Reservisten werden eingebunden: Wechsel für die gute Laune
VON JOHANNES BORNEWASSER - zuletzt aktualisiert: 29.06.2010 - 13:07Düsseldorf (RPO). Er steht sinnbildlich für minimalen Arbeitsaufwand: Günter Hermann darf sich als einer von drei Feldspielern, die kein einziges Mal aktiv ins Turniergeschehen eingriffen, Fußball-Weltmeister von 1990 nennen. Wie Herrmann fristeten in Italien auch Frank Mill und Paul Steiner ein Reservistendasein. 20 Jahre später soll sich dieses Schicksal in Joachim Löws WM-Kader nicht wiederholen.
Während Mike Hanke, Thomas Hitzlsperger, Jens Nowotny und Marcell Jansen bei der Heim-WM vor vier Jahren erst im Spiel um den dritten Platz gegen Portugal (3:1) zum Einsatz kamen, verschafft der Bundestrainer seiner zweiten Reihe diesmal frühzeitig erste WM-Einsätze.
Jansen durfte bereits im dritten Gruppenspiel gegen Ghana ran. Löw hatte den Defensiv-Mann vom Hamburger SV in der 72. Minute aufgeboten. Auch Bayern-Rückkehrer Toni Kroos bekam in dieser Partie seinen ersten Einsatz. Der Bundestrainer schickte den kreativen Mittelfeldspieler in der 81. Minute für den angeschlagenen Bastian Schweinsteiger ins Rennen.
Kießling feiert Premiere
Vier Tage später war auch Bundesliga-Torschützenkönig Stefan Kießling an der Reihe. Im Achtelfinale gegen England ersetzte der Leverkusener ab der 83. Minute Bremens Senkrechtstarter Mesut Özil und kam so zu seinem ersten WM-Einsatz.
Die oft beschworene und seitens des DFB regelrecht nach außen zelebrierte gute Laune innerhalb des Kaders soll damit geschützt werden. Löw lässt durch die Kurzeinsätze seiner "B-Elf" keinen Neid unter den Spielern aufkommen. Zudem gibt der Bundestrainer seinen Schutzbefohlenen immer wieder frei und bittet die Spielerfrauen ins Quartier. So will das Trainerteam einen möglichen "Lagerkoller" vermeiden.
Aogo und Tasci im Wartestand
Lediglich Dennis Aogo (HSV) und Serdar Tasci (VfB Stuttgart) durften sich bislang noch nicht beweisen. Doch die beiden Defensivakteure gehören mit 23 Jahren zu den vielen Perspektivspielern des DFB. Ihre Chance liegt – ähnlich wie bei Jansen in diesem Jahr – in der Zukunft der deutschen Nationalmannschaft.
Etwas anders sieht das freilich bei den Ersatz-Torhütern aus. Jörg Butt wird seine kurze Karriere in der Nationalmannschaft wohl zeitnah altersbedingt beenden müssen. Und Tim Wiese muss voraussichtlich Leverkusens Rene Adler Platz machen, der nach überstandener Rippenverletzung nach der WM wieder in den Kader der Nationalmannschaft rückt.
Doch das Jahr 2006 zeigte auch, dass die Schlussleute immer mit einem Einsatz rechnen müssen. Im Spiel gegen Portugal kam der kurz vor WM-Start zum Ersatzmann degradierte Oliver Kahn zu seinem letzten Einsatz im deutschen Tor.
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