Fußball-Nationalmannschaft: Schweinsteigers starke Rolle
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 28.01.2010 - 10:16Düsseldorf (RP). Der 25 Jahre alte Münchner spielt beim FC Bayern im zentralen Mittelfeld. Er ist davon überzeugt, dass der Platz dort für ihn ideal ist. Auch bei der WM in Südafrika könnte dies seine Position sein – neben Michael Ballack.
Irgendwie kommt einem doch immer noch das "Schweini" über die Lippen. Der Spitzname begleitet Bastian Schweinsteiger, seit er und sein Kumpel Lukas Podolski ("Poldi") beim Confed-Cup 2005 und vor allem an den Sommermärchen-Tagen während der Weltmeisterschaft 2006 die Herzen der Fans eroberten.
Die Mini-Boygroup aus München und Köln, die hübsche Geschichte der Jungspunde ließ den Ernst des Geschäfts Profifußball oft in den Hintergrund rücken. Doch die Kurzform "Schweini" mag der Bayer nicht mehr, er hat sie vermutlich nie richtig gemocht. Lieber hat er es, wenn man über ihn mit vollem Namen schreibt.
Mit 25 Jahren hat Schweinsteiger wohl auch das gute Recht auf eine seriösere Anrede. Schließlich ist aus ihm ein gestandener Nationalspieler geworden mit einer für sein Alter fast unglaublich anmutenden Zahl von Einsätzen im DFB-Team (75).
Er ist beim FC Bayern dienstältester Profi und unter Trainer Louis van Gaal zum dritten Kapitän aufgestiegen. Beim Rekordmeister spielt er im zentralen Mittelfeld, da ist er neben Mark van Bommel ein wichtiges Bindeglied zwischen Defensive und Offensive, und er glaubt, dass diese Position für ihn die ideale ist.
Man sieht ihn auf Titelseiten von Magazinen, er trägt Anzug und Krawatte und ist das Gesicht einer Werbekampagne der Börse Stuttgart. Vom Image des Luftikus zum Leader: Das ist der Weg des Bastian Schweinsteiger im Karriere-Mittelalter, in das er inzwischen eingetreten ist. Die Wandlung ist das Ergebnis eines Reifeprozesses, zu dem unzweifelhaft auch Bayern Münchens langjähriger Manager Uli Hoeneß beigetragen hat. Mit den Sticheleien gegen Schweinsteiger beim Versuch, ihn zu mehr Professionalität zu erziehen.
Die glanzvollen Leistungen des Bayern in der Spielfeldmitte wie bei der Champions-League-Gala in Turin (4:1) bringen nun aber Joachim Löw in eine Zwickmühle. Wann ringt sich auch der Bundestrainer dazu durch, den Münchner von der rechten Seite in die Mitte zu ziehen, an die Seite seines Kapitäns Ballack?
"Ich könnte mir das irgendwann mal vorstellen, wenn wir eine Alternative für das rechte offensive Mittelfeld haben", erklärt Löw. "Derzeit sehe ich ihn vorerst nicht im Zentrum neben Michael Ballack." Dieses "irgendwann" könnte sich freilich sehr bald anbahnen. Denn die Alternativen drängen sich schneller und stärker auf, als der 49-Jährige dies vor wenigen Wochen ahnen konnte. Sie heißen Thomas Müller und Toni Kroos.
Der Münchner und der Leverkusener, beide 20 Jahre, sind Shootingstars dieser Saison, und Löw will sie in der Rückrunde intensiv beobachten. "Beide sind laufstark, spielen auf taktisch und technisch hohem Niveau", sagt der DFB-Coach. Bestätigen sie in den Monaten bis Mai ihre überraschende Entwicklung, wird für sie ein Platz reseviert sein im WM-Kader, den Löw vor dem letzten Bundesliga-Spieltag benennen will.
Und dann ist der Weg für Schweinsteiger ins zentrale Mittelfeld endgültig frei, schon zur Endrunde in Südafrika. Der Platz ist tatsächlich optimal für ihn, weil er in dieser Rolle die defensiven Aufgaben mit seiner Offensivkraft verknüpfen kann.
Solche Spieler sind es ja auch, die Joachim Löw sich in dieser Position wünscht, deshalb plant er nicht mehr mit Bremens Routinier Torsten Frings. Die erneute Knieoperation von Simon Rolfes, die eine WM-Nominierung des Leverkuseners stark gefährdet, und das krasse Leistungstief des Stuttgarters Thomas Hitzlsperger machen Schweinsteigers Rollentausch in der Nationalelf noch wahrscheinlicher.