WM-Play-offs: Rehhagel will sich nach Südafrika mauern
zuletzt aktualisiert: 18.11.2009 - 12:37Donezk/Frankfurt (RPO). Der gelernte Maler und Lackierer Otto Rehhagel baut auf seine Fähigkeiten als "Maurer", um den drohenden Ruhestand abzuwenden. Im entscheidenden Spiel mit Griechenland am Mittwoch (19 Uhr) in der Ukraine wird der 71 Jahre alte Fußball-Trainer nach dem 0:0 im Hinspiel erneut "Beton anmischen", um sich seinen späten Traum von der ersten WM-Teilnahme 2010 in Südafrika zu erfüllen. Beim Gegner um Stürmerstar Andrej Schewtschenko ruft Rehhagels viel zitierte "kontrollierte Defensive" Respekt hervor.
"Das ist die Philosophie der Griechen und ihres Trainers. Sie setzen auf eine solide Verteidigung", sagte Schewtschenko vor dem entscheidenden Rückspiel in Donezk. Der ehemalige Fußballer Europas und Kapitän fürchtet die Spielweise der Hellenen: "Sie lassen einem nicht viel Raum und werden versuchen, aus dem Nichts zuzustoßen."
So wie 2004, als Rehhagel Griechenland völlig überraschend zum EM-Titel führte und als "Rehhakles" gefeiert wurde. Damals war es der Nürnberger Angelos Charisteas, der im Finale das 1:0 gegen Gastgeber Portugal köpfte. Weil Rehhagel wohl erneut nur einen Stürmer aufbieten wird, ruhen die Hoffnungen diesmal vor allem auf Theofanis Gekas von Bundesliga-Spitzenreiter Bayer Leverkusen.
In der Öffentlichkeit hat Rehhagel mit seiner unansehnlichen Taktik allerdings viel Kredit verspielt. "Danke schön und auf Wiedersehen", titelte die Zeitung "Ta Nea" und läutete bereits den Abgesang auf Rehhagel ein. Als Nachfolger wird unter anderem Ewald Lienen vom Zweitligisten 1860 München gehandelt, der als Klub-Coach Griechenland-Erfahrung vorweisen kann.
Doch in der Mannschaft genießt Rehhagel nach wie vor volles Vertrauen. "Unser Trainer hat so viel Erfahrung. Er wird uns zeigen, wie wir die Aufgabe meistern", betonte Charisteas, und Gekas sieht das 0:0 aus dem Hinspiel sogar als gute Ausgangssituation: "Unsere Stärke liegt im Kontern. Wir sind im Vorteil, denn die Ukraine muss das Spiel machen."
Das sieht Ukraines defensiver Mittelfeldchef Anatoli Timoschtschuk vom deutschen Rekordmeister Bayern München anders. "Wir haben das Gefühl, die bessere Mannschaft zu sein", sagte Timoschtschuk, schränkte aber ein: "Das müssen wir auf dem Platz zeigen."
Rehhagel lässt das ganze Vorgeplänkel sowie die Diskussion um die eigene Person scheinbar kalt. Gedanken, dass ausgerechnet das 100. Spiel als Nationalcoach auch das letzte seiner Trainer-Karriere sein könnte, schiebt er konsequent beiseite: "Damit beschäftige ich mich nicht."
Auch die Schelte in der Öffentlichkeit wischt Rehhagel in seiner eigenen Manier vom Tisch. "Es ist doch so, dass man eine Mannschaft nach ihren Möglichkeiten spielen lassen muss", meinte Rehhagel: "Und wenn wir das WM-Ticket lösen sollten, wird niemand mehr meckern."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







