WM-Shootingstar fehlt im Halbfinale: Jetzt kennt auch Maradona unseren Müller
zuletzt aktualisiert: 04.07.2010 - 15:02Kapstadt (RPO). Am 13. Mai 2009 spielte Thomas Müller im Städtischen Stadion an der Grünwalder Straße in München zum letzten Mal dritte Liga, der Gegner hieß Wacker Burghausen. Vor vier Monaten wurde der junge Mann aus Pähl am Ammersee von Diego Maradona noch für einen Balljungen gehalten. Seit Samstag kennt mindestens ganz Argentinien den 20-Jährigen.
"Diego, der Junge heißt Müller", titelte am Sonntag die argentinische Sportzeitung Ole und verspottete damit den eigenen Trainer. Maradona hatte den deutschen Shootingstar am 3. März nach dessen Debüt im DFB-Trikot gegen Argentinien in München (0:1) mit Verachtung gestraft: Den jungen Mann, der im Presseraum schon auf dem Podium saß, hielt er für einen Niemand.
"Er weiß jetzt, wer ich bin"
"Ich glaube, er weiß jetzt, wer ich bin", sagte Thomas Müller mit einem Schmunzeln nach seiner neuerlichen Gala beim 4:0 (2:0) im WM-Viertelfinale. "Das Tor Müllers nach drei Minuten traf uns erheblich", schrieb Ole über den vierten Turniertreffer des Münchners zum 1:0, der den zweimaligen Weltmeister frühzeitig aus allen Träumen riss.
"Dieser Junge ist verdammt schnell und hat viele Freiheiten. Wenn wir einen Marathon laufen müssten, würde Deutschland dank Müller gewinnen, aber im Fußball geht es ja nicht nur ums Laufen. Mit dem Ball am Fuß sind wir besser", hatte Argentiniens Nationaltrainer noch vor dem Spiel gemeint. Es sollte anders kommen.
"Fantastisch. Es ist Wahnsinn, Argentinien mit 4:0 zu besiegen. Ein solches Ergebnis ist kaum zu beschreiben. Ich glaube, in Deutschland bebt gerade die Erde, und so muss das auch gefeiert werden", sagte Müller, der sich nach dem Abpfiff ebenfalls ein Bier gönnte. "Soll man nach so einem Spiel Milch trinken?", fragte er in die Runde und scherzte: "Alles Müller, oder was!"
Dass er nach seinem Tor, dem 200. Treffer in der deutschen WM-Geschichte, seine zweite Gelbe Karte gesehen hatte und deshalb im Halbfinale gegen Spanien gesperrt ist, konnte seine gute Laune nicht wirklich trüben. "Wenn ich Torschützenkönig werden will, muss ich jetzt auf meine Kollegen hoffen. Vielleicht machen sie im Halbfinale alles richtig, dann kann ich im Finale nochmal treffen", sagte der tragische Held und fügte dann aber an: "Ich gönne Miro die Torjägerkrone, Hauptsache wir holen den Titel."
Löw: "Ein schwerer Schlag"
Dem Bundestrainer kommt die Sperre Müllers höchst ungelegen. "Dass er nicht dabei sein kann, ist ein schwerer Schlag für uns, weil er gezeigt hat, wie gefährlich er ist", sagte Joachim Löw, der die Verwarnung wegen Handspiels durch den guten Schiedsricher Rawschan Irmatow aus Usbekistan für überzogen. Ebenso wie Franz Beckenbauer: "Er hat den Ball vielleicht ein bisschen an die Hand bekommen, aber das war kein absichtliches Handspiel."
So sah es auch Müller. "Es war keine Absicht, ich kann aber nichts daran ändern und hoffe, dass ich im Finale wieder dabei bin. Aber Spanien ist zunächst mal ein harter Brocken."
Bester Nachwuchsspieler
Auch ohne die Teilnahme am Halbfinale ist Müller auf einem guten Weg, zum besten Nachwuchsspieler der WM gekürt zu werden. "Er schreibt weiter an seinem persönlichen Märchen", lautete am Samstag die offizielle Stellungnahme der FIFA.
Müller wäre damit Nachfolger von Lukas Podolski, dem diese Ehre bei der WM 2006 in Deutschland zuteil wurde. Vor dem Kölner hatte nur Franz Beckenbauer 1966 die Auszeichnung nach Deutschland geholt. "Das wäre eine tolle Auszeichnung, aber der Erfolg der Mannschaft ist mir wichtiger", sagt Müller. Mit zusätzlich drei Torvorlagen neben seinen vier Treffern hat er seinen Beitrag dazu längst geleistet.
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