Harald Stenger: Der Sprecher der Nationalelf
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 11.07.2010 - 08:53Pretoria (RP). Harald Stenger ist ein Gesicht des Deutschen Fußball Bundes (DFB). Nicht eines der bekanntesten, denn das sind die Spieler der Nationalmannschaft und ihr Trainer Joachim Löw, und er gehört auch nicht zu den Männern, die in dem mit rund 6,3 Millionen Mitgliedern größten deutschen Sportfachverband das Sagen haben. Doch auch Stenger ist einem Millionenpublikum an den Bildschirmen bekannt.
Mit der Leitung der täglichen Pressekonferenzen des DFB vor vier Jahren in Berlin wurde Stenger während der Heim-WM berühmt. Er war der Mann auf dem Podium neben dem Bundestrainer, damals Jürgen Klinsmann, und neben den Stars als Hauptakteuren des Sommermärchens.
Wie das täglich wiederkehrende Murmeltier begann Stenger die Gesprächsrunden mit den Journalisten stets mit einem "Guten Tag und herzlich willkommen". Er war in der Hauptstadt der Regierungssprecher des DFB.
So begrüßt er auch in Südafrika die Reporter aus vielen Ländern, mittags im Pressezentrum unmittelbar neben dem Mannschaftsquartier. Und er kennt nahezu jeden deutschen Journalisten, der auf einem der schwarz- und rot- und goldgefärbten Stühle im Saal sitzt, auch viele ausländische Kollegen spricht er mit ihrem Namen an. Diesen Ausdruck von Respekt hat er sich bewahrt.
Seit 2001 ist der gebürtige Frankfurter für den DFB tätig, nachdem dessen früherer Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder ihn in die Verbandszentrale am Main geholt hatte. 32 Jahre lang hatte er zuvor als Journalist für die Frankfurter Rundschau gearbeitet, zuletzt als Fußballchef. Dann wechselte er die Fronten. Man schätzt ihn als geradlinigen, zuverlässigen, gewissenhaften Menschen.
Bei allem Ernst, mit dem er arbeitet – Fernsehzuschauer erleben ihn oft auch mit einem Schmunzeln bei einem spontanen Witz im Zwiegespräch mit den DFB-Trainern und vor allem mit den Spielern auf dem Podium. Insbesondere wenn Lukas Podolski Platz genommen hat, kann es sehr lustig werden. Stenger ist für den Kölner so etwas wie ein väterlicher Freund.
Mit seinem hessischen Idiom verleiht er den Konferenzen seine Note, wobei er freilich nie außer Acht lässt, wer die wichtigsten Personen bei diesem Rede-und-Antwort-Spiel sind. Die in den Sportanzügen natürlich. Er ist die Schnittstelle zwischen Löw und der Mannschaft auf der einen sowie dem Journalistenheer auf der anderen Seite. Mit dem Chefcoach versteht er sich, so scheint es, gut. Das Verhältnis zu dessen Vorgänger Klinsmann war nicht so harmonisch. Man spürte das bei gemeinsamen, offiziellen Auftritten.
Am Ende des Jahres läuft Stengers Vertrag mit dem DFB aus, und es erscheint ungewiss, ob er nach der Rückkehr aus Afrika überhaupt noch einmal eine Pressekonferenz für den Fußball-Bund leiten wird. Im Januar wurde er als Medienchef des DFB entmachtet. Er behielt nur noch den Verantwortungsbereich für die Nationalmannschaft. Löw und Teammanager Oliver Bierhoff sollen sich dafür eingesetzt haben, dass Stenger wenigstens diese Aufgabe bis zur WM wahrnimmt.
Dessen Verhältnis zu Präsident Theo Zwanziger war stark abgekühlt. Während der WM ist Zwanziger und DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach ein Brief übergeben worden, den mehr als 80 Journalisten unterzeichneten. Die ehemaligen Kollegen stellten keine Forderung. Sie wollten nur ausdrücken, wie zufrieden sie mit der Zusammenarbeit mit Stenger sind.
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