Gruppenauslosung in Kapstadt: WM-Fieber packt Südafrika
VON FRIEDHELM KÖRNER - zuletzt aktualisiert: 04.12.2009 - 11:52Kapstadt (RP). In Kapstadt werden heute Abend die acht Vorrunden-Gruppen des Turniers ausgelost. Die Drei-Millionen-Metropole feiert den "Final Draw" auch mit einem großen Fanfest auf der Long Street.
Wenn heute ab 18.30 Uhr (Mitteleuropäische Zeit) im Cape Town International Convention Center die Gruppen der WM 2010 ausgelost werden, ist dies nicht nur ein Ereignis von großer sportlicher Bedeutung, sondern auch von außergewöhnlicher historischer Symbolkraft. Für Glamour sorgt vor allem die südafrikanische Oscar-Preisträgerin Charlize Theron, die Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke bei der Ziehungszeremonie assistieren wird. Im Showteil werden der mit dem Grammy ausgezeichnete Soweto Gospel Choir, die Sängerin und Songwriterin Angelique Kidjo aus Benin sowie Johnny Clegg, einer der bekanntesten Musikexporte Südafrikas, sowie die Jazzart Dance Company auftreten.
Nelson Mandela (91) richtet eine Videobotschaft an die Adresse der Delegierten des Weltverbandes Fifa und der 32 Endrundenteilnehmer, die der Zeremonie beiwohnen – von 1994 an war er fünf Jahre lang Südafrikas erster schwarzer Präsident nach der fürchterlichen Ära des Apartheidregimes. Und im Saal sitzen jene beiden Männer, die entscheidend an der friedlichen Revolution in der Republik am Kap der Guten Hoffnung beteiligt waren und wie der heute 91-Jährige mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden sind: Frederik Willem de Klerk, der letzte weiße Staatschef, und Erzbischof Desmond Tutu.
Die Vergabe der Weltmeisterschaft vor fünf Jahren an Südafrika war noch ein spätes Geburtstagsgeschenk für die neue Republik. Beim überwältigenden Blick vom Gipfel des Tafelbergs, 9600 Kilometer von Düsseldorf entfernt, sind jene beiden Stätten zu erkennen, die ebenfalls für die politisch-sportliche Umwälzung stehen. In der Ferne: Robben Island, die Insel im Atlantischen Ozean, auf der Nelson Mandela über 18 seiner 27 Jahre im Gefängnis verbracht hat. Seine Zelle ist heute noch zu besichtigen.
Und vor der Küste: das Green-Point-Stadion, die kurz vor der Vollendung stehende, bei der WM 68 000 Zuschauer fassende Arena, die nach der Endrunde auch Schauplatz von Rugbyspielen sein wird. Entworfen wurde das Stadion vom deutschen Architekturbüro gmp, das auch den Entwurf für den Berliner Hauptbahnhof und den Umbau des Olympiastadions in der Hauptstadt realisierte.
Die Südafrikaner nennen Kapstadt "Mother City". Die vibrierende Drei-Millionen-Metropole ist die älteste Stadt des Landes, und an ihrer Küste begann im 17. Jahrhundert die Besiedlung durch die Holländer. Durch den Akt der Auslosung ist Kapstadt nun auch die erste Station der WM-Endrunde. Heute beginnt der letzte und entscheidende Countdown zum großen Fußballfest vom 11. Juni bis zum 11. Juli 2010 am Südzipfel des Kontinents, der noch nie eine Fußball-Weltmeisterschaft ausgerichtet hat.
Frühling herrscht im Süden Afrikas, er mutet an wie der Hochsommer im gut zehn Flugstunden entfernten Europa. Die blühenden, violetten Jacaranda-Bäume bilden prächtige Farbtupfer. Schon am Vortag der Auslosung war eine Reihe von Straßen für den ohnehin von mächtigen Staus gebeutelten Autoverkehr gesperrt.
Begleitet wird die Veranstaltung, die in über 200 Länder übertragen wird, ab 12 Uhr von einem großen Fanfest auf der Long Street, der Partystraße im sonnenüberfluteten Kapstadt. Sie ist die "Mutter der Ausgehmeilen" Südafrikas mit ihren Restaurants und Cafes, Bars und Clubs. Das Zentrum der Stadt ist videoüberwacht – für den Kampf gegen die Kriminalität.
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