Erinnerungen an 1990: Und dann kam Häßler...
VON STEPHAN SEEGER - zuletzt aktualisiert: 15.10.2008 - 15:02Düsseldorf (RPO). Der Weg zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika führt über Wales. Am Mittwoch (20.45 Uhr/LIVE!-Ticker) trifft die deutsche Nationalmannschaft in Mönchengladbach auf die Briten. Die Paarung weckt Erinnerungen an den letzten deutschen WM-Triumph.
Es ist der 15. November 1989. Deutschland muss in Köln gegen Wales gewinnen, um bei der WM in Italien überhaupt dabei zu sein. Thomas Häßler, für den der Mauerfall sechs Tage vorher als gebürtiger Berliner ein ganz besonderes Ereignis war, spielt in seinem Wohnzimmer.
1983 war der technisch versierte Mittelfeldspieler zum 1. FC Köln gewechselt. Und ausgerechnet im Spiel gegen Wales machte Häßler „das wichtigste Tor meiner Karriere“, wie der 101-malige Nationalspieler später zugab.
Eine Viertelstunde nach dem überraschenden Führungstreffer der Waliser, für die es um nichts mehr ging, glich Rudi Völler für Deutschland aus. Halbzeit. Häßler konnte mit seinem Spiel nicht zufrieden sein, es klappte nicht viel im Müngersdorfer Stadion.
Thomas Häßler
Geburtsdatum: 30. Mai 1966
Karriere als Profi: 1. FC Köln (1984-90), Juventus Turin (1990-91), AS Rom (1991-94), Karlsruher SC (1994-98), Borussia Dortmund (1998-99), TSV 1860 München (1999-2003), SV Austria Salzburg (2003-04)
Länderspiele: 101 (elf Tore)
Erfolge: Weltmeister 1990, Europameister 1996, Fußballer des Jahres 1989 und 1992, Bester Spieler der EM 1992, Olympia-Bronze in Seoul 1988
Dann die 48. Minute: Pierre Littbarski, ebenfalls ein waschechter Berliner, flankt auf Häßler, der mit einem sehenswerten Seitfallzieher zum 2:1 trifft. Die Erlösung, das Ticket für die Weltmeisterschaft. Eine ganze Nation atmete durch, um 235 Tage nach dem Kraftakt gegen Wales auf die Straßen zu stürmen und den WM-Titel zu feiern.
Mit dabei war auch Häßler, der im Finale gegen Argentinien (1:0) in der Anfangself stand. Und das nur, weil er dieses Tor gegen Wales geschossen hatte. „Wir hatten damals ein Super-Mittelfeld. Die Frage war immer, wer spielt: Olaf Thon, Uwe Bein oder ich. Franz Beckenbauer hat mich im Endspiel doch nur aufgestellt, weil ich das Tor gegen Wales geschossen habe. Es war eine Art Dankeschön.“, erklärte Häßler in einem Interview mit ZDF.de.
Jetzt, 19 Jahre nach dem Spiel in Köln, trifft die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wenige Kilometer jenseits des früheren Müngersdorfer Stadions, wieder auf die Briten. Und auch diesmal zählt auf dem Weg nach Südafrika wieder nur ein Sieg. Nach dem Triumph gegen Russland muss die Mannschaft von Trainer Joachim Löw nachlegen, um die Tabellenführung in der Qualifikationsgruppe 4 zu behaupten.
Die Fans hoffen, dass es nicht ein solches Zitterspiel wie im Winter 1989 wird. Der Vize-Europameister ist klarer Favorit, sollte sich aber in Acht nehmen: Denn beim letzten Gastspiel der tapferen Waliser kam Deutschland in Frankfurt nicht über ein torloses Remis hinaus. Trotz dieses Ergebnisses im November 2007 schaffte Deutschland die Qualifikation zur EM in Österreich und der Schweiz. Ein gutes Omen – hoffentlich.
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