Nur noch sieben Plätze für Südafrika frei: Auch Otto Rehhagel will zur WM
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 14.11.2009 - 14:05Düsseldorf (RP). Mit der Fußball-Nationalmannschaft von Griechenland bestreitet der in Essen geborene Trainer das erste Play-off-Spiel gegen die Ukraine. Im Aufgebot seiner Mannschaft stehen auch die Bundesliga-Stürmer Theofanis Gekas (Leverkusen) und Angelos Charisteas (Nürnberg).
Man mag es kaum glauben: Auch Otto Rehhagel, der heute in Athen mit der griechischen Nationalmannschaft zum ersten Play-off-Spiel um die WM-Teilnahme gegen die Ukraine antritt, hatte früher den Ruf, unter den Trainern kaum mehr als ein "Feuerwehrmann" zu sein. Ein Fußballlehrer, der in der Lage ist, ein Team kurzfristig aus großer (Abstiegs-) Not zu führen, sich in der Tagesarbeit mit der Mannschaft dann aber verschleißt und nicht lange halten kann.
So arbeitete Rehhagel von 1972 bis 1980 bei sechs Vereinen. Mit Fortuna Düsseldorf feierte er zwar 1980 den DFB-Pokalsieg, kurz darauf aber trennte sich der Klub wieder von ihm. Als Coach von Borussia Dortmund hatte Rehhagel zwei Jahre zuvor im Düsseldorfer Rheinstadion das legendäre 0:12-Debakel gegen Borussia Mönchengladbach erleben müssen. Allein Jupp Heynckes traf fünfmal. Bis heute ist dieses Resultat das höchste Ergebnis der Bundesligageschichte. Es war eine Schmach, die Rehhagel, damals 39 Jahre alt, den Job beim BVB kostete und den Spitznamen "Torhagel" einbrachte.
Der in Essen geborene Coach ist immer noch hungrig auf Erfolge, auch wenn er mit 71 Jahren längst zu den "Oldies" im Geschäft gehört. Fünf Jahre nach dem sensationellen Gewinn der Europameisterschaft, durch den der Deutsche zu einem Helden Griechenlands aufstieg, will er mit den Hellenen das WM-Ticket lösen. Bei dem Versuch, sie zur Weltmeisterschaft 2006 in seinem Heimatland zu führen, scheiterte er. Nun ist die Ukraine um Anatoli Timoschtschuk vom FC Bayern München und Stürmerstar Andrej Shevchenko letzter Gegner auf dem Weg nach Südafrika.
In 14 Jahren bei Werder Bremen (bis 1995) befreite sich Otto Rehhagel eindrucksvoll vom Image des Kurzzeitangestellten. Mit Hennes Weisweiler (gestorben 1983), Udo Lattek, Ottmar Hitzfeld, Jupp Heynckes, Thomas Schaaf und Felix Magath zählt er zu den großen deutschen Klubtrainern seit Gründung der Bundesliga. Als die Eliteklasse am 24. August 1963 Premiere hatte, war der gelernte Maler und Lackierer – mit 25 Jahren – Abwehrspieler von Hertha BSC Berlin. Ein Mann der ersten Stunde. Deshalb durfte er sich mit Fug und Recht selbst "Kind der Bundesliga" nennen.
Indem er Leidenschaft, taktische Ordnung und Disziplin vermittelte, machte "König Otto" die Fußballer Griechenlands als Außenseiter zum Europameister. Und wie Herakles in der Sage schaffte so auch "Rehakles" einen außergewöhnlichen Kraftakt. Den Nachweis, dass dieser Triumph für die Südeuropäer kein Ausnahmeerfolg war, muss er allerdings noch antreten – trotz aller Verdienste, die er sich in den schon acht Jahren als Nationalcoach bei seiner vermutlich letzten großen Trainerstation erworben hat.
In den Gruppenspielen reichte es für seine Mannschaft nur zu Rang zwei hinter der Schweiz. Immerhin stellt die Auswahl in dem Leverkusener Theofanis Gekas den mit zehn Treffern vor Edin Dzeko (Bosnien-Herzegowina/9) erfolgreichsten Torschützen der europäischen WM-Ausscheidung. Dzeko steht beim Deutschen Meister VfL Wolfsburg unter Vertrag.
Der Nürnberger Angelos Charisteas erzielte im EM-Finale 2004 mit einem Kopfball das Siegtor zum 1:0 gegen Gastgeber Portugal. Obwohl der heute 29-Jährige nicht mehr die Klasse vergangener Jahre hat, darf Charisteas nach wie vor einer hohen Wertschätzung bei seinem Nationalcoach sicher sein. Denn so schnell lässt Otto Rehhagel, wie man weiß, verdiente Weggefährten nicht fallen.
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