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Uruguay Frankreich ap 2010 panorama
  Foto: AP, AP
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Gerüchte um Ribery und Zidane: Frankreich liegt in Trümmern

zuletzt aktualisiert: 21.06.2010 - 17:33

Bloemfontein (RPO). Zinedine Zidane ist über das Auftreten der französischen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM enttäuscht - nicht nur vom torlosen Gekicke des Vize-Weltmeisters, sondern auch abseits des Rasens. Derweil halten sich Gerüchte, wonach der einstige Superstar mitverantwortlich für die Unruhe sein könnte.

Nicolas Sarkozy hatte ganz offensichtlich die Faxen dicke. Nachdem die Fußballer bei der WM in Südafrika die Grande Nation tagelang der Lächerlichkeit preisgegeben hatten, griff der französische Staatspräsident ein. Um weitere hässliche Kratzer am Image des Landes zu verhindern, erhielt Sportministerin Roselyne Bachelot, die sich ohnehin in Südafrika aufhielt, noch am Sonntag den Auftrag, die Repräsentanten von "Les Miserables" zu einem Krisengipfel zu bestellen.

Der Präsident und sie selbst, sagte Bachelot, "haben von der Entrüstung der französischen Menschen Kenntnis genommen, wir rufen zu Würde und Verantwortung auf." Die Ministerin drohte zugleich mit Konsequenzen. "Es ist noch nicht die Zeit für Disziplinarmaßnahmen, aber diese Zeit wird bald kommen", sagte sie. Wirtschaftsministerin Christine Lagarde, eine ehemalige Synchronschwimmerin, verurteilte unterdessen den Trainingsboykott der Spieler am Sonntag: "Auch ich habe die Nationalfarben getragen, ich bin erschüttert."

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Sponsor weg

Die Skandale im französischen WM-Team haben auch finanzielle Folgen für Les Bleus. Die französische Bank Credit Agricole, bekannt als Ex-Sponsor eines gleichnamigen ehemaligen Radsport-Teams, hat sich als Geldgeber der Equipe Tricolore zurückgezogen. Zuvor hatte eine französische Fastfood-Kette (Quick) Werbung mit Enfant terrible Nicolas Anelka zurückgezogen, den Nationalcoach Raymond Domenech aus dem Kader geworfen hatte. Der Herzogenauracher Sportartikelhersteller adidas wird dem Weltmeister von 1998 als Ausstatter bis 2011 erhalten bleiben.

Am Dienstag spielt die Equipe Tricolore gegen den Gastgeber Südafrika (16 Uhr im Live-Ticker) um ihre Minimalchance, doch noch das Achtelfinale dieser WM zu erreichen. Frankreich braucht einen klaren Sieg und außerdem einen Verlierer im Spiel zwischen Mexiko und Uruguay. "Wir werden alles tun, um zu gewinnen", versichert Franck Ribery vom FC Bayern München. In einem Brief der Mannschaft an die Öffentlichkeit steht: "Wir werden alles tun, um die Ehre Frankreichs wiederherzustellen."

Den Spielern wird die Tragweite der Vorfälle wohl zunehmend bewusst. "Die ganze Welt lacht über uns", jammert Ribery, der sich dieser Tage wohl nichts lieber wünscht, als bei der "Familie" Bayern München zu sein. "Frankreich leidet. Unser Land leidet. Ich leide", betonte Ribery, der im Verdacht steht, selbst einer der Unruhestifter zu sein. Die Vorwürfe in französischen Medien: Mobbing gegen Teamkollegen und Intrigen gegen Trainer Raymond Domenech.

Spätestens am Sonntagnachmittag hatte die Equipe Tricolore einem Käfig voller Narren geglichen - die Spieler boykottierten aus Protest gegen den Rauswurf von Nicolas Anelka das Training, Domenech verlas dazu das Statement der Spieler. "Ich kann diese Maßnahme nicht nachvollziehen. Wir sind hier bei einer WM. Da muss man sich doch zusammenreißen", sagte Zinedine Zidane.

Zur Suspendierung von Stürmer Nicolas Anelka, der Domenech in der Halbzeit der Partie gegen Mexiko am vergangenen Donnerstag (0:2) beleidigt hatte, äußerte sich Zidane zurückhaltend: "Anelka hatte viel Kredit. Zu dem, was er gesagt hat, will ich mich gar nicht äußern. Aber es darf nicht sein, dass Dinge aus der Mannschaft nach außen dringen. Die Umkleidekabine ist heilig."

Auf die Frage, wer der "Maulwurf" sein könnte, antwortete der 37-Jährige: "Ich habe keine Ahnung. Ich weiß es wirklich selbst nicht." Zidane geht jedoch davon aus, dass sich die Wogen nach der WM und der Ablösung von Domenech durch Laurent Blanc wieder glätten werden. "Unter Blanc wird sich alles ändern", sagte der dreimalige Weltfußballer.

Angeblich soll Zidane selbst einer der großen Intriganten bei der Equipe Tricolore sein. Hartnäckig hält sich in den französischen Medien das Gerücht, "Zizou" habe sich nach dem ernüchternden 0:0 zum WM-Auftakt gegen Uruguay mit Ribery, William Gallas, dem von Domenech ausgebooteten Thierry Henry und dem aktuellen Mannschaftskapitän Patrice Evra getroffen. Quellen wurden hierfür jedoch keine offengelegt. Die Ziele: eine neue Taktik und eine Startelf ohne Yoann Gourcuff. Gegen Mexiko (0:2) spielte Frankreich anders und ohne Gourcuff.

Die öffentliche Selbstverstümmelung der einst so stolzen Nationalmannschaft sorgt bei ehemaligen Nationalspielern einstweilen für Kopfschütteln. Die wahnwitzigen Vorkommnisse erinnern Bixente Lizarazu an eine Science-Fiction-Serie. "Wir befinden uns in einer Episode von Akte X - jeder dreht durch", lästerte der Weltmeister von 1998 und ehemalige Spieler des FC Bayern. Marcel Desailly, sein früherer Mitspieler, sagte: "Es ist eine Schande."

Nach Anelka, der nach seinen verbalen Obszönitäten gegen Trainer Domenech am Samstag nach Hause geschickt wurde, steht nun auch Ribery im Mittelpunkt einiger Geschichten, die wie ein Strom zersetzender Säure an die Öffentlichkeit gelangen.

So soll der Mittelfeldspieler auf dem Rückflug nach dem Spiel gegen Mexiko am Donnerstag (0:2) in ein Handgemenge mit Gourcuff verwickelt gewesen sein. "Ich habe kein Problem mit Yoann" widersprach Ribery, "zu behaupten, ich hätte mich mit ihm geschlagen, ist Unsinn."

Auf den Fußballplätzen quer durch die Republik hatten Jugendtrainer schon am Wochenende große Schwierigkeiten, ihren Schützlingen zu erklären, wie sich das Verhalten der Nationalelf noch mit Verbandswerten wie Fairness, Teamgeist und Loyalität in Einklang bringen lässt. "Wie sollen junge Leute ihre Lehrer respektieren, wenn sie Anelka sehen, der den Trainer beschimpft?", sorgte sich auch Hochschulministerin Valérie Pécresse. Ein erster Sponsor zog am Montag die Konsequenzen aus dem Fiasko: Die Bank Crédit Agricole stoppte "angesichts der jüngsten Ereignisse" ihre TV-Werbekampagne mit den "Bleus".

Quelle: SID/chk

 
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