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Raymond Domenech frankreich panorama ap 2009
  Foto: AP, AP
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Showdown in der WM-Quali: Frankreich und Portugal zu Siegen verdammt

zuletzt aktualisiert: 13.11.2009 - 13:13

Düsseldorf (RPO). Für die einen bedeuten die Play-offs zur WM-Endrunde in Südafrika eine historische Chance, für die anderen werden die beiden Duelle am kommenden Samstag (ab 17 Uhr) und am darauffolgenden Mittwoch zur Nervenprobe. Bosnien-Herzegowina winkt die Premiere bei einer WM, Frankreich kann sich nur blamieren.

Acht europäische Teams hoffen auf die letzten vier WM-Tickets die analog zum Europacup in Hin- und Rückspiel ermittelt werden. Eine Konstellation, die Spannung garantiert. Vier Duelle stehen am Samstag auf dem Programm – wir sagen Ihnen, was sie erwartet.

Russland - Slowenien (17 Uhr):

In Russland zweifelt niemand am Weiterkommen gegen das "kleine" Slowenien. Das birgt die Gefahr der Überheblichkeit. Deshalb ist Trainer Guus Hiddink derzeit fast ausschließlich damit beschäftigt, seine Spieler vor einer zu lockeren Einstellung zu warnen: "Wir spielen offensiv. Wir müssen darauf achten, keine unnötigen Gegentore zu fangen." Personell kann Hiddink weitgehend aus dem Vollen schöpfen. Einzig der Ausfall von Außenverteidiger Juri Schirkow (Knie) schmerzt.

Info

Wegen Schweinegrippe: Griechen in Ukraine ohne Fans

Die griechische Nationalmannschaft und Trainer Otto Rehhagel müssen in den Play-offs gegen die Ukraine im Rückspiel am Mittwoch in Donetsk auf die Unterstützung ihrer Fans verzichten. Aus Angst vor der Schweinegrippe wurden zwei Charterflüge von Athen nach Donetsk gestrichen. Die Spieler des Europameisters von 2004 wurden vorsorglich alle geimpft. In der Ukraine sind zuletzt besonders viele Fälle der Schweinegrippe gemeldet worden.

Die Slowenen fühlen sich derweil pudelwohl in ihrer Rolle. Als totaler Außenseiter spüren sie keinen Druck. Selbsvertrauen büßen sie dadurch keineswegs ein. "Wir sind nicht umsonst Zweiter in unserer Gruppe geworden", betont der Kölner Miso Brecko ohne Umschweife und gibt sich und seinen Kollegen eine 50-Prozent-Chance.

Unsere Prognose: Russland hat mehr Fußballspieler als Slowenien Einwohner - die Sbornaja setzt sich locker durch und fährt im Sommer nach Südafrika.

Griechenland - Ukraine (19 Uhr):

WM oder Abdanken: "König" Otto Rehhagel kämpft mit Griechenlands Fußball-Nationalmannschaft um seine wohl letzte Chance auf eine WM-Teilnahme. Fünf Jahre und vier Monate nach dem EM-Titel mit den Hellenen will sich der deutsche Trainer in den Play-offs zur WM-Endrunde 2010 in Südafrika gegen die Ukraine mit 71 Jahren den Traum von der WM erfüllen.

"Wir sind kurz vor dem Ziel. Jetzt muss jeder über sich hinauswachsen", sagte Rehhagel vor dem Hinspiel am Samstag (19 Uhr) im Olympiastadion von Athen: "Das sind die großen Augenblicke im Fußball, in denen jeder Farbe bekennen muss. Wir müssen es uns verdienen, beim Turnier der ganz Großen dabei zu sein."

Auch für den gebürtigen Essener selbst steht viel auf dem Spiel. Ein Scheitern wäre für Rehhagel, der in Griechenland seit 2001 die Verantwortung trägt und dessen Vertrag ausläuft, wohl gleichbedeutend mit dem Abschied von der großen Fußball-Bühne.

