Ehefrau über Final-Schiri Webb: "Er hat nicht mal die Kinder im Griff"
zuletzt aktualisiert: 11.07.2010 - 11:46Johannesburg (RPO). Er kann nicht mal auf seine drei Kinder Jack, Holly und Lucy aufpassen, doch am Sonntagabend soll Howard Milton Webb die besten Fußballer der Welt in den Griff bekommen. Der Engländer leitet das Finale der Fußball-WM in Südafrika zwischen den Niederlanden und Spanien, und niemanden überrascht diese Wahl mehr als die Frau des Schiedsrichters.
"Er kann ja nicht mal seine Kinder kontrollieren. Ich weiß nicht, wie er das auf einem Fußball-Platz hinkriegt", sagte Kay Webb einem englischen Fernsehsender.
Webb, ein beurlaubter Polizei-Sergeant aus der Grafschaft Yorkshire, ist Profi-Schiedsrichter und im Gegensatz zur Meinung seiner Gattin der Mann der Stunde. Vor zwei Monaten leitete er in Madrid das Endspiel der Champions League zwischen Bayern München und Inter Mailand (0:2) - nun vertraut ihm die FIFA als viertem Referee aus England ein WM-Endspiel an. Direkter Vorgänger war ein gewisser John Taylor - in Deutschland kein Unbekannter: Er leitete 1974 das Finale zwischen Deutschland und den Niederlanden (2:1).
In Südafrika sorgte Webb, der drei Tage nach dem Endspiel seinen 39. Geburtstag feiert, mit seinen Entscheidungen bislang nicht für Aufsehen, was in Fußballer-Kreisen als Lob zu verstehen ist. Noch ganz anders war dies vor zwei Jahren. Damals pfiff Webb bei der EM das Spiel zwischen Österreich und Polen, Österreich verwandelte in der Schlussminute einen Foulelfmeter zum 1:1. Damals verstieg sich der polnische Ministerpräsident Donald Tusk zu dem Satz: "Nach dem Spiel wollte ich jemanden umbringen."
Der Karriere von Webb tat dies aber keinen Abbruch: Noch bei der EM leitete er ein zweites Spiel, mittlerweile hat er 47 Spiele der Champions League gepfiffen und sich dabei nicht mal annähernd so blamiert wie Landsmann Graham Poll bei der WM 2006 in Deutschland: Im Spiel zwischen Australien und Kroatien zum Abschluss der Vorrunde verlor Poll damals völlig den Überblick und zeigte unter anderem dem Kroaten Josip Simunic, heute bei 1899 Hoffenheim beschäftigt, gleich dreimal die Gelbe Karte.
Mit beiden Endspiel-Teilnehmern ist Webb schon einmal in Kontakt geraten. Seine Länderspiel-Premiere am 6. September 2006 war ein 3:0 von Oranje gegen Weißrussland im Rahmen der EM-Qualifikation in Eindhoven. Die Spanier sahen den Glatzkopf zuletzt zu Beginn der WM: Webb leitete das überraschende 0:1 des Europameisters gegen die Schweiz. Anschließend war er beim sensationellen Ausscheiden von Weltmeister Italien gegen die Slowakei (2:3) und beim Achtelfinale zwischen Brasilien und Chile (3:0) im Einsatz.
Seinen Finaleinsatz hat Webb in gewisser Weise auch dem Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen England (4:1) zu verdanken. Benito Armando Archundia dagegen hat vom frühen Ausscheiden der Mexikaner im WM-Achtelfinale gegen Argentinien (1:3) profitiert: Der 44 Jahre alte Rechtsanwalt und Volkswirtschaftler aus Tlalnepantla leitet das Spiel um Platz drei zwischen Deutschland und Uruguay. Einigen deutschen Spieler ist der Mexikaner noch bekannt: Archundia leitete das WM-Halbfinale 2006 zwischen Deutschland und Italien (0:2).
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







