Kommentar zur Nationalmannschaft: Löw hat ein Defensiv-Problem
VON CHRISTIAN SPOLDERS - zuletzt aktualisiert: 21.01.2010 - 15:31Düsseldorf (RPO). Per Mertesacker und Philipp Lahm: Das sind die einzigen beiden Größen, auf die Bundestrainer Joachim Löw bei der Fußball-WM im Sommer in Südafrika setzt. Ansonsten hat seine Defensive keine Spieler zu bieten, die international erfahren genug für ein solches Turnier sind. Stattdessen setzt Löw auf Jungspunde.
Insgesamt haben Neuling Dennis Aogo (23 Jahre), Andreas Beck (22), Jerome Boateng (21), Serdar Tasci (22) und Christian Träsch (22) zusammen gerade einmal 24 Länderspiele auf dem Konto – und sie sollen bei einem großen Turnier das maximal mögliche Ziel erreichen und Weltmeister werden?
Ja. Denn an der Seite von Per Mertesacker, 59 Länderspiele, und Philipp Lahm, 63 Länderspiele, sollen die jungen Spieler geführt werden. Erst einmal sind sie außerdem nur im engen Blickfeld für die WM, da sie am Fitnesstest teilnehmen – mindestens zwei Defensiv-Spieler werden wohl noch gestrichen.
Absage von Cacau
Der Stuttgarter Cacau wird nicht wie geplant am Leistungstest der Fußball-Nationalmannschaft am kommenden Dienstag und Mittwoch in Stuttgart teilnehmen können. Der in Brasilien geborene Stürmer sagte am Donnerstagabend wegen einer Leistenzerrung ab. Damit werden nur noch 29 statt der geplanten 30 Spieler an dem Test teilnehmen.
Löws Problem allerdings wird die Besetzung der Viererkette. Arne Friedrich, ebenfalls ein Kandidat, ist zwar erfahren, aber international nicht gut genug um die ganz großen Stürmer auszuschalten. Löw wird also in den kommenden Monaten mindestens einen Mann, wenn nicht sogar gleich zwei aussuchen müssen, die höchsten Ansprüchen genügen. Und das wird schwer.
Denn wer soll links verteidigen, wenn Philipp Lahm auf seiner Lieblingsposition rechts spielt? Dennis Aogo etwa? Oder Marcel Schäfer, der auf internationalem Parkett auch nicht gerade eine sichere Bank ist? Oder zieht er Marcell Jansen zurück aus dem Mittelfeld in die Abwehr?
Würde Lahm links spielen, ergibt sich rechts eine Baustelle. Arne Friedrich wäre dann wohl erste Wahl; aber was, wenn auch er ausfällt? Christian Träsch und Andreas Beck ist ein solch großes Turnier noch nicht zuzutrauen.
Löws dritte Defensiv-Baustelle ist die Innenverteidigung. Klar, Mertesacker spielt. Aber wer neben ihm? Heiko Westermann, der beim Fitness-Test in Sindelfingen wegen einer Verletzung fehlt, hat die Nase vorn. Aber wer kommt danach? Robert Huth etwa? Oder Serdar Tasci?
Es ist verwunderlich, dass Löw auf die Kandidaten Holger Badstuber (Bayern München) und Mats Hummels (Borussia Dortmund), zwei der Shootingstars der aktuellen Bundesliga-Saison, verzichtet. Zwar sind sie auch nicht viel erfahrener als die oben genannten Jungspunde, aber im Gegensatz zu den Stuttgartern Tasci und Träsch im Formhoch.
Doch der Bundestrainer hat sich entschieden. Aus dem Pool von elf Defensivspielern muss er nun eine WM-taugliche Abwehr basteln. Die könnte im Ernstfall zur Schwachstelle und somit zu Löws Problem werden – doch Alternativen zu den Jungs-Stars gibt es nicht. Jetzt muss Löw sie auf internationales Niveau führen.
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