Friedensgipfel in Frankfurt: Zwanziger: Löw ja, Bierhoff vielleicht
zuletzt aktualisiert: 06.02.2010 - 14:38Warschau (RPO). Friedensgipfel in Frankfurt: DFB-Präsident Theo Zwanziger und Fußball-Bundestrainer Joachim Löw haben sich nach dem Hauen und Stechen der vergangenen Tage ausgesprochen und sind um Schadensbegrenzung bemüht. Der Boss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und sein leitender Angestellter räumten ihre jüngsten Differenzen vor dem gemeinsamen Abflug zur Auslosung der EM-Qualifikation in Warschau in einem Vier-Augen-Gespräch aus.
"Ich habe gespürt, dass dem Präsidenten daran liegt, die WM-Vorbereitung in dem engen Vertrauensverhältnis fortzuführen, das uns seit Jahren verbindet, auch wenn es jetzt nicht zu der beabsichtigten Vertragsverlängerung über die WM 2010 hinaus gekommen ist", erklärte Löw anschließend.
"Gleichzeitig habe ich auch gespürt, dass meine Stellungnahme vom Freitag bei Dr. Zwanziger große Irritationen ausgelöst hat, weil dadurch in der Öffentlichkeit die Diskussion aufgekommen ist, er habe Unwahrheiten verbreitet oder sei daran beteiligt gewesen. Dies war von mir zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt." Löw hatte entgegen früherer Aussagen des DFB-Bosses erklärt, es habe keine Einigung per Handschlag über eine Vertragsverlängerung gegeben.
"Wir kennen uns nun seit sechs Jahren und haben stets gut zusammengearbeitet", sagte Löw über Zwanziger: "Immer konnten wir uns auf seine persönliche Unterstützung und die des DFB verlassen. Es ist in den kommenden Wochen daher unser gemeinsames Ziel, wieder eine positive Atmosphäre zu schaffen und alle Kraft auf die optimale WM-Vorbereitung zu konzentrieren."
Zwanziger hatte im Streit mit Löw wegen angeblich überzogener Forderungen zuvor bereits eingelenkt. "Ich will ihn behalten. Wenn wir die WM erfolgreich spielen, werde ich mit Löw sprechen. Und wenn wir sie nicht so erfolgreich spielen, dann auch. Er wird immer mein erster Ansprechpartner sein", sagte der DFB-Präsident der Süddeutschen Zeitung (Samstagausgabe).
Kein klares Bekenntnis gab der 64-Jährige dagegen zu Oliver Bierhoff ab. Der umstrittene Teammanager wurde stattdessen von Zwanziger und auch von Fußball-Kaiser und DFB-Präsidiumsmitglied Franz Beckenbauer für seinen Verhandlungsstil scharf attackiert.
"Es war absolut richtig, die Forderungen von Bierhoff nicht zu akzeptieren. Auch in Zukunft darf nur das DFB-Präsidium über den Bundestrainer entscheiden und nicht ein Nationalelf-Manager. Ein Vetorecht war nicht akzeptabel. Meine Meinung: Der Übernahme-Versuch ist gescheitert", sagte Beckenbauer der Bild-Zeitung.
Zwanziger hatte am Donnerstag die Vertragsgespräche mit der sportlichen Leitung der Nationalmannschaft wegen unterschiedlicher Auffassungen überraschend abgebrochen und auf die Zeit nach der WM in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) vertagt.
Sollten die beiden Parteien keinen gemeinsamen Kurs mehr finden und sollte Löw nach der WM aufhören, wäre das für den ehemaligen DFB-Teamchef Beckenbauer, der noch auf eine Einigung hofft, kein großes Problem: "Keiner ist unentbehrlich. Es gibt auch noch andere, die es können. Ich verstehe ehrlich gesagt auch nicht die Forderungen. Bundestrainer ist doch ein Traumjob, der ordentlich bezahlt wird."
Löw selbst hatte am Freitag mit einer Erklärung für weiteren Zündstoff gesorgt. "Von unserer Seite wurde ein verhandelbarer Vorschlag vorgelegt, uns dagegen wurde ein nicht verhandelbares Angebot zugestellt", über das in 48 Stunden hätte entschieden werden müssen, so der Bundestrainer.
Bei Zwanziger hatte Löws Erklärung, es habe keinen Handschlagvertrag gegeben, für Verwunderung gesorgt. "Es war ein Vier-Augen-Gespräch, wir waren uns einig und haben uns anschließend die Hand gegeben." Dennoch sieht Zwanziger das Verhältnis ebenfalls nicht als belastet an. "Ich sehe das nicht als Vertrauensbruch. Wir sind Freunde, wir sind keine Feinde. Wir arbeiten an einem gemeinsamen Projekt", sagte er im Vorfeld der Gruppenauslosung für die EM-Qualifikation am Sonntag (12 Uhr im Live-Ticker).
DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach forderte alle Beteiligten auf, "in Ruhe und sachlich" mit der Situation umzugehen. "Aktuell ist die Atmosphäre sicherlich nicht optimal", sagte er. In Warschau kommt es nun zu einer grotesken Situation. Denn nach der Zeremonie im altehrwürdigen Kulturpalast müssen sich Löw und Bierhoff zu den Gruppengegnern äußern, obwohl sie vielleicht ab Juli gar nicht mehr in der Verantwortung stehen.
Das gilt wohl insbesondere für Bierhoff, den Zwanziger für die gescheiterten Vertragsgespräche verantwortlich macht. Es habe beim ersten Gespräch mit Löw Mitte Dezember keine Anzeichen für gravierende Unterschiede gegeben, "die gab es erst, als Oliver Bierhoff in einem Gespräch Mitte Januar neue Fakten geschaffen hat, indem er uns Entwürfe für völlig neue Verträge präsentiert hat. Wir wollten verlängern - doch wir wollten keinen neuen Vertrag machen."
Zwanziger verwies auf unannehmbare finanzielle Erwartungen und auf Bierhoffs Wunsch nach einer stärkeren Manager-Stellung: "Das war nicht machbar. Ich hätte dann drei oder vier Anträge auf Satzungsänderung beim nächsten Bundestag stellen müssen. Diese offensive Ausdehnung der Kompetenzen wäre mit den Grundsätzen des DFB nicht vereinbar gewesen. Eine Nationalmannschafts-GmbH mit dem DFB als Aufsichtsrat – das geht nicht."
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