Bremer für Länderspiele nominiert: Wilder Hunt wird langsam zahmer
zuletzt aktualisiert: 06.11.2009 - 17:31Bremen (RPO). Als "wilder Hunt" mit gerade 18 Jahren gab er im September 2004 sein Bundesliga-Debüt, fünf Jahre später berief Bundestrainer Joachim Löw Aaron Hunt erstmals für ein Länderspiel. Gegen Chile (14. November) und die Elfenbeinküste (18. November) steht Hunt im deutschen Kader. Und das hat sich der kühle Werderaner verdient.
Seit Wochen präsentiert sich der Mittelfeldspieler von Werder Bremen in grandioser Form, die aktuelle Erfolgsgeschichte des deutschen Pokalsiegers mit Rang zwei in der Bundesliga-Tabelle hat auch mit den starken Leistungen des einstigen U21-Nationalspielers zu tun.
Mittlerweile 23 Jahre alt, scheint der Sohn eines deutschen Vaters und einer englischen Mutter doch noch die Kurve zu einer überdurchschnittlichen Profilaufbahn zu kriegen. "Es läuft derzeit auch so gut, weil ich endlich beschwerdefrei bin", sagt Hunt dazu.
Nicht enden wollende Beschwerden an den Leiste und an den Knien ließen den aus Goslar stammenden Offensivspieler schier verzweifeln, sogar ein frühes Ende aller Fußballträume stand im Raum: "Ich hatte zeitweise Angst um meine Karriere und wusste nicht, wie es weitergehen sollte."
Nicht so gern erzählt der Blondschopf, dass er sich in der Vergangenheit auch häufig selbst im Weg stand. Unliebsame Schlagzeilen machten eine Spritztour unter Alkoholeinfluss durch Bremen mit anschließendem Entzug des Führerscheins und eine Schlägerei in der Disco der Hansestadt.
Tor: Rene Adler (Bayer Leverkusen), Manuel Neuer (Schalke 04), Tim Wiese (Werder Bremen)
Abwehr: Andreas Beck (1899 Hoffenheim), Jerome Boateng (Hamburger SV), Arne Friedrich (Hertha BSC Berlin), Philipp Lahm (Bayern München), Per Mertesacker (Werder Bremen), Marcel Schäfer (VfL Wolfsburg), Serdar Tasci (VfB Stuttgart), Heiko Westermann (Schalke 04)
Mittelfeld: Michael Ballack (FC Chelsea), Christian Gentner (VfL Wolfsburg), Thomas Hitzlsperger (VfB Stuttgart), Aaron Hunt (Werder Bremen), Marko Marin (Werder Bremen), Thomas Müller (Bayern München), Mesut Özil (Werder Bremen), Bastian Schweinsteiger (Bayern München), Piotr Trochowski (Hamburger SV)
Angriff: Mario Gomez (Bayern München), Stefan Kießling (Bayer Leverkusen), Miroslav Klose (Bayern München), Lukas Podolski (1. FC Köln)
Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs hofft auf die Einsicht von Hunt, dass sich solche Geschehnisse nicht wiederholen dürfen: "Ich bin sicher, dass Aaron aus seinen Fehlern gelernt hat. Jungprofis begeben sich eben vom Platz nicht gleich auf die heimische Couch."
Erste Angebote liegen vor
Ob ein solches Möbelstück auch über das Saisonende in Hunts Bremer Wohnzimmer stehen wird, ist angesichts seines sportlichen Aufschwungs noch längst nicht sicher. Schließlich läuft sein Vertrag bei den Grün-Weißen zum Saisonende aus, und Berater Karl-Heinz Förster liegen schon erste Offerten vor. In der Winterpause sind erste Gespräche geplant, noch tendiert der Umworbene zum Bleiben. "Ich bin jetzt acht Jahre im Verein, deshalb ist Werder mein erster Ansprechpartner, alles andere wäre doch Schwachsinn", sagt Hunt.
Doch der dribbelstarke Angreifer kann und will in diesem Zusammenhang seine englischen Wurzeln nicht verleugnen. "Ich will nur für Deutschland spielen und werde da auch nicht schwach werden. Aber ich liebe den englischen Fußball, die Premier League ist für mich die beste Liga der Welt", sagt er. Konkrete Kontakte zu Klubs von der Insel gebe es aber derzeit noch nicht.
Vielleicht meldet ja auch der FC Bayern Interesse an Hunt an, es wäre nicht das erste Mal. Schon vor neun Jahren wollte ihn der deutsche Rekordmeister in sein Nachwuchsinternat locken, die Aktion scheiterte an einem ganz profanen Grund: Im Ausbildungszentrum war kein Zimmer für das Talent frei.
So wechselte der Vater eines zweijährigen Sohnes an die Weser und hält bis heute einen schwer zu knackenden Vereinsrekord: Mit 18 Jahren ist er bis auf Weiteres der jüngste Bremer Bundesliga-Torschütze.
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