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Vier Jahre vor WM-Start: Brasilien liegt hinter dem Zeitplan

zuletzt aktualisiert: 09.07.2010 - 07:27

Rio de Janeiro (RPO). Es sollte mal wieder positiv über Fußball und Brasilien geredet werden. In vier Jahren findet die Endrunde der Weltmeisterschaft schließlich beim Rekordweltmeister statt. Ein Logo wurde also enthüllt, und wichtige Menschen wollten voller Optimismus wunderbare Dinge erzählen - doch sie mussten sich rechtfertigen: Vier Jahre vor der WM 2014, sechs Jahre vor Olympia 2016 in Rio de Janeiro, häufen sich die Probleme zwischen Amazonas und Zuckerhut.

"Unglaublich, wie spät Brasilien dran ist", hatte Jerome Valcke, immerhin Generalsekratär des Weltverbandes Fifa, vor zwei Monaten alarmiert festgestellt, und den Brasilianern erklärt: "Ihr müsst euch schon ins Zeug legen." Machen wir, versicherte Ricardo Teixeira, mächtiger Präsident des brasilianischen Verbandes CBF und ehemaliger Schwiegersohn des Fifa-Ehrenpräsidenten Joao Havelange, am Donnerstag. Und der ehemalige Weltstar Romario teilte mit: "Wir wollen die beste WM aller Zeiten ausrichten."

Brasilien wird nach 1950 zum zweiten Mal Gastgeber der WM sein. Auf dem Weg zum Zuschlag am 30. Oktober 2007 gab es keinen Gegenkandidaten und anschließend keine Kritik an der Bewerbung, der demonstrierte Schulterschluss zwischen Politik, Wirtschaft, Verband und Volk aber ist längst lose. Die Euphorie weicht der Skepsis. Wie beim verzweifelten Kampf von Sao Paulo, größte Stadt des Landes und dessen wirtschaftlicher Motor, um das Eröffnungsspiel.

Beim Finale am 13. Juli 2014 führt kein Weg am Maracana, der Fußball-Kultstätte Rio de Janeiros, vorbei. Doch auch Sao Paulo soll, muss prominent zum Zug kommen. Nur: Das Morumbi, das Stadion des sechsmaligen Meisters FC Sao Paulo, ist wie zwei weitere der zwölf WM-Arenen in privater Hand. Die Finanzierung der Stadien wird wohl fast zu 95 Prozent mit staatlichen Geldern erfolgen. Doch an die Mittel kommt der FC Sao Paulo nicht ohne Weiteres heran.

Umgerechnet rund 287 Millionen Euro werden benötigt, um das Morumbi den Fifa-Vorgaben entsprechend für ein Eröffnungsspiel in Schuss zu bringen. Der Klub will sich nicht verschulden, bevorzugt eine kleine, umgerechnet rund 128 Millionen Euro teure Lösung. Das hieße: kein Eröffnungsspiel in Sao Paulo, und keine Spiele ab dem Viertelfinale. Teixeira graut vor der Vorstellung, "dass die WM ohne Sao Paulo stattfindet" - doch so wird es womöglich kommen.

Mit der Ausweitung auf zwölf Austragungsstätten wollen die Veranstalter den Fußball in alle Winkel des Landes bringen. Die fünf Großregionen haben mindestens einen Vertreter. Doch Manaus, die Stadt am Amazonas als Repräsentant des Nordens, und Cuiaba, Tor ins Pantanal-Gebiet als Zugkraft des Zentralwestens, sind ohne Team in den obersten beiden Profiligen. Den Stadien dort droht nach der WM Leerstand und Verfall.

Der Bundesdistrikt Brasilia wird zudem von einem der größten politischen Skandale in der Geschichte des Landes erschüttert, bei der Errichtung des Nationalstadions wurde noch kein Stein bewegt. Baustopp auch bei der "Arena Capibaripe" in Recife. In Natal wird für die "Arena das Dunas" gerade erst die Erde geebnet. In Manaus und Cuiaba reißen sie noch die Fassaden der alten Fußballstadien ein, um Platz für die neuen zu schaffen.

Der Pessimismus beschränkt sich nicht auf die Stadien. Große Kopfschmerzen bereitet die Situation der Flughäfen, die schon heute in jeder Ferienzeit an die Grenze der Belastbarkeit stoßen. Laut einer Studie des Instituts für angewandte Ökonomie IPEA operierten die Airports für zehn der zwölf geplanten Austragungsstätten im Jahr 2009 über ihrer Kapazität.

Umgerechnet 1,8 Milliarden Euro aus dem Staatshaushalt stehen für den Ausbau der Flughäfen zur Verfügung. Die WM-Organisatoren kalkulieren mit 500.000 ausländischen Touristen, die das Land mit kontinentalen Ausmaßen bereisen werden. Die Straße ist schon wegen der riesigen Entfernungen keine wirkliche Alternative, der versprochene Schnellzug zwischen Rio de Janeiro und Sao Paulo verkehrt wohl erst zu den Olympischen Spielen.

Bleibt Teixera wohl nur, auf den berühmten "Jeitinho" der Brasilianer zu setzen: Das Geschick, in verzwickten Situationen den Kopf noch listig aus der Schlinge zu ziehen.

Quelle: SID/born

 
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