Die Ukraine, die bei der WM 2006 im Viertelfinale mit 0:3 am späteren Weltmeister Italien scheiterte, sieht sich als Favorit. "Wir werden auch in Athen auf Sieg spielen", verkündete Trainer Alexej Michailitschenko, der im defensiven Mittelfeld auf Anatoli Timoschtschuk vom deutschen Rekordmeister Bayern München setzt. Dagegen wurde der frühere Bundesliga-Stürmer Andrej Woronin nicht berücksichtigt.

Unsere Prognose: Völlig offenes Duell, doch am Ende setzt sich Trainer-Guru Otto Rehhagel mit einer gewieften Taktik durch.

Irland - Frankreich (21 Uhr):

Die Kritik in der Heimat wird größer, der Spott vom Gegner verletzender: Der angeschlagene französische Nationaltrainer Raymond Domenech gerät vor dem ersten WM-Play-off-Duell in Irland immer stärker unter Druck. "Domenech wird von seinen eigenen Landsleuten ausgebuht und von seinen eigenen Spielern belächelt", lästerte der irische Verteidiger Richard Dunne und erzählte: "Ich habe im TV eine Tennis-Übertragung aus Paris gesehen. Da haben sie Domenech auf einem Videowürfel eingeblendet. Die Leute haben nur noch gepfiffen."

In Dublin will das Gastgeberteam von Coach Giovanni Trapattoni seine Stärke auch aus der Schwäche von Domenech ziehen. Sollten die Franzosen ihre 14. WM-Teilnahme verpassen und damit nach dem Vorrunden-Aus bei der EM von 2008 eine weitere Demütigung erfahren, müsste der 57-Jährige nach fünf Jahren als Trainer von Les Bleus endgültig seinen Hut nehmen.

Der umstrittene und in der Heimat eher unbeliebte Domenech weiß nach den Enttäuschungen der letzten Zeit längst, was die Stunde geschlagen hat. "Ich habe immer gesagt, jedes Spiel könnte mein letztes sein. Aber ich denke nicht an die Zukunft, ich lebe in der Gegenwart und glaube an das Schicksal", sagte Domenech, der ausgerechnet in den beiden (End-)Spielen um seine Zukunft auf den verletzten Mittelfeldstar Franck Ribery (Reizung der Patellasehne) von Bayern München verzichten muss.

Allerdings haben die Franzosen besonders vor Irlands italienischen Trainer Trapattoni großen Respekt. "Dieser Herr weiß, was er will", meinte der französische UEFA-Präsident Michel Platini voller Anerkennung. Der 70 Jahre alte "Trap" hat in seiner 18-monatigen Amtszeit auf der grünen Insel längst die Herzen der Fußball-Fans erobert.

Und der "Maestro" will mehr: "Wir gehören zu den fünf Teams, die in der WM-Quali unbesiegt geblieben sind. Das gibt uns für die Duelle mit Frankreich Selbstvertrauen", sagte der frühere Bayern-Coach, der bei einem Scheitern mit den Iren möglicherweise in Rente geht. Auf ein Vertragsangebot bis 2012 hat Trapattoni bislang nicht reagiert.

Unsere Prognose: Die Franzosen werden es ganz schwer haben. Wenn die Iren auswärts die Null halten, gelingt die Überraschung.

Portugal - Bosnien-Herzegowina (21.30 Uhr):

Hoch über der Ersatzbank auf den VIP-Plätzen des Estadio da Luz in Lissabon sitzt am Samstag der teuerste Daumendrücker der Welt. Anstatt mit seinen Kollegen gegen Bosnien-Herzegowina um das Ticket zur Fußball-WM in Südafrika zu kämpfen, ist Cristiano Ronaldo nur Zuschauer. "Es ist wirklich frustrierend, dass ich nicht in der Lage bin, Portugal in solch einem entscheidenden Moment zu helfen", sagte der 94-Millionen-Euro-Mann von Real Madrid, den eine Knöchelverletzung zur einer Zwangspause zwingt.

