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WM-Quali: Rehhagel empfängt Hitzfeld

zuletzt aktualisiert: 15.10.2008 - 12:10

Piräus (RP). Vielleicht lag es am Flutlicht. Partien unter künstlicher Beleuchtung wird seit jeher eine besondere Atmosphäre nachgesagt. Das Spiel am 7. Mai 1995 im Bremer Weserstadion war jedenfalls so eine Partie. Eine mit hoher Intensität.

Zum Schluss des 29. Spieltages empfing Verfolger Werder Spitzenreiter Borussia Dortmund. Nüchtern betrachtet siegten die Gastgeber mit 3:1. Doch Gästetrainer Ottmar Hitzfeld wollte das Ergebnis nicht nüchtern betrachten. Die Bremer Spieler seien beinahe Amok gelaufen, so brutal seien sie eingestiegen, sagte er Tage später. Rehhagel ließ der Vorwurf kalt. Meister wurde fünf Spieltage später übrigens der BVB.

Das Spiel von damals ist eine von 19 Partien, in denen sich die Trainer Rehhagel (mit Bremen, Bayern München und dem 1. FC Kaiserslautern) und Hitzfeld (mit Dortmund und Bayern) in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League gegenüberstanden.

Heute, im Karaiskaki-Stadion von Piräus, steigt die 20. Auflage. Es ist der erste Vergleich der beiden als Nationaltrainer. Rehhagel empfängt als griechischer Auswahlcoach Hitzfeld als Verantwortlichen der Schweizer Eidgenossen zum Spiel der WM-Qualifikationsgruppe zwei.

Die Ausgangslage nach drei Spieltagen ist klar: Die Griechen sind mit neun Punkten und 8:0 Toren souverän gestartet, Hitzfelds Team blamierte sich nach einem 2:2 in Israel beim 1:2 gegen Luxemburg und mühte sich am Wochenende zu einem 2:1 gegen Lettland.

Der 59-Jährige steht also unter Druck. „Das Problem mit Rehhagels Mannschaften ist, dass sie über eine hohe Disziplin verfügen“, sagt Hitzfeld. Sein Gegenüber, knapp elf Jahre älter und seit dem EM-Triumph 2004 ein Volksheld rund um den Peloponnes und Ehrenbürger von Athen, warnt seinserseits vor den Gästen: „Die Schweiz ist wie ein angeschlagener Tiger, das Spiel wird für uns sehr gefährlich.“ Die bisherigen drei Siege seien wichtig, aber jetzt komme der erste richtige Gegner.

Rehhagel und Hitzfeld - zwei Charaktere, die den Fußball geprägt haben. Hier der eine, der über 820 Mal als Bundesligatrainer auf der Bank gesessen hat, Trainingsanzüge als Dienstkleidung bevorzugt, der gerne Goethe rezitiert, den Begriff der „kontrollierten Offensive“ prägte und Journalisten genauso mag wie Niederlagen.

Dort der „General“, im edlen Zwirn, der Verfechter der Rotation, der die Offensive bevorzugt, der nichts dem Zufall überlässt und Leverkusen konsequent „Läwakusen“ ausspricht. Der direkte Vergleich spricht für Hitzfeld: Neun der bisherigen Duelle gewann er, Rehhagel nur sechs.

Bei allen Unterschieden verbindet die beiden eins: Beide erhielten nach dem Aus des deutschen Nationalteams bei der EM 2004 das Angebot, DFB-Cheftrainer zu werden. Beide lehnten ab. Griechenlands stellvertretende Kulturministerin Fani Palli-Petralia drohte Rehhagel sogar: „Notfalls werden wir sie am Dach des Olympiastadions festbinden, damit sie nicht weggehen.“ Das Seil konnte sie sich sparen.


 
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