Deutschland - Finnland 1:1: Podolski verhindert die totale Blamage
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 15.10.2009 - 06:59Hamburg (RPO). Enttäuschung statt Rekord: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat zum Abschluss der WM-Qualifikation einen Dämpfer hinnehmen müssen. Anstatt wie erhofft einen neuen Quali-Rekord aufzustellen und die Fans in Hamburg mit Spaß-Fußball zu verwöhnen, kam der Vize-Europameister gegen Finnland nicht über ein enttäuschendes 1:1 (0:1) hinaus.
Joachim Löw hatte böse Vorahnungen. "Die Finnen", sagte der Bundestrainer, "spielen einen klassischen skandinavischen Fußball. Sie sind vor allem darauf aus, das Spiel zu zerstören, wollen einem so richtig auf die Nerven gehen."
Ganz falsch lag er damit nicht - zumal im letzten WM-Qualifikationsspiel auch noch ein frühes Tor der Gäste hinzukam. Am Ende stand in Hamburg ein dürftiges 1:1-Unentschieden durch Lukas Podolskis späten Ausgleich. In der Tabelle tat das nicht mehr weh, aber die Tatsache, nach dem 3:3 in der Hinrunde kein Quali-Spiel gegen die Finnen gewonnen zu haben, stimmt doch nachdenklich.
Finnlands Trainer enttäuscht
"Es klingt schon verrückt, wenn man gegen Deutschland zwei Unentschieden erreicht und doch nicht zufrieden ist", sagte Finnlands Nationaltrainer Stuart Baxter. "Wir waren so dicht dran. Schade, dass ich wechseln musste, aber meine Leute waren müde." Lukas Podolski nahm den tristen Abend mit Humor. „Das war eines der schönsten Tore meiner Karriere”, beschrieb er den Stolperer zum 1:1 kurz vor Schluss.
Der erwarteten finnischen Abwehrmauer wollte Löw mit einem 4-3-3-System begegnen, also drei "echten" Stürmern. Den ersten zählbaren Erfolg aber fuhren die Gäste ein. Jonatan Johansson, vor dem Anpfiff noch vom deutschen Kapitän Michael Ballack mit Blumen für das 100. Länderspiel bedacht, beschenkte sich wenige Minuten später mit seinem Treffer selbst. Weder Andreas Beck, der Roni Porokara nicht am Flanken hinderte, noch die beiden Innenverteidiger hinterließen dabei einen guten Eindruck.
Deutschland: Adler/Bayer Leverkusen (24 Jahre/8 Länderspiele) - Beck/1899 Hoffenheim (22/5), Friedrich/Hertha BSC Berlin (30/69), Westermann/Schalke 04 (26/16), Lahm/Bayern München (25/62) - Ballack/FC Chelsea (33/97) ab 46. Özil/Werder Bremen (1/6), Hitzlsperger/VfB Stuttgart (27/50) ab 46. Gentner/VfL Wolfsburg (0/4) - Cacau/VfB Stuttgart (28/4), Trochowski/Hamburger SV (25/27), Podolski/1. FC Köln (24/68) - Gomez/Bayern München (24/30) ab 77. Klose/Bayern München (48/93). Trainer: Löw
Finnland: Jääskeläinen/Bolton Wanderers (34/55) - Lampi/FC Zürich (25/16), Heikkinen/Rapid Wien (31/50), Hyypiä/Bayer Leverkusen (36/103), Moisander/AZ Alkmaar (24/8) - Roman Eremenko/Dynamo Kiew (22/24), Sparv/Halmstads BK (22/4) - Hämäläinen/PS Turku (23/3) ab 66. Kolkka/NAC Breda (11/97), Litmanen/FC Lahti (38/129) ab 86. Nyman/FC Inter Turku (0/20), Porokara/Örebrö SK (25/8) ab 72. Kuqi/TuS Koblenz (7/60) - Johansson/vereinslos (34/100). Trainer: Baxter
Schiedrichter: Martin Atkinson (England)
Tore: 0:1 Johansson (11.), 1:1 Podolski (90.)
Zuschauer in Hamburg: 51.500 (ausverkauft)
Beste Spieler: Adler - Hyypiä, Porokara
Gelbe Karten: - Sparv, Moisander
Die schon an Verehrung grenzende Feststimmung, die die deutsche Mannschaft nach ihrem 1:0-Sieg in Russland begleitet hatte und die in Hamburg während der Vorbereitung auf das Finnland-Spiel allgegenwärtig war, verflog blitzartig. Freilich nicht allein des Rückstands wegen: Löws Truppe legte schlichtweg die schlechteste Spielhälfte der gesamten Qualifikation hin. Begleitet von immer lauteren Pfiffen des Hamburger Publikums reihte sie Fehlpass an Fehlpass, präsentierte sich uninspiriert und fahrig.
Kaum ein Torschuss
Bezeichnend für die höchst bescheidene Vorstellung war, dass es 45 Minuten lang kaum Schüsse auf den Kasten von Jussi Jääskeläinen gab. Der beste gelang noch Ballack mit einem Schlenzer, der etwas zu hoch angesetzt war. Ansonsten rannten sich die Deutschen immer wieder im finnischen Bollwerk fest, dass allerdings beileibe nicht stur defensiv ausgerichtet war.
Schlampig, halbherzig und ideenlos so schleppte sich das Spiel des zuvor so souveränen Siegers der Gruppe 4 auch nach der Pausen-Umstellung auf ein 4-4-2-System (Löw: "Die Zeit dazu war gekommen, wir kamen außen nicht so vorbei) hin. Dass es nach dem Sieg von Moskau um nichts mehr ging, geht dabei als Ausrede nicht durch.
Finnland hatte als Gruppendritter auch nichts mehr zu gewinnen, wirkte aber entschlossener und sogar spielfreudiger. Vielsagend, wird der Fußball des Teams von Stuart Baxter, eines Engländers, doch gemeinhin als hölzern und leicht ausrechenbar eingeschätzt.
Gegen die Deutschen aber hätte es fast zum gar nicht einmal unverdienten Sieg gereicht, und so blieb der faire Applaus bei der Auswechslung des großen alten Finnen Jari Litmanen einer der wenigen Höhepunkte eines ärmlichen Spiels. „Ich habe in der zweiten Hälfte gesehen, dass meine Mannschaft auf keinen Fall verlieren wollte”, schloss der Bundestrainer. Ein großer Anspruch ist das nicht.
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