Der große Nationalmannschafts-Formcheck: Schon weit oben: Philipp Lahm
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 05.09.2008 - 09:52Düsseldorf (RP). Mit dem Spiel in Liechtenstein startet die Fußball-Nationalmannschaft morgen in die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2010. Vier Tage später hat die Auswahl von Joachim Löw in Finnland anzutreten.
„Es bereitet mir grundsätzlich Sorgen, dass die Nationalspieler nach einem großen Turnier nur eine kurze Pause und eine kurze Vorbereitung hatten, dann direkt in den Spielbetrieb genommen werden und man von ihnen gleich wieder Top-Leistungen verlangt“, erklärte der Bundestrainer. „Da fehlt die Basis einer sechswöchigen Vorbereitung, was die Verletzungsgefahr erhöht.“
Der Formcheck: Robert Enke ruht in sich selbst. Auf die Diskussionen um die Nachfolge von Jens Lehmann und die Spekulation, René Adler würde dank der starken Leistungen in der vergangenen Saison und seiner großen Perspektiven sofort zur Nummer eins aufsteigen, reagiert er in der von ihm gewohnten Sachlichkeit.
Völlig unaufgeregt. Der Hannoveraner profitiert von Adlers Verletzungspech. Für ihn ist es ein erheblicher Vorteil, dass er in den ersten Spielen nach der EM zum Zuge kommt und die Chance nutzen kann, die sich ihm dadurch bietet. Gegen Belgien (2:0) hatte er nur eine schwache Szene, als er im Strafraum umherirrte.
Tim Wiese bleibt der Platz auf der Bank. Wenn Adler und der Schalker Manuel Neuer wieder fit sind, ist das Kapitel Nationalmannschaft für den Bremer wohl erst mal wieder beendet.
Nachdem seine Kniebeschwerden ausgestanden sind, drängt Christoph Metzelder wieder in die Elf. Kehrt er ins Team zurück, müsste der junge Stuttgarter Serdar Tasci nach seinem erfolgversprechenden Debüt gegen Belgien oder Heiko Westermann weichen.
Clemens Fritz steckt im Formtief, so dass Löw die Position des rechten Außenverteidigers womöglich anders besetzt, zumal da er Andreas Hinkel nachnominiert hat.
Lahm ist in Form
Eine sehr viel bessere Alternative: Philipp Lahm, in der Liga schon in blendender Verfassung, spielt wieder rechts, dann ist auf der linken Außenbahn der Weg frei für Christian Pander. Gerade gegen den Fußball-Winzling Liechtenstein wäre es nahezu paradox, wenn der form- und offensivstarke Schalker auf der Bank sitzt und Fritz trotz seines sportlichen Tiefs zur ersten Elf gehört.
Per Mertesacker ist nach einer Knieoperation noch nicht wieder im Kader, ebenso wenig Arne Friedrich. Marcell Jansen, dessen Länderspielkarriere bei der EM einen Rückschlag erlitt, muss sich vorerst mit einem Bankplatz begnügen.
Michael Ballack und Torsten Frings, die 31 Jahre alten Leitwölfe der Nationalmannschaft, fehlen erneut. Zwar soll Frings ab Sonntag wieder einsatzfähig sein, doch wird für Löw das Risiko zu hoch sein, den nach einem Nasenbeinbruch operierten Bremer gegen die kopfballstarken Finnen wieder zu nominieren.
Im defensiven Mittelfeld können sich Simon Rolfes und Thomas Hitzlsperger erneut profilieren, wie beim 3:2-Sieg im EM-Spiel gegen Portugal, als sie die Rolle der „Sechser“ makellos und zukunftweisend spielten.
Eine gute Philosophie
Löws dickes Kompliment damals für den neuen Leverkusener Kapitän: „Simon Rolfes hat eine Spielweise, die unserer Philosophie absolut entspricht. Er hat Ballsicherheit, er spielt unglaublich gute vertikale Bälle, er verliert nie die Übersicht, er kann sich im Spiel Mann gegen Mann behaupten und sieht immer die erste Möglichkeit für das Spiel nach vorn.“
Im Klub zeigen beide wieder solide Form. Für das offensive Mittelfeld dürften der große EM-Sieger Bastian Schweinsteiger (rechts) und Lukas Podolski (links) gesetzt sein - es sei denn, Löw gibt dem Mönchengladbacher Marko Marin nach dessen Traumtor gegen Belgien eine Chance in der Startformation.
Den ersten deutschen Sturm bilden Miroslav Klose (als Kapitän) und Mario Gomez. Klose, in den vergangenen Monaten oft kritisiert, deutete zuletzt leicht ansteigende Form an. In der Liga beim FC Bayern und im Abschiedsspiel für Oliver Kahn glückten ihm endlich wieder Tore.
Gomez hat nach seinen enttäuschenden Auftritten bei der EM im Team des VfB Stuttgart wieder Fahrt aufgenommen. Kevin Kuranyi hinkt seiner Topform weit hinterher, zudem hat er wegen leichter Rückenprobleme das Training reduziert. Eine Option bleibt ein Platz von Lukas Podolski im Angriff.
Und dahinter „lauert“ Patrick Helmes. Auf den 24 Jahre alten, brandgefährlichen Leverkusener hält Löw große Stücke. Der unbekümmerte „Straßenfußballer“ ist ein Mann für die Zukunft - und schafft womöglich früher als bisher vermutet den ganz großen Sprung innerhalb des Teams.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







