Frankreichs Skandal-Tor: Zidane: "Man sollte nicht übertreiben"
zuletzt aktualisiert: 22.11.2009 - 14:54Paris (RPO). Die Diskussionen klingen nicht ab. Nun hat sich auch Zinedine Zidane, mit Frankreich Fußball-Welt- und Europameister, zu Wort gemeldet. Der ehemalige Star-Spieler nimmt Thierry Henry, der mit einem Handspiel für die WM-Qualifikation gesorgt hatte, aus der Schusslinie.
Breite Unterstützung für Thierry Henry, Proteste in Dublin, aber Aufgabe des irischen Fußball-Verbandes: Das Handspiel des französischen Nationalmannschaftskapitäns Henry im WM-Play-off-Rückspiel gegen Irland am vergangenen Mittwoch erregt vor allem in Frankreich und Irland immer noch die Gemüter.
Der irische Verband hat indes seine Anstrengungen, eine Wiederholung des Duells in Frankreich (1:1 n.V.) zu erreichen, aufgegeben. Dennoch protestierten am Samstag rund 200 irische Fans vor der französischen Botschaft in Dublin und forderten nochmals ein Wiederholungsspiel.
Dagegen erhielt Barca-Ass Henry Rückendeckung – vor allem von Weltmeister Zinedine Zidane. "Thierry Henry ist kein Falschspieler. Der Regelverstoß ist immens, und er hat ihn begangen. Das ist für die Iren schwer zu verdauen, aber das passiert immer wieder während eines Spiels. Ich möchte Thierry unterstützen. Man soll auch nicht übertreiben", sagte "Zizou" in einem Fernsehinterview. Henry hatte am vergangenen Mittwoch im Stade de France in der Verlängerung den Ball mit der Hand im Strafraum mitgeführt und anschließend das Ausgleichstor durch William Gallas vorbereitet.
Im Punktspiel des FC Barcelona am Samstag in Bilbao (1:1) kam der angeschlagene Henry in den letzten sechs Minuten zum Einsatz und wurde bei seiner Einwechslung gnadenlos ausgepfiffen. Abgesehen von dem Eintrag auf seiner Internet-Seite, auf der Henry gewünscht hat, dass das Spiel wiederholt wird, verweigerte der Torjäger jede aktuelle Stellungnahme.
DFB-Präsident Theo Zwanziger hat derweil um Verständnis für Henry geworben. "Er hat betrogen. Das ist Betrug", sagte Zwanziger: "Ich weiß aber nicht, ob die Franzosen geklatscht hätten, wenn Henry zum Schiedsrichter gegangen wäre und das Handspiel zugegeben hätte."
Auch Henrys ehemaliger Vereinstrainer Henry Arsene Wenger nahm den Kapitän der Equipe Tricolore in Schutz. "Der Fußball und der Sport sind voll von Helden, die zehnmal mehr als Thierry betrogen haben", sagte der Coach des FC Arsenal aus London, der Henry lange betreut hatte: "Die Leute, die Schiedsrichter kaufen oder Drogen nehmen sind die wahren Betrüger. Henry hat Jahre ehrlichen Verhaltens hinter sich, es ist ungerecht, wie ihn die Leute attackieren."
Zwanziger forderte seinerseits zur Zurückhaltung in der Beurteilung von Henrys Aktion auf: "Fair Play ist einfach, wenn es um nichts geht. Wir haben nicht das Recht zu sagen, was er hätte tun sollen, ohne dass wir uns selbst in so einer Situation befunden haben." Für Zwanziger bleibe Henry dennoch ein großer Sportsmann. Er habe es jedoch verpasst, "sich durch eine große Aktion unsterblich zu machen".
Die irische Föderation FAI hatte beim Weltverband sogar zweimal eine Wiederholung in Frankreich beantragt. Die Fifa hatte aber bereits erklärt, dass es keine Wiederholung der Begegnung geben könne. "Die Fifa stellt fest, dass das Spielergebnis nicht abgeändert und das Spiel nicht wiederholt werden kann. Wie die Spielregeln eindeutig aussagen, werden während eines Spiels Entscheidungen durch den Schiedsrichter getroffen, und diese Entscheidungen sind endgültig", hatte die Fifa mitgeteilt.
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