Liechtenstein: Littbarski kämpft gegen Windmühlen
zuletzt aktualisiert: 26.03.2009 - 12:11Leipzig/Vaduz (RPO). Am Samstag wird Pierre Littbarski ganz entspannt auf der Couch liegen, das WM-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und Liechtenstein (20 Uhr/Live-Ticker) am Fernseher verfolgen und für einen Moment die aktuellen Sorgen vergessen. Denn als Trainer des einzigen Liechtensteiner Profiklubs FC Vaduz, der seit dieser Saison und vorerst bis 2010 in der höchsten Schweizer Liga mitspielt, kämpft der Weltmeister von 1990 ums Überleben.
"Ich wusste in etwa, was mich erwartet. Aber so schwer habe ich es mir nicht vorgestellt. Denn man wirft uns ständig Knüppel zwischen die Beine. Das ist wie ein Kampf gegen Windmühlen", sagte der 73-malige Nationalspieler.
Dabei beklagt Littbarski weniger die aktuelle Situation im Abstiegskampf, in dem er seit seinem Amtsantritt im vergangenen November mit dem Klub aus dem Fürstentum steckt, sondern mehr den Neid und die Abneigung, mit denen er tagtäglich konfrontiert wird.
Denn vor allem den Eidgenossen ist der Verein aus der Hauptstadt Liechtensteins, der als erster ausländischer Klub in der Schweizer Super League mitspielt, offenbar ein Dorn im Auge. "Vor allem so Leute wie Rolf Fringer sind meine besonderen Freunde.
Der würde doch am liebsten sehen, wenn wir absteigen", sagte Littbarski über den früheren Schweizer Nationaltrainer und ehemaligen Coach des VfB Stuttgart. Fringer liegt mit seinem Klub FC Luzern auf dem letzten Tabellenplatz klar hinter Vaduz, das nach derzeitigem Stand als Vorletzter in die Relegation müsste.
Aber auch andere prominente Schweizer hätten den FC Vaduz lieber heute als morgen wieder in der Liga des Fürstentums angesiedelt. "Vaduz ist keine Bereicherung", erklärte Stefan Niedermaier, Präsident der Young Boys Bern. Und dessen Amtskollege von Rekordchampion Grasshopper Zürich, Roger Berbig, formulierte es noch drastischer: "Mein Wunsch wäre der Abstieg von Vaduz."
"Das ist natürlich kein schönes Arbeiten", kommentierte Littbarski die offene Ablehnung, "andererseits ist es eine große Herausforderung." Er selbst konzentriert sich deshalb nur auf seinen Job, der dennoch viel Freude bereite. Nach seinen Trainertätigkeiten in Japan, Australien und zuletzt im Iran will der frühere Coach des MSV Duisburg beim FC Vaduz in seiner Doppelfunktion als Trainer und Sportchef die Bedingungen weiter professionalisieren. In Dietmar Schacht hat er einen ehemaligen Bundesligaprofi an seiner Seite, der als Co-Trainer und Scout langfristig dazu beitragen soll.
Großen Kontakt zu Liechtensteins Nationaltrainer Bidu Zaugg habe es noch nicht gegeben, obwohl die Verbandszentrale nur einen Steinwurf vom Trainingsgelände des FC Vaduz entfernt liege. Aber auch in Liechtenstein ist Vaduz, das nur drei einheimische Spieler beschäftigt, nicht gerade gut gelitten.
Littbarski hofft aber, dass er nach und nach auch mehr für das Image des 37-maligen Pokalsiegers tun kann. Dass der Liechtensteiner Fußball aber auch in Zukunft trotz mancher Achtungserfolge nur eine untergeordnete Rolle spielen wird, steht für den 48-Jährigen außer Frage.
"Die schwierigen Bedingungen spiegeln sich auch bei der Nationalmannschaft wider", sagt der gebürtige Berliner, der deshalb auch für Samstag eine klare Angelegenheit erwartet: "Für Liechtenstein ist es das Spiel des Jahres, aber es wird gegen Deutschland verlieren - die Frage ist nur, wie hoch?"
Dass er eines Tages als Trainer noch einmal in Deutschland Fuß fasst, ist für Littbarski im Moment schwer vorstellbar. "Die Bundesliga ist zwar mein Traum, aber ich bin keiner, der sich auf der Tribüne anbiedert, wenn ein Kollege wackelt." Alte Kontakte hat er nach seiner Rückkehr aus dem Iran aber wieder aufgenommen: "Mit Christoph Daum, Rudi Völler, Klaus Allofs und Thomas Häßler habe ich telefoniert."
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