EM-Held von 2008: Torres – das spanische Sorgenkind
VON STEPHAN SEEGER - zuletzt aktualisiert: 01.07.2010 - 17:41Düsseldorf (RPO). Als David Villa im WM-Achtelfinale gegen Portugal das entscheidende Tor für Spanien erzielte, saß Fernando Torres bereits auf der Bank. Der Superstar wurde im Bruderduell nach einer erneut schwachen Leistung ausgewechselt. Aus dem EM-Helden von 2008 ist ein Sorgenkind geworden. Torres erzielte in Südafrika noch keinen Treffer und hat sich von seiner schweren Verletzung offenbar noch nicht erholt.
Es war eine typische Szene an jenem 29. Juni vor zwei Jahren. Fernando Torres setzt sich im Laufduell gegen Philipp Lahm durch, chipt den Ball über Jens Lehmann hinweg ins Tor. Mit seinem Siegtreffer im EM-Finale bescherte "El Nino" (das Kind) den Iberern den ersten großen Titel seit 44 Jahren und stürzte ein ganzes Land in einen Jubelrausch. Am Kap der guten Hoffnung ist nichts vom alten Torres zu sehen, der 26-Jährige wirkt gehemmt, behäbig und nicht fit.
Eigentlich liebt Torres die Eins-gegen-Eins-Situationen im gegnerischen Strafraum. Eine schnelle Drehung, ein Haken und dann der Torabschluss. Auch in den bisherigen vier Partien bei der WM versuchte der spanische Stürmer es auf diese Weise, wurde bei seinen Versuchen von den Abwehrspielern des Gegners jedoch gebremst. Torres fehlt in den entscheidenden Momenten die Spritzigkeit, die ihn in den vergangenen Jahren so gefährlich und unberechenbar gemacht hat.
Rekordhalter in Liverpool
Am 29. Dezember 2009 stellte Torres einen neuen Vereinsrekord beim FC Liverpool auf. Mit seinem Treffer gegen Aston Villa avancierte der Angreifer zu dem Spieler, der am schnellsten 50 Tore für die "Reds" erzielte. 72 Spiele benötigte er dafür. In der abgelaufenen Saison erzielte Torres bis April 18 Treffer, ehe ihn eine schwere Knie-Verletzung außer Gefecht setzte.
Nach der Operation war sogar die WM-Teilnahme in Gefahr, doch Torres arbeitete akribisch, um seinen großen Traum zu verwirklichen. Nach eigenen Angaben bereitet das Knie keine Probleme mehr – dennoch sehen die spanischen Fans einen anderen Torres als noch vor zwei Jahren. Nach seiner Auswechslung gegen Portugal lief das Offensivspiel der Spanier plötzlich. Der eingewechselte Fernando Llorente war auf Anhieb gefährlicher als Torres in den vorherigen knapp 60 Minuten.
Trotz seiner Torflaute ist Torres in der Mannschaft unumstritten. "Vielleicht hat er kein Tor erzielt, aber er leistet fantastische Arbeit. Er ist wirklich sehr glücklich bei der Mannschaft und er betrieb einen ungeheuren Aufwand, um seinem Team zu helfen. Erinnert euch daran, in welchem Zustand er mit seinem Knie vor einem Monat war", sagt Sturmkollege David Villa, der in Südafrika bereits viermal getroffen hat.
Villa glaubt, dass Torres durchstartet, wenn ihm endlich der erste Treffer gelingt: "Er leistet exzellente Arbeit, aber Stürmer werden immer an ihren Toren gemessen und ich bin total davon überzeugt, dass wenn er genauso gut weiter arbeitet wie er es derzeit tut, wird er seine Tore machen."
Im Viertelfinale gegen Paraguay wird Torres wieder von Beginn an auflaufen und will sich für Deutschland warmschießen. Denn im Halbfinale könnte es zur Neuauflage des EM-Finals kommen – und spätestens dann will "El Nino" seinen Landsleuten den nächsten Feiertag bescheren.
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