Zumindest als Mutmacher will der nach seinem Transfer von Manchester United nach Madrid im Sommer teuerste Fußballer der Welt der Seleccao zur Verfügung stehen, die erstmals seit der WM 1998 in Frankreich wieder ein großes Turnier verpassen könnte. "Ich gehe ins Stadion, um mein Team zu unterstützen. Ich bin sicher, dass wir genug Qualität haben", sagte der Stürmer: "Danach gehe ich in die Kabine, um den ersten von zwei Schritten zu feiern."

Der portugiesische Coach Carlos Queiroz warnt derweil vor der Klasse des Gegners. "Sie haben Spieler, die alleine Spiele entscheiden können", sagte er und nannte unter anderem das Wolfsburger Duo Edin Dzeko und Zvjezdan Misimovic. Neben diesen beiden stehen auch die Hoffenheimer Vedad Ibisevic und Sejad Salihovic im bosnischen Team, das von der ersten WM-Teilnahme träumt.

Nach Meinung von Ibisevic wird die Aufgabe durch den Ausfall von Ronaldo allerdings nicht leichter. "Über das Fehlen von Cristiano Ronaldo mache ich mir keine Gedanken. Portugal hat genügend überragende Spieler", sagte der Stürmer, und Salihovic fügte hinzu: "Ronaldo wäre wohl über meine Seite gekommen. Darauf hatte ich mich schon eingestellt. Jetzt ist er zwar nicht dabei, aber auch ohne ihn wird es natürlich eine schwere Aufgabe für uns."

Unsere Prognose: Bosnien schafft die Sensation dank ihrer grandiosen Einzelspieler.

Auch auf dem amerikanischen Duell geht es noch um die WM! Im Duell zwischen Nord-/Mittelamerika gegen Südamerika treffen Coasta Rica und Uruguay ebenfalls in Hin- und Rückspiel aufeinander.

Costa Rica - Uruguay (3 Uhr in der Nacht zum Sonntag):

Acht Ausfälle und ein Torjäger mit schlechtem Omen: Trotz klarer Favoritenrolle ist beim zweimaligen Fußball-Weltmeister Uruguay vor dem ersten Play-off-Duell am Samstag gegen Costa Rica um ein Ticket zur WM-Endrunde im kommenden Jahr von großen Tönen nichts zu hören. Trainer Oscar Tabarez macht aus der Aufstellung ein wohl gehütetes Geheimnis und lässt die Mannschaft nur hinter verschlossenen Türen trainieren.

Schließlich fehlen dem Fünften der Südamerika-Qualifikation für das Duell auf dem Kunstrasen des Saprissa-Stadions in Costa Ricas Hauptstadt San Jose gleich fünf Spieler wegen Sperren, darunter die Stammkräfte Andres Scotti, Martin Caceres und Maximiliano Pereira. Drei weitere Akteure fallen wegen Verletzungen auch für das Rückspiel am Mittwoch in Montevideo aus.

Aus dem mit 20 Legionären gespickten Kader ragt vor allem Diego Forlan heraus, der in der vergangenen Saison mit 32 Treffern für den spanischen Erstligisten Atletico Madrid Europas erfolgreichster Torjäger war. Vor vier Jahren hatte dem Stürmer der Goldene Schuh jedoch kein Glück gebracht. Damals platzte der WM-Traum des 30-Jährigen im Kontinentalvergleich der "Urus" gegen Ozeanienvertreter Australien im Elfmeterschießen.

Uruguay qualifizierte sich das letzte Mal 1990 direkt für eine WM und kam 2002 über die Hintertür Play-offs zur Endrunde nach Japan und Südkorea. Costa Rica, dessen brasilianischer Trainer Rene Simoes am Samstag gesperrt ist, war nach der WM-Premiere 1990 zuletzt zweimal in Folge auf der großen Fußball-Bühne dabei und vor drei Jahren Gegner der Deutschen im WM-Auftaktspiel (2:4).

