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Nach Frankreichs Skandal-Tor: Braucht der Fußball den Videobeweis?

VON STEPHAN SEEGER - zuletzt aktualisiert: 21.11.2009 - 08:45

Düsseldorf (RPO). Ein ganzes Land liegt in Tränen. Zum Teil aus Enttäuschung, zum Teil aus Wut. Irland will das skandalöse Aus in den Play-offs der WM-Qualifikation gegen Frankreich nicht so einfach hinnehmen. Selbst die Politiker haben sich nun eingeschaltet und fordern vehement ein Wiederholungsspiel.

Der Weltverband Fifa schloss eine Wiederholung des Spiels am Freitag kategorisch aus. "Es gibt keinen Weg, das Spiel wiederholen zu lassen. Das Spiel erneut anzusetzen, würde absolutes Chaos für den Fußball bedeuten. Die Fifa-Regeln sind absolut eindeutig. Die Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters ist endgültig. Damit ist jede Diskussion beendet", zitierte die britische BBC einen Fifa-Offiziellen.

Dabei wurden in der Vergangenheit bereits Spiele wegen einer krassen Fehlentscheidung des Schiedsrichter-Gespanns neu angesetzt.

Beispiel 1 – das Phantomtor: Es ist der 23. April 1994. Der 32. und drittletzte Bundesliga-Spieltag steht auf dem Programm. Der FC Bayern München empfängt den 1. FC Nürnberg zum Derby. Ein Derby, das Fußballgeschichte schrieb. In der 26. Spielminute vergab Bayerns Abwehrspieler Thomas Helmer eine große Chance, als er eine Flanke von rechts knapp am Tor vorbeischoss. Helmer hielt sich die Hände vor das Gesicht ob seiner vergebenen Möglichkeit und war bereits auf dem Rückweg, als Linienrichter Jörg Jablonski die Fahne hob und zur allgemeinen Verwunderung auf Tor für die Bayern entschied. Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers erkannte den Treffer an. Nürnberg legte Protest gegen die Wertung ein, der DFB erklärte das "Phantom-Tor" im Nachhinein für ungültig, weil es nicht als Tatsachenentscheidung eingestuft werden konnte. Bayern gewann das Wiederholungsspiel 5:0.

Beispiel 2 – der falsche Freistoß: In der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland wurde in Asien ein Spiel wiederholt. Im Duell zwischen Bahrain und Usbekistan (1:0) war es zu einer schweren Fehlentscheidung des Schiedsrichters gekommen. Bei einem Elfmeter Usbekistans lief ein Spieler des Bahrain zu früh in den Sechzehner. Anstatt den Strafstoß wiederholen zu lassen, entschied der Unparteiische auf Freistoß für Bahrain.

Beispiel 3 – der frühe Strafstoß: Schiedsrichter Bernhard Brugger war im Spiel der österreichischen Eliteklasse zwischen dem SCR Altach und Rapid Wien am 24. Februar 2008 der entscheidende Mann. Beim Stande von 0:0 ahndete Schiedsrichter Brugger ein vermeintliches Foul von Rapids Markus Katzer am ehemaligen Bundesliga-Profi Carsten Hutwelker. Als Roland Kirchler zum Elfmeter anlief, stand Rapid-Keeper Helge Payer noch mit dem Rücken zum Schützen im Tor. Beim Pfiff drehte sich der Keeper um, der Ball war da aber schon unnereichbar auf dem Weg ins Tor. Nach einer Senats-Entscheidung wurde das Spiel wiederholt.

Einzig der viel diskutierte Videobeweis, den die Fifa noch immer ablehnt, hätte den Iren helfen können. Es wird Zeit, dass die Fifa umdenkt. Eine Weltmeisterschaft findet nur alle vier Jahre statt, und die Iren spielen nicht wie in der abgelaufenen Qualifikation immer eine gute Rolle. Gerade in Spielen von einer solch hohen Bedeutung müssen die technischen Mittel ausgenutzt werden, damit so etwas wie in Paris am Mittwoch nicht mehr passiert. Für die Iren ist es jetzt aber zu spät.

Wenn die Fifa das Spiel schon nicht unterbrechen will, sollte sie sich wenigstens ein Beispiel an der Europäischen Fußball-Union (Uefa) nehmen. Diese testet in der laufenden Europa League den Einsatz von Torrichtern. Das zusätzliche Personal soll dem Schiedsrichter bei allen strittigen Situationen im Strafraum helfen. Dazu zählt die Frage, ob ein Ball im Tor war oder nicht, strittige Fouls oder eben Handspiele.

"Der Schiedsrichter wird über alle Vorgänge aller Art informiert, die er eventuell nicht gesehen hat", heißt es in der von der Uefa veröffentlichten Aufgabenbeschreibung der Torrichter, die per Funk Kontakt zum Schiedsrichter halten.


 
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