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Italien und Frankreich im Debakel vereint: Zidanes Kopfstoß hat Jubiläum

zuletzt aktualisiert: 09.07.2010 - 10:53

Johannesburg (RPO). Armselig, lausig, jämmerlich - die europäischen Fußball-Großmächte Italien und Frankreich waren bei der WM in Südafrika zumindest im Debakel vereint. Am 9. Juli 2006 standen sich beide Teams im WM-Endspiel in Berlin gegenüber - vier Jahre später sprach wieder die ganze Welt über die Azzurri und die Equipe Tricolore.

Allerdings ging es diesmal mehr darum, welche Ansammlung von satten, matten und platten Fußballstars sich mehr bei der ersten WM auf dem Schwarzen Kontinent blamiert hatte.

Im Kopf-an-Kopf-Rennen hat diesmal die Grande Nation die Nase knapp vorn, nachdem im Finale 2006 im Berliner Olympiastadion die Squadra Azzurra mit 5:3 im Elfmeterschießen (1:1 n.V.) die Oberhand behielt und Marco Materazzi Frankreichs Galionsfigur Zinedine Zidane so provoziert hatte, dass sich dieser zu einem Kopfstoß gegen seinen italienischen Widersacher hinreißen ließ.

"Zizou" trat an jenem Sommerabend an der Spree mit einer Roten Karte von der großen Fußball-Bühne ab. "Deine Schwester, diese Nutte, wäre mir lieber", hatte Materazzi ihm auf dem Platz zugeraunt. Er werde "lieber sterben" als Materazzi verzeihen, ließ Zidane später wissen.

Um Verzeihung mussten die italienischen und französischen WM-Teilnehmer nach der Rückkehr vom Kap ihre Fans bitten. Beide schieden sieglos in der Vorrunde aus, beide hatten sich Hoffnungen gemacht, bei der WM wieder eine gute Rolle zu spielen. Beide spielten desolaten, langweiligen und öden Fußball. Hinzu kamen im französischen Lager noch weitere skandalöse Umstände.

Stürmerstar Nicolas Anelka beschimpfte in der Halbzeitpause des Vorrundenspiels gegen Mexiko (0:2) den umstrittenen Trainer Raymond Domenech auf das Übelste. Nachdem die L'Equipe die Aussage enthüllt hatte ("Fick dich in den Arsch, du dreckiger Hurensohn") wurde der Chelsea-Angreifer suspendiert und vorzeitig auf die Heimreise geschickt.

Die französischen WM-Spieler solidarisierten sich daraufhin aber mit Anelka und zettelten unter Federführung von Kapitän Patrice Evra einen Trainingsboykott an. Schließlich sorgte Coach Domenech nach dem letzten Spiel gegen Gastgeber Südafrika für einen Eklat, als er dem brasilianischen Coach von Bafana Bafana, Carlos Alberto Parreira, den Handschlag verweigerte.

Das skandalöse Auftreten der Equipe Tricolore löste in Frankreich eine Staatskrise aus, sogar Präsident Nicolas Sarkozy schaltete sich ein. Verbands-Präsident Jean-Pierre Escalettes wurde von politischer Seite zum Rücktritt aufgefordert und gab schließlich klein bei. Der Weltverband FIFA drohte Frankreich aufgrund der politischen Intervention offen mit dem Ausschluss. Inzwischen haben sich die Wogen geglättet, und Laurent Blanc ist als neuer Nationaltrainer und Nachfolger des gescheiterten Domenech der neue Hoffnungsträger.

Einen neuen Coach hat auch der viermalige WM-Titelträger Italien. Cesare Prandelli beerbte Marcello Lippi, der beim Versuch, seinen WM-Triumph von Berlin mit einer überalterten und saturierten Truppe zu wiederholten, grandios scheiterte. Der erfahrene Fußballlehrer "übernahm die volle Verantwortung", wurde allerdings von den Tifosi bei einem Törn vor der Küste der Toskana verhöhnt und verspottet. Prandelli kündigte nach dem WM-Desaster des Titelverteidigers an, Erbhöfe abzuschaffen. "Ich werde nur Spieler in den Kader einberufen, die es verdienen." Deutlicher kann eine Kritik an einem Vorgänger nicht ausfallen.

Italien und Frankreich wollen im Hinblick auf die EURO 2012 in Polen und der Ukraine einen Neuaufbau einleiten. In der italienischen Serie A wurde als erste Maßnahme zunächst die Schwemme von Nicht-EU-Ausländern ein wenig gestoppt.

Von der Grande Nation werden nach wie vor personelle Konsequenzen gefordert. "Es gibt viele Verantwortliche, aber es ist nicht mein Job, Sanktionen zu verhängen. Mein Problem wird es sein, die beste Mannschaft mit den besten Spielern aufzustellen. Ich bin nicht der Bösewicht", sagte indes Blanc. Als sicher gilt jedoch, dass Enfant terrible Anelka und Kapitän Evra wohl nicht mehr den französischen Dress tragen werden. Sie dürften neben Domenech und Escalettes die Bauernopfer nach dem französischen WM-Debakel sein.

Quelle: SID/born

 
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