Mann-gegen-Mann-Vergleich: Özil – die deutsche Antwort auf Messi
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 02.07.2010 - 12:49Pretoria (RP). Das WM-Viertelfinale zwischen Deutschland und Argentinien ist auch das Duell der beiden Spielgestalter. Beide sind besonders gut mit dem Ball befreundet, Özil hat einen großen Sprung nach vorn gemacht, Messi gilt allerdings als bester Spieler der Welt.
Der FC Schalke hat eine unerwartet erfolgreiche Saison hinter sich. Im ersten Trainerjahr von Felix Magath fanden die Gelsenkirchener nur im FC Bayern ihren Meister. Schalke wurde Zweiter vor Werder Bremen, und anders als die Mannschaft aus der Hansestadt hat es die Teilnahme an der Champions League bereits sicher.
Und doch ist vielen Fans der Königsblauen wohl ein Dorn im Auge, dass – anders als Manuel Neuer – ein Spieler der Nationalmannschaft, die bei der WM in Südafrika für so viel Furore sorgt, inzwischen das Bremer Trikot trägt. Einer, der wie Neuer in Gelsenkirchen geboren worden ist: Mesut Özil (21).
Dass Werder sich im Januar 2008 dieses Talent angelte, wirft auch noch im Nachhinein zwei Fragen auf: Hat Schalke nicht alles getan, um den Mittelfeldspieler langfristig zu binden? Und warum hat Schalke möglicherweise nicht alles getan? Der Revierklub muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat.
Ein Mann wie der Sohn einer Einwandererfamilie aus der türkischen Provinz Zongulduk am Schwarzen Meer könnte Schalke noch gut zu Gesicht stehen bei seiner Rückkehr auf die europäische Bühne. Vor dem WM-Viertelfinale morgen in Kapstadt gegen Argentinien ruhen auf Özil wieder besonders große Hoffnungen. Denn der Bremer soll mit seiner Spielkunst die Lücken in der Abwehr der "Gauchos" aufreißen und an seinen großartigen Auftritt beim Spiel gegen die Engländer anknüpfen.
Seine spektakulärste Szene hatte er in Bloemfontein, als er auf der linken Außenbahn Gareth Barry mit einem Blitzantritt wie einen Schuljungen stehen ließ und so präzise vor das englische Tor passte, dass Thomas Müller keine großen Probleme mehr hatte zu vollenden.
Auch Özil – seine Lebensgefährtin ist Anna Maria Lagerblom, Schwester von Popstar Sarah Connor – zählt zum Kreis der acht Spieler im deutschen WM-Kader, die für ihre Entwicklung als Fußballer eine der Eliteschulen in Deutschland besucht haben, mit denen der DFB zusammenarbeitet. Der junge Mann, als Spielmacher Kopf der U21, die vor einem Jahr in Schweden Europameister wurde, stand vor der Wahl, für die A-Nationalmannschaft der Türkei oder Deutschlands zu spielen. Für die Heimat seiner Vorfahren oder das Land, in dem er geboren worden ist.
Die Wahl fiel auf das Team des DFB. Dessen Generalsekretär Wolfgang Niersbach unterstreicht, dass man Özil nicht dazu gedrängt habe: "Es war seine Entscheidung. Er hat sie ohne Druck getroffen."
Dass Özil längst mit internationalen Superstars verglichen wird, bleibt in der Zeit medialer Heldenverehrung und des Starkults natürlich nicht aus. Auf Mesut Özil ruhen die Hoffnungen, dass er auch über viele Jahre hinweg eine ähnlich dominante Rolle spielt wie Wolfgang Overath und Günter Netzer, zwei große deutsche Regisseure einer längst vergangenen, großen Ära in den 60er und 70er Jahren.
"Er ist ein klassischer Spielmacher, den wir länger so nicht mehr hatten", sagt Kapitän Philipp Lahm. "Mesut ist ein Spieler, der technisch sehr, sehr stark ist, der sich sehr gut freiläuft, sich in die Tiefe bewegt, aber auch nach hinten entgegenkommt und sich Bälle abholt. Da ist er schwer zu packen, vom Gegner zu greifen. Er kann immer einen entscheidenden Pass spielen und auch selbst zum Tor gehen."
Vergleiche mit Argentiniens Messi
Gestern durfte Özil eine Trainingseinheit auslassen, der junge Mann sollte die Zeit zur Regeneration nutzen, um Kraft zu tanken. Passend zum morgigen Fußballklassiker gegen Argentinien fehlt es nicht an Vergleichen mit Lionel Messi, dem derzeit weltbesten Fußballer der Welt. Mesut gegen Messi. Ob diese Vergleiche schon angebracht sind und Özil ihnen bereits gerecht wird, steht auf einem anderen Ball, zumal die beiden auf dem Feld unterschiedliche Rollen spielen.
Als Star des FC Barcelona hat Messi, das nur 1,69 Meter große Wunderkind aus Rosario, die Fans schon mit sehr viel mehr Galavorstellungen verzaubert als Özil die Fußballfreunde in der Bundesliga. Andererseits hat der hagere, 13 Zentimeter größere Bremer dem Argentinier immerhin etwas voraus. Denn er hat bei der WM bereits ein Tor erzielt. Den so wichtigen Volltreffer zum 1:0 im letzten Gruppenspiel gegen Ghana.
Understatement ist nicht mehr angesagt im deutschen Quartier. Aber das Selbstbewusstsein, das sich durch die begeisternden Auftritte in Südafrika entwickelt hat und in praktisch jeder Äußerung aus dem Kreis der Mannschaft zu spüren ist, wirkt nicht aufgesetzt, nicht eingebildet, nicht überheblich. "Ich glaube an die Mannschaft", sagt Mesut Özil vor dem Spiel gegen Diego Maradonas ausgefuchste Truppe der Stars, "wir haben das Potenzial, das Spiel zu gewinnen."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







