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WM-Porträt: Spanien: Erfolgshunger der "Roten Furie" nicht gestillt

zuletzt aktualisiert: 26.05.2010 - 07:48

Madrid (RPO). Die Fußball-Feinschmecker schnalzen mit der Zunge: Europameister Spanien ist sicherlich zurzeit das Maß aller Dinge. Das schnelle Kurzpassspiel, in Spanien "Tiki-Taka" genannt, hat dem auf Geniestreiche von Einzelkönnern abzielenden "Samba-Fußball" der Brasilianer und dem spielzerstörenden "Catenaccio" der Italiener den Rang abgelaufen. "Von der gesamten Spielanlage sind die Spanier einen Tick besser. Spanien stellt derzeit die beste Mannschaft in der Welt", sagte Bundestrainer Joachim Löw.

Doch der EM-Titel hat gezeigt, dass Spanien nicht nur schön, sondern auch erfolgreich spielen kann. Statt des kauzigen Luis Aragones betreut jetzt der ausgeglichene Vicente Del Bosque das Team, aber der Kader, die Spielidee und der Erfolg sind geblieben. Seit drei Jahren haben die Spanier nur ein Spiel (0:2 gegen die USA beim Confed Cup) verloren.

Und die "Rote Furie" ist auf den Geschmack gekommen: Zwei Jahre nach dem EM-Titelgewinn hat sich die spanische Auswahl das Ziel WM-Sieg auf die Fahnen geschrieben. Am Selbstvertrauen sollte die Mission nicht scheitern, denn mit dem Triumph bei der EURO haben die Iberer das Etikett des ewigen Geheimfavoriten, der am Ende an sich selbst scheitert, abgelegt. Für viele Experten ist Spanien daher der Top-Kandidat auf den WM-Thron.

"Ich bin Champions-League-Sieger, habe den Weltpokal geholt und wurde Europameister. Aber dieser WM-Titel ist das Größte, den will ich haben", sagte Torhüter Iker Casillas und sprach damit aus, wovon 45 Millionen Spanier träumen. Die Zeiten, in denen übermächtige Profiklubs und die Rivalität der verschiedenen Regionen keine große Identifikation mit La Seleccion zuließen, sind vorbei. Zehn Siege in zehn Qualifikationsspielen haben das Nationalmannschafts-Fieber noch einmal gesteigert.

Allerdings liest sich die WM-Bilanz ernüchternd: Bislang kamen die Iberer bei elf ihrer zwölf Teilnahmen nicht über das Viertelfinale hinaus. Nur 1950 in Brasilien reichte es zu Platz vier - als Letzter der zweiten Gruppenphase. Bei der WM 2006 in Deutschland musste Spanien nach dem 1:3 im Achtelfinale gegen Frankreich die Heimreise antreten.

Der Kader scheint keine Schwächen zu haben. Im Tor ist Casillas, der beim 2:1 gegen Argentinien jüngst sein 100. Länderspiel absolvierte, längst zu einem der besten Keeper der Welt gereift. Im Abwehrzentrum sind Carles Puyol und Gerard Pique eine Klasse für sich. Das Prunkstück ist jedoch das Mittelfeld, in dem nicht einmal ein Ausnahmekönner wie Cesc Fabregas einen Stammplatz hat. Wenn Andres Iniesta, Xavi oder Xabi Alonso den Ball zirkulieren lassen, bleibt dem Gegner oft nur die Rolle des staunenden Zuschauers.

Und ganz vorne verfügt das Team in Fernando Torres und EM-Torschützenkönig David Villa, der für 40 Millionen Euro Ablöse zur neuen Saison vom FC Valencia zum Meister FC Barcelona wechselt, über einen Traum-Angriff, nach dem sich jeder Trainer der Welt die Finger leckt. Die zuletzt angeschlagenen Iniesta, Fabregas und Torres wurden von Del Bosque trotzdem in den vorläufigen WM-Kader berufen. Er hofft, dass sie bis zur WM-Endrunde am Kap wieder fit sind.

Wo also liegt die Achillesferse dieser unverwundbar scheinenden Spanier? In der Bürde des Favoriten, glaubt zumindest Argentiniens Nationalcoach Diego Maradona: "WM-Favorit zu sein ist nicht immer gut, da bislang selten ein Favorit am Ende auch triumphiert hat."

Quelle: SID/chk

 
 
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