Unsere Prognose: Uruguay lässt sich die Chance nicht nehmen

Drei Afrika-Tickets zu vergeben:

Afrika kämpft um die drei letzten Direkt-Tickets für die erste Fußball-Weltmeisterschaft auf dem schwarzen Kontinent, doch mancherorts schlägt die sportliche Rivalität in blanken Hass um. Bereits vor dem brisanten Duell zwischen Afrikameister Ägypten und dessen Erzfeind Algerien am Samstag in Kairo droht die Situation zu eskalieren. Die Algerier berichteten von einem angeblichen Steinwurf-Angriff auf den Teambus mit fünf leicht verletzten Spielern, was ägyptische Medien als inszenierte Lüge zurückwiesen.

Dadurch geriet die spannende Frage des letzten Spieltages der Afrika-Qualifikation, wer sich neben Gastgeber Südafrika sowie den Teams aus Ghana und der Elfenbeinküste ebenfalls das Startrecht für die WM sichert, etwas in den Hintergrund. Beste Aussichten haben die Tabellenführer Kamerun, Tunesien und eben Algerien, das auch wegen der aufgeheizten Stimmung in Kairo vor einer schweren Aufgabe steht.

Im Vorfeld des Duells hatten sowohl der Weltverband Fifa als auch Verantwortliche beider nationalen Verbände für ein Fair Play geworben, doch dies schien nicht zu fruchten. Am Donnerstagabend, so berichteten algerische Medien, soll der Teambus auf dem Weg vom Flughafen ins Hotel durch etwa 200 Personen mit Steinen attackiert worden sein. Algeriens Sportminister Hachemi Djiar erklärte, einige Spieler seien vorübergehend in ein Krankenhaus gebracht worden, ernsthaft verletzt sei jedoch niemand.

Am Freitag behaupteten ägyptische Zeitungen, dass es algerische Spieler waren, die den Bus absichtlich zerstört hätten, um es dem Erzfeind in die Schuhe schieben zu können. Angeblich hätten Ermittlungen ergeben, dass die Scheiben von innen beworfen wurden.

Sportlich sehen sich beide Teams im Vorteil. "Wir können uns einen Platz in der Geschichte unseres Landes sichern. Das wird das Spiel unseres Lebens. Ich werde meinen Teamkollegen klarmachen, dass ich stolz bin, sie aufs Feld führen zu dürfen", sagte Algeriens Kapitän Yazid Mansouri. Den "Wüstenfüchsen" mit den Bundesliga-Legionären Karim Ziani (Wolfsburg), Antar Yahia (Bochum) und Karim Matmour (Mönchengladbach) reicht sogar eine Niederlage mit einem Tor Differenz, um sich erstmals seit 24 Jahren wieder für eine WM zu qualifizieren.

Doch Verfolger Ägypten mit dem Dortmunder Profi Mohamed Zidan hat sich noch nicht aufgegeben. "Wir haben in den letzten Jahren den afrikanischen Fußball dominiert. Wir glauben nach wie vor an uns", sagte Kapitän Ahmed Hassan.

Derweil könnte Kamerun mit einem Sieg in Marokko seine insgesamt sechste WM-Teilnahme unter Dach und Fach bringen - das wäre Rekord für ein afrikanisches Land. Bei der Qualifikation für die WM 2006 in Deutschland scheiterte Kamerun wegen eines verschossenen Elfmeters des Kölners Pierre Wome gegen Ägypten, doch die Wunden sind offenbar verheilt. "Man nennt uns die unzähmbaren Löwen. Ein Löwe erobert, verdient Respekt und ist gefürchtet", sagte Stürmer-Star Samuel Eto'o von Inter Mailand.

Auch Tunesien wäre mit einem Sieg bei Außenseiter Mosambik durch. Dazu beitragen wollen die Hannoveraner Karim Haggui und Sofian Chahed sowie Berlins Leihgabe Armine Chermiti (Al-Ittihad).

Quelle: SID/chk

 
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