Deutsche Nationalmannschaft: Vor WM Augenmerk auf Kondition
zuletzt aktualisiert: 13.01.2010 - 17:00Frankfurt/Main (RPO). Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft auf den Spuren von "Quälix" Magath: Der Deutsche Fußball-Bund will bei seinen Nationalspielern wie der für seine harten Methoden bekannte Trainer Felix Magath von Bundesligist Schalke 04 wieder verstärkt das Augenmerk auf eine gute Kondition legen.
"Aus meiner Sicht bestehen die größten physischen Reserven in einer verbesserten Belastbarkeit. Hier herrschte in den letzten Jahren zu viel Sorge, dass Spieler überlastet werden könnten", sagte Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer vor dem DFB-Kongress unter dem Titel "Aktuelle Wissenschaft für den Spitzenfußball" am Donnerstag und Freitag in Frankfurt/Main.
Bundestrainer Joachim Löw beordert vor der WM-Endrunde in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) seine Kandidaten am 26. und 27. Januar in Sindelfingen vor den Toren Stuttgarts zum Leistungstest. Eine weitere Überprüfung der Fitness wird voraussichtlich Mitte April erfolgen.
Nach Angaben von Meyer können die Testresultate Auswirkungen auf die Aufstellung haben: "In Einzelfällen mögen die Trainer auch Einsatzentscheidungen davon abhängig machen, wie bestimmte konditionelle Komponenten ausgeprägt sind", sagte der DFB-Internist.
Darüber hinaus sieht Meyer als wissenschaftlicher DFB-Beirat Verbesserungspotenzial "in Strategien zum besseren Umgang mit Stressoren und in der Entwicklung von Mechanismen zur optimalen Konzentration". Zum Thema Spielanalyse äußert sich Meyer vorsichtig: "Wissenschaftliche Arbeiten deuten darauf hin, dass dieses Feld komplexer ist, als mancher angenommen hat. Hier scheint also die Technik etwas weiter zu sein als die Interpretierbarkeit der Daten."
Meyer erhofft sich von dem hochkarätig und international besetzten Kongress, der unter anderem von Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff initiert wurde, auch neue Erkenntnisse für die DFB-Auswahl. Es sollen "Anstöße gegeben werden, in welche Richtung Forschung im Fußball zukünftig gehen kann", sagte Meyer.
Der Leiter des Instituts für Sport- und Präventivmedizin an der Universität Saarland hält den wissenschaftlichen Umgang mit dem Fußball für unabdingbar. "Die Nationalmannschaft ist wohl das liebste Kind der sportinteressierten Bevölkerung. In einer solchen exponierten Stellung kann man nicht einfach jeder Sau hinterherrennen, die durch das Dorf getrieben wird", sagte Meyer und warnte: "Insbesondere auf dem Gebiet der Nahrungsergänzung gibt es leider fast mehr Unseriöses als Seriöses.
Bei dem Kongress stehen 21 Fachreferate auf der Agenda. Unter den 342 angemeldeten Besuchern sind 59 Ärzte von Mannschaften der ersten und zweiten Liga sowie der Frauen-Bundesliga. Außerdem nehmen zehn Ärzte, zehn Fitnesstrainer und 19 Physiotherapeuten aus dem Bereich des DFB teil. Darüber hinaus wird DFB-Vizepräsident Rainer Koch über den Maßnahmenkatalog im Anti-Doping-Kampf berichten.
"Das Interesse verdeutlicht die zunehmende Bedeutung wissenschaftlichen Inputs für den Fußball", sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach: "Der Kongress soll den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die tägliche Praxis des Fußballs beleuchten."
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