Kraft für ein erfolgreiches Abscheiden der Nationalmannschaft einsetze". Zuletzt war schon Unruhe in der Verbandszentrale ausgebrochen, weil Mediendirektor Harald Stenger in seiner Zuständigkeit beschnitten wurde.
Im Streit um die U21 hat Löw einen Erfolg erzielt. Ausdrücklich bekommt der von ihm protegierte Trainer Rainer Adrion (Sammer wollte Heiko Herrlich auf dem Posten haben) die "Hauptverantwortung" für das wichtigste Nachwuchsteam. Und sollte für Adrion mal ein Nachfolger gebraucht werden, sucht Löw ihn aus. Für die "Spielphilosophie", wie es in der DFB-Mitteilung heißt, ist der Coach des A-Teams ebenfalls zuständig.
Bierhoff kommentierte die ergebnisarmen Gespräche: "Wir akzeptieren die Entscheidung des Präsidiums und konzentrieren uns mit unverändertem Engagement auf die Vorbereitung der Weltmeisterschaft."
Als wenn das nicht selbstverständlich wäre.
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