Aserbaidschans Nationaltrainer: Vogts redet sich um Kopf und Kragen
zuletzt aktualisiert: 10.09.2009 - 14:57Hannover (RPO). Schlechte Kalauer nach gutem Kampf - mit gewöhnungsbedürftigen Schenkelklopfer-Humor unterbot Aserbaidschans Nationaltrainer Berti Vogts den engagierten, aber chancenlosen Auftritt seiner Schützlinge in der Hannoveraner WM-Arena mühelos.
"Jogi Löw hat den Fehler gemacht und Miro Klose eingewechselt. Er hat einfach keinen Respekt mehr vor meiner Person", alberte der 62-Jährige nach der achtbaren 0:4 (0:1)-Niederlage mit zwei Klose-Toren gegen die deutsche Nationalmannschaft, die er selbst vor 13 Jahren zum Europameister-Titel geführt hatte.
"Ich würde mich nicht auf uns verlassen"
Und weil sich die Zeit des einstigen Bundes-Berti in der Kaukasus-Republik dem Ende entgegenneigt, schreckte der Coach nicht einmal davor zurück, den Willen zur Gegenwehr im letzten Heimspiel am 14. Oktober in Baku gegen Deutschland-Verfolger Russland bei seinen Spielern infrage zu stellen: "Ich würde mich nicht auf unsere Hilfe verlassen, sonst ist man verlassen." Auch diese Äußerung sollte wohl witzig gemeint sein.
Kein Scherz aus dem Blickwinkel von Vogts das ungenierte Kokettieren mit dem Interesse am verwaisten Posten des Sportdirektors beim Bundesliga-Tabellenführer Hamburger SV. Doch zwischen Alster und Elbe wird der neue Schreibtisch des früheren Nationalmannschafts-Kapitän ganz gewiss nicht stehen, Vogts wird andere Optionen für den Spätherbst seiner Trainerkarriere prüfen müssen.
"Tabellenstand uninteressant"
In der Tat ist es fraglich, ob der kurz vor dem Rentenalter stehende Fußballlehrer für das ergebnisorientierte professionelle Tagesgeschäft bei einem Top-Klub überhaupt noch eine ernsthafte Alternative darstellt. "Der Tabellenstand ist uninteressant", kanzelte der selbsternannte "stolze Deutsche" aserbaidschanische Journalisten ab, denen nicht entgangen war, dass die Vogts-Truppe in der Qualifikations-Gruppe 4 mittlerweile hinter Liechtenstein auf den letzten Tabellenplatz zurückgefallen ist.
Dafür strickte der langjährige Nationalspieler lieber an der Legende, in Schottland beispielsweise ernte nun sein Nachfolger die Früchte seiner Aufbauarbeit bei den "Bravehearts". Zu dumm nur, dass seine Ex-Schützlinge nach einer 0:1-Heimniederlage am Mittwoch gegen die Niederlande keine Chancen mehr haben, sich als einer der acht besten Gruppen-Zweiten zumindest für die WM-Play-offs zu qualifizieren.
In vier bis fünf Jahren soll dann Aserbaidschan den Anschluss an das europäische Mittelmaß gefunden haben. Doch sogar Vogts glaubt wohl selbst nicht so recht, dass die kleine ehemalige Sowjetrepublik irgendwann einmal die Fußball-Großmacht Deutschland gefährden kann: "Bis zum Platzverweis konnten wir den Gegner diesmal ein bisschen ärgern. Aber wenn dann die deutsche Kombinations-Maschinerie ins Rollen kommt, hat man keine Chance mehr."
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