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Nach angekündigter Entschuldigung: Löw lässt Ballack zappeln

zuletzt aktualisiert: 26.10.2008 - 10:48

Frankfurt/Main (RPO). Bundestrainer Joachim Löw hat die Kritik von Michael Ballack mehr getroffen, als er es zunächst zugeben wollte. Der Chefcoach der deutschen Fußball-Nationalmannschaft reagierte dementsprechend reserviert auf die angekündigte Entschuldigung seines Kapitäns.

Bundestrainer Joachim Löw (rechts) ist reserviert gegen Michael Ballack (links).  Foto: AP, AP
Bundestrainer Joachim Löw (rechts) ist reserviert gegen Michael Ballack (links). Foto: AP, AP

"Ich habe die Erklärung von Michael Ballack registriert. Viel wichtiger ist das persönliche Gespräch. Danach wird es von mir eine abschließende Stellungnahme geben", sagte der Bundestrainer.

Ballack hatte im Machtkampf mit Löw am späten Samstagabend erstmals eingeräumt, über das Ziel hinausgeschossen zu haben. "Ich werde mich in kürzester Zeit mit Joachim Löw zusammensetzen, sobald es mein Gesundheitszustand zulässt, und werde mich für mein Verhalten bei ihm entschuldigen", ließ der England-Legionär vom FC Chelsea in einer Pressemitteilung verlauten.


Die Erklärung von Michael Ballack lesen Sie hier.


Das klärende Vier-Augen-Gespräch soll auf jeden Fall in Deutschland stattfinden. Zunächst soll aber abgewartet werden, bis im Laufe der Woche nach Ballacks Fußoperation die Fäden gezogen werden. Darauf hatte man sich zuvor bereits in einem Telefonat verständigt.

Der 89-malige Nationalspieler gab offen zu, die Tragweite seiner Kritik an Löw unterschätzt zu haben. Er habe zwar vorher geahnt, "dass ich für meinen Gang an die Öffentlichkeit Kritik bekommen werde, dass es allerdings dieses Ausmaß annehmen würde, hätte ich nicht erwartet", erklärte Ballack und fügte an: "Und somit muss ich leider feststellen, dass es ein Fehler war, diesen Weg zu wählen."

Der Spielführer der Nationalelf führte weiter aus, "dass es nicht meine Absicht war, seine Arbeit als Bundestrainer zu kritisieren. Ich schätze Jogi Löw persönlich als Mensch und Trainer sehr". Es sei ihm in erster Linie darum gegangen, "Mitspieler zu schützen und zu unterstützen in der jetzigen schwierigen Situation, in der sie steckten".

Das Interview in der "FAZ", auf das er inhaltlich nicht eingehen wollte, sei situations- und nicht personenbezogen gewesen: "Ich wollte niemanden persönlich angreifen, aber offen und kritisch Dinge ansprechen, die mir als Kapitän am Herzen lagen. Denn eins ist klar, mir geht es nur und ausschließlich um den Erfolg der Mannschaft."

Wie Löw auf die Worte seines Kapitäns reagieren wird, ist nach wie vor offen. Ein Rauswurf erscheint nun aber nicht mehr realistisch, der Entzug der Kapitänsbinde ist aber weiterhin möglich. Zumal es der Bundestrainer auch als Provokation aufgefasst haben soll, dass der FC Chelsea am Freitag ein "Ausreiseverbot" für Ballack per Fax verbreitet und ihn sein Kapitän davon nicht persönlich unterrichtet hatte.

Vor Ballacks Erklärung hatte DFB-Präsident Theo Zwanziger Löw noch einmal volle Unterstützung zugesagt. "Wenn der Bundestrainer aus dem Gespräch heraus das Gefühl gewinnt, das Vertrauensverhältnis ist doch stark gestört, dann muss er die Entscheidung treffen, die er für richtig hält", sagte Zwanziger im DSF.

Löws langjähriger Anwalt Christoph Schickhardt hatte sogar gemutmaßt, dass eine Einigung schwierig sei. Ballack müsse "eine Situation schaffen, die es Joachim Löw ermöglicht, ihn zu berücksichtigen. Ich weiß im Moment nicht, wie Ballack die Kurve kriegen will." Niemand solle sich "in der Durchsetzungskraft und Konsequenz von Joachim Löw täuschen".

Schickhardt machte im Interview mit der Stuttgarter Zeitung zudem deutlich, dass Löw nach den Angriffen seines Kapitäns "zuerst völlig fassungslos und enttäuscht" gewesen sei: "Speziell der Vorwurf, mangelnden Respekt zu zeigen, hat ihn tief verletzt. Da ist ihm der Kragen geplatzt. Für ihn ist Respekt geradezu eine Handlungsmaxime."

Derweil haben Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß und der Schweizer Nationalcoach Ottmar Hitzfeld Löw dafür kritisiert, dass das Thema noch nicht vom Tisch ist. "Man lässt die Sache einfach köcheln. Dabei hätte man schon längst ein Flugzeug nach London nehmen können, dann wäre die Sache längst aus der Welt", monierte Hoeneß.

Ähnliche Vorwürfe äußerte Hitzfeld bei Premiere: "Der Nationaltrainer hat sehr viel Zeit. Ich hätte mich gleich ins Flugzeug gesetzt und wäre zum Spieler geflogen, um das unter vier Augen zu besprechen und aus der Welt zu räumen."

Er sei "gespannt, wie Jogi Löw dieses Problem lösen kann", sagte Hitzfeld weiter: "Das ist eine schwierige Situation, weil Jogi Löw bekannt dafür ist, dass er sehr ehrlich ist und Vertrauen zu seinen Spielern aufbaut. Und nun geht Vertrauen kaputt." Für Hoeneß ist Ballack in der Nationalmannschaft dennoch "unabdingbar. Ohne Ballack kann man nicht zur WM fahren."

Quelle: sid

 
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