Spanischer Topstürmer bislang glücklos: Fans sprechen sich gegen Torres aus
zuletzt aktualisiert: 02.07.2010 - 15:20Johannesburg (RPO). Der spanische Stürmerstar Fernando Torres steht in den Schlagzeilen. Aber nicht, weil er mit guten Leistungen beeindruckt, sondern auf ganzer Linie enttäuscht. Ähnlich wie bei Cristiano Ronaldo stimmt bei ihm zurzeit gar nichts. Auch sein Trainer bekam seine Frustration schon zu spüren.
Wie eine Furie reagierte Fernando Torres nach seiner Auswechslung gegen Portugal, er schaute seinen Trainer unter einer Schimpftirade so verächtlich an, dass spanische Medien den Effekt mit einem Trick verstärkten: Sie ließen Funken aus seinen Augen sprühen.
Am nächsten Morgen musste sich "El Nino" (das Kind) auch noch Spott gefallen lassen. "Die Perfektion wurde erreicht, als Fernando Torres vom Platz musste", schrieb die Zeitung Marca. Und als wäre es nicht genug, sprachen sich gleich noch 70 Prozent der Fans bei einer Internet-Abstimmung gegen Torres und für Fernando Llorente aus.
Das Schlimmste jedoch: Es gibt da momentan einen Spanier, der bei jeder Gelegenheit zeigt, woran es Fernando Torres derzeit fehlt. Kaltschnäuzigkeit, Spritzigkeit, Torgefährlichkeit, Selbstvertrauen, Glaube. David Villa hat bei der WM schon vier Tore in vier Spielen erzielt, Torres dagegen trifft aus drei Metern keinen Möbelwagen. Ein Problemfall und ein Glücksfall.
In Spanien hat vor dem WM-Viertelfinale gegen Paraguay am Samstag in Johannesburg eine Diskussion über Fernando Torres eingesetzt. Explodiert er noch oder ist es sinnfrei, so lange mit eineinhalb Angreifern zu spielen, bis die Form zurückkommt? Gefährdet die Nibelungentreue von Vicente Del Bosque gar den ersten WM-Titel?
Zuspruch kommt von David Villa, was wiederum eine kleine Demütigung für Torres ist, zeigt es doch, dass er derzeit nicht einmal als Konkurrent ernstgenommen wird. "Wir alle wissen, dass Fernandos Moment bei dieser WM noch kommen wird. Vielleicht schon gegen Paraguay", sagte Villa, seines Zeichens EM-Torschützenkönig 2008, 107-maligen Torschütze in 167 Spielen für den FC Valencia.
Nun ist es nicht so, dass Fernando Torres nichts zu bieten hätte. 56 Tore in 78 Spielen für den FC Liverpool zum Beispiel, das Tor im EM-Finale gegen Deutschland (1:0). Seine Ehefrau heißt Olalla und sieht auch so aus. Torres selbst hat derzeit kurzgeschnittenes dunkles Haar, er trägt extravagante Kleidung und er besitzt enorme Werbeverträge, aber in Südafrika findet er sein Glück nicht.
Statistiken kann jeder so interpretieren, wie er es möchte. Aber im Fall Torres lügen sie nicht. 14 Schüsse spanischer Stürmer gingen während dieser WM bisher aufs Tor, nur zwei kamen von Torres, 12 von David Villa. 0:4 Tore, 212:358 Einsatzminuten, langsam gegen schnell, viel laufen gegen wenig laufen, es sieht nicht gut aus.
Eine geradezu "außerirdische Leistung" bescheinigte die spanische Presse David Villa nach dem Duell mit Portugal (1:0). Torres dagegen zündete wieder nicht, wie schon gegen die Schweiz, Honduras und Chile. Vicente Del Bosque wird es nicht einfach haben, dem Druck der Öffentlichkeit standzuhalten, wenn der einst stolze Torero nicht gegen Paraguay endlich zusticht.
Es ist an der Zeit, dass Fernando Torres auch auf dem Platz wieder Funken sprüht.
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