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Traumtor gegen Wales: Trochowskis vergessene Leiden

VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 17.10.2008 - 07:45

Mönchengladbach (RP). Der kleine Mittelfeldspieler erlöste die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit seinem Siegtreffer gegen Wales. Es war der vorläufige Höhepunkt eines Comebacks, bei dem zwei Trainer kräftig mithalfen.

Piotr Trochowski erzielte gegen Wales das 1:0.  Foto: AP, AP
Piotr Trochowski erzielte gegen Wales das 1:0. Foto: AP, AP

Mönchengladbach. Wenn Piotr Trochowski in etlichen Jahren einmal auf seine Karriere als Fußball-Profi zurückblickt, dann wird die Saison 2007/08 einen besonderen Platz einnehmen. Freilich keinen Ehrenplatz: Der Nationalspieler wird sich erinnern an eine Saison voller Selbstzweifel, Rückschläge und trister, auf der Reservebank abgesessener Spielminuten.

In der Nacht zum Donnerstag, kurz nach seinem Siegtreffer zum 1:0 gegen Wales in der WM-Qualifikation, erscheint Trochowski diese Zeit plötzlich nicht mehr ganz so bitter. Logisch: Was könnte die Stimmung eines jungen Fußballers mehr aufhellen als das erste Länderspieltor – noch dazu wenn es ein solch wichtiges ist?

„Ich habe das in der vergangenen Saison gar nicht so eng gesehen“, sagt der Hamburger. „Es ist nur etwas einfacher für mich geworden, weil unser neuer Trainer Martin Jol offensiver spielen lässt. Da komme ich mehr zur Geltung.“

Eine dezente Untertreibung. Seit Jol den HSV trainiert, ist Piotr Trochowski nicht wiederzuerkennen. Und das zeigt sich nun auch in der Nationalmannschaft. Der 24-Jährige wirbelt auf der linken Seite, als hätte es nie eine Krise gegeben – eine Krise, die viele Beobachter schon an der Fortsetzung einer Bilderbuchkarriere zweifeln ließ.

Nichts schien den jungen Burschen mit den polnischen Familienwurzeln aufhalten zu können. Sicher, beim FC Bayern München, wo er seine Jugendjahre verbrachte, langte es nicht zum richtigen Durchbruch – den schaffte er dafür umso spektakulärer beim HSV. Trainer Thomas Doll baute auf ihn, richtete sein System nach ihm aus. Doch dann kam der 3. Februar 2007, und mit ihm Huub Stevens als Nachfolger des glücklosen Doll.

Fortan ging es abwärts mit Trochowski. In der Folgesaison absolvierte er zwar noch 32 Bundesligaspiele, die wenigsten jedoch über die volle Distanz. Aus dem Ausnahmetalent wurde ein Edelreservist, weil in Stevens’ auf strengster taktischer Disziplin ausgerichtetem System kein Platz war für den sensiblen Techniker. Denn Trochowski schießt zwar beidfüßig, hat aber das Defensivspiel nicht erfunden.

„Das ist für uns aber auch nicht so entscheidend“, meint Bundestrainer Joachim Löw, neben Martin Jol der zweite große Förderer des Mittelfeldspielers. „Piotr ist nun einmal eher der offensive Mann.“

Deshalb verlegte sich Löw nach der für Trochowski missratenen EM-Endrunde, bei der er keine Minute spielte, darauf, die Stärken des Hamburgers noch weiter herauszuarbeiten. „Ich habe nach der EM ein längeres Gespräch mit ihm geführt“, berichtet der Bundestrainer. „Darin habe ich ihm gesagt, was ich von ihm sehen möchte. Dass er noch mehr zum Abschluss kommt, also mit seiner glänzenden Schusstechnik abzieht oder den letzten Pass spielt.“

Piotr Trochowski hat gut zugehört – und ist in der aktuellen Form nicht aus der Startelf wegzudenken. Zu einem „absoluten Leistungsträger“ sei er geworden, lobt Löw, und das ist dem zurückhaltenden Mann, der noch immer etwas schüchtern wirkt, eher peinlich. Er verweist dann lieber auf die „große Hilfe“, die ihm sein Nationalmannschafts-Mitspieler Philipp Lahm sei: „Mit ihm habe ich schon in Bayerns B-Jugend zusammengespielt. Er hält mir den Laden sauber.“

Immerhin gestattet sich Trochowski ein breites Grinsen, als er über den Siegtreffer gegen Wales spricht. „Nach einem solchen Tor schaltet sich der Kopf aus“, beschreibt er. „Wenn man so lange um das 1:0 kämpfen musste, ist es umso schöner, wenn es doch noch fällt. Dann sind alle Leiden vergessen.“ Er selbst bezieht diesen Satz auf die quälenden 70 Spielminuten vor dem erlösenden Tor. Man darf die Bedeutung jedoch getrost auf die so bittere Saison 2007/08 ausweiten.

Quelle: RP

 
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