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  Foto: AP, AP
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WM-Vergabe 2018 und 2022: Sensation! Jubel in Russland und Katar

zuletzt aktualisiert: 02.12.2010 - 16:49

Zürich (RPO). Russland und Katar werden die Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 ausrichten. Das teilte die Fifa am Donnerstag in Zürich mit. Insbesondere mit der Entscheidung für Katar gelang dem Exekutivkommittee des Weltfußballverbands eine Überraschung.

Neben England hatten sich auch Belgien und die Niederlande für die WM 2018 beworben. Beide wollten das Turnier gemeinsam ausrichten, wie auch Spanien und Portugal. Ins Rennen um die Austragung 2022 waren neben Katar noch die USA, Australien, Japan und Südkorea gegangen.

Überschattet wurde die Entscheidung von Korruptionsvorwürfen gegen zwei Mitglieder des Fifa-Exekutivkommittees. Die beiden wurden suspendiert, weil sie in einer verdeckt geführten Reportage der Londoner "Sunday Times" Geld für ihre Stimme zu nehmen schienen. Damit stimmen am Donnerstag nur 22 statt 24 Mitglieder ab.

2018/RUSSLAND: WM-Gastgeber 2018 - Anzahl der Austragungsstädte: 13 - Anzahl der vorgesehenen Stadien: 16 - Investitionskosten: 3,82 Milliarden Dollar - Anzahl der Eintrittskarten: 3,141 Millionen - Bekannteste Stadien: Luschniki (Moskau), Kirow-Stadion (St. Petersburg, im Bau) - Einwohnerzahl: 140 Millionen - Anzahl der Klubs: über 100.000, 100 Profi-Klubs - Größte WM-Erfolge: WM-Halbfinale 1966 - WM-Teilnahmen: 9 (davon sieben als UdSSR) - All-Stars: Lew Jaschin, Rinat Dassajew - Besonderheit: Oleg Salenko erzielte bei der WM 1994 in den USA fünf Tore gegen Kamerun (6:1) und stellte damit einen Rekord auf.

Der Fußball-Weltverband Fifa hat wieder einmal Neuland betreten. Erstmals überhaupt ist Russland Gastgeber einer WM-Endrunde. Die Mitglieder im Exekutivkomitee ließen sich vom gigantischen Volumen der Bewerbung der Russen überzeugen. 3,82 Milliarden Dollar (2,9 Milliarden Euro) werden investiert. Dabei ist Moskau mit vier Stadien Mittelpunkt des WM-Turniers 2018.

Regierungschef Wladimir Putin, der nun sogar kurzfristig nach Zürich zur Siegesfeier flog, hat sich schon frühzeitig an die Spitze der russischen Kandidatur gestellt, auch wenn er kurzfristig der WM-Vergabe in Zürich fern blieb. Der ehemalige Staatspräsident gab die notwendigen staatlichen Garantien ab, sicherte Visa-Freiheit auch für Fans im Besitz von Eintrittskarten zu. Und als besonderes Bonbon gilt für Ticketinhaber kostenlose Benutzung der Verkehrsmittel auf Bahn und Straße.

Die riesigen Distanzen in Russland stellen die Organisatoren vor enorme Herausforderungen. Aber die Chance, durch eine WM die Strukturen im einstigen Zarenreich grundlegend und nachhaltig zu verbessern, hat zu einer Aufbruchsstimmung in Russland geführt. Die Fußball-WM wurde zu einer nationalen Angelegenheit. Es soll nicht gekleckert, sondern geklotzt werden.

"Russland zeigt der Fifa neue Dimensionen auf", schwelgte Sportminister Witali Mutko auf der finalen Präsentation, und Stabhochsprung-Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa ergänzte: "Die WM 2018 wäre wie ein weiterer Weltrekord - nur mit einem riesigen Sprung."

Die russische Nationalmannschaft muss allerdings bis 2018 noch einiges zulegen. Bei der EURO 2008 in der Schweiz und Österreich schien die Sbornaja als Halbfinalist auf einem guten Weg, doch dann scheiterte die russische Auswahl in der WM-Qualifikation für 2010 in Südafrika an Deutschland in der Gruppe und schließlich auch in den Play-offs. Ein herber Rückschlag, trotz der Trainer-Ikone Guus Hiddink.

Die sportlichen Voraussetzungen sind jedoch gegeben. Die russische Liga ist durch zahlreiche Legionäre wesentlich stärker geworden. Sie sollen helfen, auch die einheimischen Spieler besser zu machen, damit die russische Auswahl bei der Heim-WM eine gute Rolle spielt.

2022/KATAR: WM-Gastgeber 2022 - Anzahl der Austragungsstädte: 7 - Anzahl der vorgesehenen Stadien: 12 - Investitionskosten: 3,0 Milliarden Dollar - Anzahl der Eintrittskarten: 2,869 Millionen - Bekannteste Stadien: Neubau des Lusail-Stadions (vollklimatisiert) - Einwohnerzahl: 1,7 Millionen - Anzahl der Klubs: 18 Profi-Klubs, dazu einige Jugendmannschaften - Größte WM-Erfolge: keine - WM-Teilnahmen: keine - All-Stars: Khalfan Ibrahim (Asiens Spieler des Jahres 2007) - Besonderheit: Katar benötigte im letzten Qualifikationsspiel einen Punkt, um sich für die WM in Frankreich 1998 zu qualifizieren, verlor aber 0:1 gegen Saudi-Arabien und verpasste das WM-Ticket.

Keine Frage, der Zuschlag für die WM 2022 an Katar war eine Riesenüberraschung. Niemand hat es für möglich gehalten, dass der Fußball-Weltverband Fifa das Risiko eingehen würde, eine WM in der Wüste bei Temperaturen von 50 Grad Celsius im Sommer auszutragen. Mit 11.521 Quadratkilometern ist das Emirat nur rund dreimal so groß wie Berlin. 32 Mannschaften werden dort in zwölf Jahren ihre Visitenkarte abgeben.

Rund drei Milliarden Dollar werden in die WM investiert. Die Stadien, die quasi nur einen Steinwurf voneinander entfernt liegen, sollen vollklimatisiert sein. Ob allerdings in einer Nation, die sich noch nie für eine WM qualifizieren konnte, echte Fußballstimmung aufkommt, darf bezweifelt werden.

"Alle Stadien, Trainingsstätten und Fanzonen werden auf 27 Grad Celsius klimatisiert sein. Alles wird mit Solar-Energie betrieben und damit kohlenstoffneutral sein", sagte Hassan Al-Thawadi, der Chef der WM-Bewerbung Katars, und unterstrich die "grüne WM" Katars.

Das Emirat hatte auch Erfolg mit der historischen Dimension seiner Bewerbung. "Wir offerieren der Fifa die historische Möglichkeit, die Grenzen der Weltmeisterschaft zu sprengen", sagte Scheich Mohammad bin Hamad al-Thani in seinem Vortrag bei der finalen Präsentation am Mittwoch. Gleichzeitig will sich das Emirat mit der WM-Ausrichtung für eine Überwindung von religiösen und ethnischen Schranken einsetzen.

Quelle: sid/chk

 
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