DFB-Team auf dem Weg zur WM 2010: Viele Baustellen für Joachim Löw
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 04.01.2009 - 10:44Düsseldorf (RP). Joachim Löw ist in diesen Tagen häufiger zu sehen, obwohl er nach dem stressigen Fußballjahr 2008 erst einmal ausspannt. Über Weihnachten machte der Bundestrainer zu Hause in Freiburg Urlaub.
Zugleich meldete er sich aber in einem Werbespot für einen großen deutschen Reisekonzern aus einem sommerlichen Ferienparadies. Der höfliche Wunsch, mit dem er sich an die Mitarbeiterin der Hotelrezeption wandte: „Wegen mir bitte keine Extrawürste!“
Extrawürste - die soll es auch unter den Spielern der Nationalmannschaft nicht mehr geben, vor allem nicht nach den Turbulenzen, die Michael Ballack und Torsten Frings im Herbst mit ihren Äußerungen über den Coach ausgelöst hatten. Keine Schonzeit für aufmuckende Platzhirsche. Aus dem netten Herrn Löw ist auch der harte Herr Löw geworden.
Bereits im Oktober hatte der 48-Jährige die Hierarchie in der DFB-Auswahl aufgebrochen, als er einen stärkeren Kampf um die Plätze im Team ankündigte und Spieler wie Thomas Hitzlsperger (26), Simon Rolfes (26) und Piotr Trochowski (24) besonders in die Pflicht nahm. Seine Formel: Mehr Alternativen = mehr Konkurrenzkampfkampf = mehr Qualität.
Anlass für den neuen Ton im Umgang mit der Mannschaft war das Abschneiden bei der Europameisterschaft. Zwar festigte das Team 24 Monate nach dem WM-Sommermärchen seine Position innerhalb der Weltspitze durch den zweiten Platz, der spielerische Gesamteindruck bei der Endrunde in Österreich und der Schweiz war trotzdem nicht überzeugend, vor allem nicht bei der Finalniederlage gegen Spanien in Wien (0:1).
Zeitig genug vor der Weltmeisterschaft 2010 musste Löw neue Reize setzen, um seinem Kader für die große Aufgabe in Südafrika wieder mehr Schwung zu geben. Er tat dies auch mit Profis, die bei der EM noch keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielten.
DFB-Elf auf gutem Weg
Auf dem Weg zum Kap der Guten Hoffnung stimmt die Richtung. Insbesondere mit dem eindrucksvollen 2:1-Sieg gegen Russland in Dortmund hat sich der dreimalige Weltmeister in der Qualifikation als Gruppenerster eine exzellente Ausgangsposition verschafft, die er in den sechs Begegnungen des neuen Jahres zu verteidigen hat mit dem Gipfeltreffen am 10.Oktober in Moskau als härtester Prüfung.
Ob die deutsche Mannschaft in der WM-Ausscheidung und bei der Endrunde in Südafrika ähnlich begeistern kann wie 2006 im eigenen Land, hängt unter anderem von diesen beiden Punkten ab:
Erstens: Löw hat Ballack nach dessen Kritik mit der Macht seines Amtes in die Schranken gewiesen. Die Frage bleibt, ob der Burgfrieden mit dem Kapitän tatsächlich hält oder der nächste Krach schon programmiert ist, zumal immer wieder damit gerechnet werden muss, dass zwischen Ballack und Teammanager Oliver Bierhoff neuer Streit entbrennt.
Der Trainer braucht die richtige Mischung aus Jung und Alt, aus jugendlichem Elan und Erfahrung. Umso wichtiger ist, dass Ballack auf seiner Position im Mittelfeld und mit seiner Torgefährlichkeit auch künftig eine dominierende Rolle spielt und im Kreis der Kollegen die Autorität hat, die er für den dominierenden Part braucht.
Zweitens: Die Generation hinter Michael Ballack (32), Torsten Frings (32) und Miroslav Klose (30) muss sich weiter profilieren. Insbesondere Bastian Schweinsteiger (24), der größte Gewinner des Länderspieljahres 2008.
Andere junge Profis wie der quirlige Mönchengladbacher Marko Marin (19) und der Leverkusener Torjäger Patrick Helmes (24) haben ebenfalls die Qualität, bereits bei der WM 2010 wichtige Aufgaben zu übernehmen, womöglich auch der Stuttgarter Sami Khedira (21), der sich in der Bundesliga zuletzt sogar als Torschütze profilierte.
Dessen Klubkollege Serdar Tasci (21), die Hoffenheimer Tobias Weis (23), Marvin Compper (23) und Andreas Beck (21) sowie das Schalker Abwehrtalent Benedikt Höwedes (20) sind Spieler mit guten Perspektiven, eventuell auch Mesut Özil (20), sofern sich der Bremer Mittelfeldakteur für die deutsche und nicht für die türkische Nationalelf entscheidet.
Zwei andere Fragen bewegen vor allem die Fans im Land: Wie verarbeitet Lukas Podolski (23) sein Scheitern beim FC Bayern München? Verliert er nach dem ersten großen Rückschlag seiner Karriere auch in der DFB-Auswahl an Stellenwert?
Die Nationalmannschaft war für ihn bisher immer eine „Familie“, in der er dem Münchner Alltagsstress entfliehen konnte. Als Einziger bestritt er im vergangenen Jahr alle 16 Länderspiele. Jetzt aber steht der ehemalige und vermutlich auch künftige Kölner Stürmer am Scheideweg.
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