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Ronaldo Brasilien WM 2014 OK
  Foto: AFP
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Mit-Organisator der Endrunde in Brasilien: Ronaldo kämpft lieber gegen Pfunde als für die WM

VON TOBIAS KÄUFER - zuletzt aktualisiert: 28.12.2012 - 17:16

Rio De Janeiro (RP). Brasiliens zweimaliger Weltmeister Ronaldo trat bis kurz vor Weihnachten im Fernsehen auf: Abnehmen als Spektakel. Zugleich ist er das prominenteste Mitglied im Aufsichtsrat des Organisationskomitees für die WM 2014.

Die Ausgangslage war verheerend: 102 Zentimeter Hüftumfang, 118,4 Kilogramm Körpergewicht und ein zu hoher Cholesterinspiegel. Der ehemalige Weltfußballer Ronaldo, im Nebenberuf zumindest auf dem Papier einer der Cheforganisatoren der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien, glich optisch einer Presswurst, als sich der 36-Jährige vor ein paar Wochen den Fernsehzuschauern in seinem Heimatland präsentierte.

Ausgedacht haben sich das mitleiderregende Spektakel die Macher des Programms "Medida Certa" (das richtige Maß). Jeden Sonntagabend lief bis kurz vor Weihnachten die Abnehmaktion in der TV-Boulevard- und Nachrichtenshow Fantastico des mächtigen Kanals TV Globo. Die hohen Einschaltquoten trieben nicht nur den Produzenten die Freudentränen in die Augen, sondern auch die Werbeeinnahmen in die Höhe. Ronaldo nimmt ab, stolze 16 Kilos in nur drei Monaten, lautete die Vorgabe.

Doch das Ganze hat einen Haken: In Brasilien beginnt in knapp 18 Monaten das größte Spektakel in der Geschichte der südamerikanischen Supermacht. Die Fußball-WM rückt mit aller Macht näher, mit ihr Termine, Aufgaben und vor allem die Probleme. Ronaldo sitzt im mächtigen Verwaltungsrat der historischen Großveranstaltung. Kraft seines Amtes soll er ein Auge darauf werfen, ob die Vorbereitungen gut und reibungslos laufen.

Zwei Millionen Euro Gage fürs Abnehmen

Doch die Zahlen, die Ronaldo zuletzt interessierten, sind keine Prozentzahlen von Stadionbauarbeiten oder Infrastrukturprojekten. Vereinbart mit dem Sender ist, dass er fünfmal pro Woche vor laufenden Kameras trainiert. Dafür soll er umgerechnet zwei Millionen Euro kassieren. Wer den Mann lustlos im Salat herumstochern sieht, ahnt, was er da auf sich genommen hat.

Gleich zum Auftakt beim medizinischen Test erschien er nur in Badehose und mit Bierbauch. Anschließend schwang er mit den Frauen einer TV-Tanzgruppe zu Gangnam Style die Hüften. Beim Basketball stolperte der übergewichtige Mann über den Platz, während durchtrainierte Mitspieler den optisch miserablen Eindruck noch unterstreichen, den der Ex-Fußballer hinterlässt.

Die Geschichte zehrt an seinen Kräften. In einer Woche ließ sich Ronaldo zweimal in Folge nicht wie vereinbart beim Training blicken. Seine Entschuldigung: Nach mehreren Terminen mit dem WM-OK müsste er sich einmal ausruhen. Sein Fitnesstrainer Marcio Atalla kannte kein Erbarmen und holte die verpassten Einheiten nach. Das hatte Konsequenzen: Bei einer Pressekonferenz in Sao Paulo im Vorfeld des Konföderationen-Pokals erzählte Ronaldo etwas über die Begeisterung der Bauarbeiter und die tolle Verkehrsanbindung der neuen Stadien. Dann stockte seine Stimme. Eigentlich sollte er noch etwas Wichtiges sagen, aber er habe das vergessen. Ende des Auftritts.

Ronaldo ist überfordert

Ronaldo ist prominentestes Mitglied im Aufsichtsrat des OK. In dieser Funktion sollte er den Fortgang der Arbeiten kontrollieren, doch damit ist Ronaldo überfordert. Der Weltmeister von 1994 und 2002 beschränkt sich auf die Rolle des Botschafters. Das haben die mächtigen Strippenzieher seiner Vermarktungsfirma so vorgesehen. Es geht vor allem um Medienpräsenz, möglichst weltweit. Denn Medienpräsenz bedeutet Aufmerksamkeit, das garantiert neue Werbeeinnahmen.

Der Mann, der Brasiliens perfekter WM-Botschafter sein könnte, in den Ränkespielen des brasilianischen Fußballdickichts aber außen vor blieb, kämpft unterdessen ohne Fernsehkameras seinen Kampf gegen die gesundheitlichen Probleme. Für Fußballlegende Pele war kein Platz im WM-OK. Der Ehrenmann leidet an den Folgen einer Hüftoperation, befindet sich in der Rehabilitation und muss täglich Übungen machen – ohne die Kameras, die diesen Kampf begleiten. Pele ist kein Mann für Reality-Shows. "Es ist immer etwas Besonderes, Pele, den König, zu treffen und mit ihm über Fußball zu diskutieren", sagte der Präsident des Weltverbandes (Fifa), Sepp Blatter, als er ihn jüngst in Brasilien besuchte. Es ist seine Art, den wahren WM-Botschafter dieses Landes zu würdigen, den Staatspräsidentin Dilma Rousseff unlängst als Berater verpflichtete, als Brasiliens Verband im Sumpf des Filzes und der Korruption versank.

Blatter ist nicht der einzige, der auf eine baldige Genesung Peles hofft. Schließlich soll ein Fußballturnier organisiert werden.

Quelle: RP/seeg
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