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WM-Qualifikation - Deutschland - Schweden
  Foto: dpa, Thomas Eisenhuth
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"Unofficial Football World Champions": Schweden ist ein bisschen Weltmeister

VON JANNIK SORGATZ - zuletzt aktualisiert: 25.01.2013 - 15:48

Niemand hat Jubelbilder aus Stockholm gesichtet. Nirgendwo schwedische Fußball-Fans, die in völliger Ekstase die Straßen fluteten und die Nacht zum Tage machten. Einige werden dennoch mitbekommen haben, welchen Coup ihre Nationalmannschaft am vergangenen Mittwoch in Thailand gelandet hat. Diverse Zeitungen in Skandinavien haben darüber berichtet: Nach dem 4:1-Erfolg im Elfmeterschießen gegen Nordkorea ist Schweden neuer Weltmeister – zumindest ein bisschen.

Wie das geht? Die Antwort kennt der Journalist und Autor Paul Brown am besten. 2003 hat der Brite die "Unofficial Football World Championships", kurz UFWC, ins Leben gerufen. Dafür reichten eine liebevoll geführte Website und ein paar Artikel in Magazinen für positiv Fußball-Verrückte.

Die Idee, einen etwas anderen Weltmeister zu küren, geht jedoch auf ein Ereignis aus dem Jahr 1872 zurück. Damals trafen im allerersten Länderspiel der Geschichte England und Schottland aufeinander. Einen Sieger gab es nicht. Erst im zweiten Anlauf vier Monate später sicherten sich die Engländer den Titel des inoffiziellen Weltmeisters.

Sogar Österreich erfolgreich

Das Prinzip geht auf den Boxsport zurück, wo der Titelträger bekanntlich nur im direkten Duell mit einem Herausforderer entthront werden kann. Die ewige Tabelle der UFWC führen – nur auf den ersten Blick überraschend – England und Schottland an. Zwischen dem Mutterland des Fußballs und seiner kleinen Schwester ging es in den ersten 30 Jahren hin und her. Ausgerechnet das ansonsten chronisch erfolglose Österreich wurde 1931 zum ersten inoffiziellen Weltmeister vom Festland. Es zählt jedes A-Länderspiel, das vom Weltverband Fifa als solches gewertet wird.

Die Liste der Titelträger umfasst 48 Mannschaften: Von den üblichen Verdächtigen wie Brasilien, Italien und Deutschland bis zu Underdogs wie Georgien, Zimbabwe und den Niederländischen Antillen ist alles dabei. 22 ungeschlagene Spiele in Folge sind Rekord: Erst im WM-Finale 2010 verloren die Niederlande gegen Spanien. Der Weltmeister unterlag kurz darauf Argentinien (womit Lionel Messis Bilanz im Nationaltrikot seines Landes erheblich aufgewertet wird). Über Japan wanderte der UFWC-Titel schließlich zum ersten Mal nach Nordkorea.

Zwölf Spiele lang blieb die Mannschaft über einen Zeitraum von 433 Tagen ungeschlagen. Tadschikistan, Indien, Guam – alle aus dem Weg geräumt. Doch dann kam der King's Cup in Thailand, das Spiel gegen eine schwedische Auswahl, in der fast nur Spieler aus der dortigen Liga zum Einsatz kamen. Während der Spielbetrieb in den großen Ligen wieder läuft, hält die Allsvenskan Winterschlaf.

Wichtig ist auf jedem Platz

Nur rund 500 Zuschauer sollen die Partie vor Ort gesehen haben. Auch das ist ein Teil des UFWC-Prinzips: Freundschaftsspiele am anderen Ende der Welt sind genauso wertvoll wie ein WM-Finale vor Milliarden von Fernsehzuschauern. Schwedens Coach Erik Hamren hatte den möglichen Titelgewinn als "zusätzliche Motivation" bezeichnet. Das reichte zumindest aus, um die Partie gegen Nordkorea im Elfmeterschießen für sich zu entscheiden.

Auch die inoffiziellen Weltmeister kugelten nicht jubelnd über den thailändischen Rasen. Die Zeitung Aftonbladet entlockte Nationaltrainer Hamren wenigstens ein "Wunderbar!" und ein "Fantastisch!". Unter Umständen können die Schweden ihren größten Erfolg seit dem 4:4 in Berlin gegen Deutschland (vor immerhin drei Monaten) gar nicht lange auskosten. Im Finale des King's Cup treffen sie am Samstag auf Finnland. Die "Unofficial Football World Championships" bekommen dann vielleicht ihren 49. Titelträger in 140 Jahren.

Zlatan gegen Messi?

Sollte Schweden seinen Titel verteidigen, käme es am 6. Februar zum Duell mit Argentinien, scheinbar ein Freundschaftsspiel. Aber Zlatan Ibrahimovic gegen Lionel Messi – das klingt schon nach größerer Bühne als ein Kick vor 500 Zuschauern in Thailand. Schließlich meinen die Väter der UFWC das Ganze schon irgendwie ernst.
 


 
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