Fußball-WM 2022 in Katar: Die gekaufte Weltmeisterschaft?
VON MARTIN BEILS - zuletzt aktualisiert: 05.12.2010 - 10:18Zürich/Düsseldorf (RP). Die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2022 an Katar war von langer Hand vorbereitet. Das Emirat bekommt modernste Arenen. Und es entwickelt ein Nationalteam – auch mit afrikanischen Talenten.
Emir Sheich Hamad bin Khalifa al-Thani wusste, dass es sich langfristig auszahlen würde, ein gutes Verhältnis zum Präsidenten des Fußball-Weltverbands (Fifa) zu pflegen. Als Sepp Blatter 1998 und 2002 um seine Wiederwahl als Fifa-Chef kämpfte, unterstützte ihn Katars Herrscher angeblich finanziell. Und er lieh ihm ein Flugzeug für den weltumspannenden Wahlkampf. Blatter und Mohamed Bin Hammam, Mitglied des Exekutivkomitees aus Katar, bereisten monatelang arme Länder. Sie gaben Geld zur Entwicklung des Fußballs insbesondere in Afrika – und das nicht ohne an den eigenen Nutzen zu denken.
Die Vergabe der WM 2022 an den Wüstenstaat sorgt weltweit für Entsetzen. Sie war kein Zufallsergebnis, sondern von langer Hand vorbereitet. Ungeniert redeten die Katarer zuletzt noch über den Handel mit Spanien: Verschaffe ich dir Stimmen für die WM 2018, gibst du mir deine für 2022.
Für die Spanier und Portugal als ihren Kompagnon ging der Deal nicht auf: Sie unterlagen gegen die Russen. Katar aber feiert einen Sieg im "Kampf der Kontinente und der Kulturen" (Zeitung "Al Schark al-Awsat", Doha). Und das, obwohl das Land von der Bewertungskommission der Fifa im Vergleich mit den Konkurrenten USA, Australien, Japan und Südkorea nur mäßig bewertet worden war. Auch die Unternehmensberatung McKinsey hatte Katar, was die Vermarktungs-Chancen angeht, auf Rang vier unter fünf Kandidaten gesetzt.
Nun steht der 1,7-Millionen-Einwohner-Staat auf der Weltkarte des Sports. Nicht nur im globalen Maßstab, auch auf regionaler Ebene geht es ums Prestige. "Obwohl die Staaten des Mittleren Ostens sich gern als Einheit präsentieren, tobt zwischen ihnen ein Wettkampf, wenn es um die Vergabe von Sport-Events geht", sagt der Rheinländer Ralf Iwan, der fünf Jahre lang als Leichtathletik-Trainer an Katars Sportakademie "Aspire" arbeitete.
Die Bewerbung von Katars Hauptstadt Doha um die Olympischen Spiele 2016 scheiterte noch daran, dass es in dem vom Internationalen Olympischen Komitee vorgeschriebenen Zeitraum im August zu warm sei. Die Fußballer, die im bis zu 50 Grad heißen Juli spielen, ziehen sich in zehn auf 27 Grad gekühlte Arenen zurück. WM-Spiele in der Halle gab es übrigens schon 1994 in Pontiac bei Detroit (USA) und 2002 in Sapporo (Japan).
Die angekündigten Investitionen von drei Milliarden Dollar stellen kein Problem für das Emirat dar. Seinen Reichtum verdankt es vor allem dem größten Naturgasreservoir der Welt, das 20 Prozent der globalen Reserven umfasst, und das Erdöl sprudelt auch noch.
Was dem Emir noch fehlt, ist eine konkurrenzfähige Mannschaft: Katar steht auf Rang 113 der Weltrangliste. Doch auch da ist der Aufschwung geplant. "Aspire" sichtete 600 000 Talente in sieben afrikanischen Ländern. Die besten werden in Katar ausgebildet und bekommen "am Ende der Ausbildung die Staatsangehörigkeit angeboten", so lautet die offizielle Sprachregelung.
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