Bestechlichkeit bei WM-Vergabe?: England soll für Enthüllungen gebüßt haben
zuletzt aktualisiert: 07.12.2010 - 17:13Tokio (RPO). Das Fußball-Mutterland England hat bei der Vergabe der WM 2018 offenbar für die Enthüllungen britischer Journalisten über Bestechlichkeit von Mitgliedern im Fifa-Exekutivkomitee büßen müssen.
"Die afrikanischen Mitglieder im Exekutivkomitee waren wütend über den Bericht der Sunday Times. Sie schlugen sogar auf einem Meeting vor, die Zeitung zu verklagen", sagte der japanische Verbands-Chef Junji Ogura, der ebenfalls Mitglied in der "Regierung" des Weltfußballs ist, am Dienstag.
England war bei der WM-Vergabe am vergangenen Donnerstag in Zürich bereits im ersten Wahldurchgang für die Endrunde 2018 mit nur zwei Stimmen gescheitert. Im zweiten Wahlgang hatte sich dann bereits Russland durchgesetzt.
Die Fifa-Exko-Mitglieder Reynald Temarii (Tahiti) und Amos Adamu (Nigeria) waren den Journalisten der Sunday Times im Vorfeld der Wahl auf den Leim gegangen und hatten ihre Stimmen bei der WM-Vergabe 2018 und 2022 quasi feilgeboten. Temarii war von der Ethik-Kommission der Fifa für ein Jahr, Adamu für drei Jahre gesperrt worden.
Außerdem hatte ein britisches TV-Magazin enthüllt, dass drei weitere Exekutivmitglieder - Issa Hayatou (Kamerun), Ricardo Teixeira (Brasilien) und Nicolas Leoz (Paraguay) - von der ehemaligen FIFA-Hausagentur ISL Gelder in den 90er Jahren erhalten haben sollen.
Ogura gab zu, dass er durch die Veröffentlichungen selbst verwirrt gewesen sei. "Was ich sagen kann, ist, dass die Berichte definitiv einen Einfluss auf die England-Bewerbung hatten. Darüber gibt es keinen Zweifel", sagte der japanische Verbandschef.
Ogura ließ offen, welches Land er für 2018 unterstützt habe. Allerdings ließ er keinen Zweifel daran, dass die Bewerber Japan, Südkorea, Australien und Katar bei der Vergabe der WM 2022 im entscheidenden vierten Wahlgang für Katar votiert hatten.
Australien war im ersten mit einer Stimme, Japan im zweiten mit zwei und Südkorea im dritten Wahlgang mit fünf Stimmen gescheitert. Im letzten Durchgang setzte sich Katar mit 14:8 Stimmen gegen die USA durch.
Sammer übt Kritik
DFB-Sportdirektor Matthias Sammer hat das verstärkte Austragen von Turnieren in Ländern ohne große Fußball-Tradition kritisiert. "Die Vergabe der WM 2022 nach Katar ist das eine, aber wenn ich sehe, dass die kommenden Europameisterschaften der U17 und U19 in Rumänien, Serbien, Estland, Litauen und der Slowakei stattfinden, muss man das schon hinterfragen dürfen", sagte der Europameister von 1996 der Tageszeitung "Die Welt". Weiter führte der gebürtige Dresdner aus: "Denn man darf nicht vergessen, dass die großen Fußballnationen diesen Sport zu dem gemacht haben, was er heute ist. Der Solidargedanke ist grundsätzlich richtig, aber man sollte auch die Verhältnismäßigkeiten berücksichtigen."
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