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WM-Porträt: Griechenland: "König Otto" möchte zaubern

zuletzt aktualisiert: 10.03.2010 - 08:39

Athen (RPO). Die Schuldenkrise hat Griechenland im Würgegriff, doch die Fußball-Nationalmannschaft von Trainer Otto Rehhagel will bei der WM in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) den Gegnern nichts schuldig bleiben. "Argentinien ist der Favorit. Aber gegen Nigeria und Südkorea haben wir eine gute Chance", sagte "König Otto" mit Blick auf die Kontrahenten in der Gruppe B: "Meine Spieler werden hundertprozentig fit und bereit für die WM sein."

Otto Rehhagel wird nach der Qualifikation für Südafrika von seinen Spielern gefeiert. Foto: AP, AP

Und sollte Rehhagel kurz vor der WM unter den elf Millionen Griechen noch ein paar Ballzauberer finden, wird der Europameister von 2004 sogar seine gefürchtete Mauertaktik zu den Akten legen. "Wir würden sehr schönen Fußball spielen, wenn wir Kaka, Messi und Xavi hätten", äußerte "Rehakles", der seine defensive Taktik immer wieder gegen Kritik verteidigen muss. Da die aufgezählten Superstars aber keinen griechischen Pass besitzen, wird der gebürtige Essener bei seiner ersten Weltmeisterschaft auf ein Offensivspektakel verzichten.

"Ich wurde als Trainer nie für schönen Fußball bezahlt, sondern für Siege", meinte der 71-Jährige, der die Bundesliga-Profis Angelos Charisteas und Theofanis Gekas nominiert hat. Verzichten muss der Coach dagegen auf Stürmer Ioannis Amanatidis von Eintracht Frankfurt, der aufgrund seiner zweiten Knorpel-Operation am rechten Knie seine WM-Teilnahme abgesagt hat.

Rehhagel muss damit leben. "Wir haben in Griechenland die Spieler, die wir haben. Und mit deren Möglichkeiten müssen wir das Beste daraus machen", sagte der Trainer, der die Hellenen trotz heftiger Kritik der Medien und der bereits geforderten Verabschiedung in den Ruhestand zum zweiten Mal nach 1994 zu einer WM-Endrunde geführt hat.

16 Jahre nach der WM in den USA bietet sich den Griechen in Südafrika die Chance zur Wiedergutmachung. Schließlich verlor das Team damals in der Gruppenphase nicht nur gegen Bulgarien (0:4), sondern auch gegen die aktuellen Gruppengegner Argentinien (0:4) und Nigeria (0:2). Doch schon die geglückte Qualifikation in den Play-offs gegen die Ukraine nutzte Rehhagel, der die Griechen seit 2001 betreut, zur Abrechnung mit seinen Kritikern.

"Die Leute haben schon eine Menge Blödsinn über mich erzählt. Wer sagt, dass wir immer nur mit einer Spitze gespielt haben, hat es einfach nicht verstanden", sagte der frühere Meistertrainer von Werder Bremen und des 1. FC Kaiserslautern, der ausgerechnet nach seinem 100. Spiel als griechischer Coach die erfolgreiche Qualifikation feierte.

Ob Rehhagel, der mit seinem Team nach dem sensationellen EM-Triumph 2004 in der WM-Qualifikation 2006 scheiterte und bei der EM 2008 nach der Vorrunde abreisen musste, die Griechen auch nach der WM noch betreuen wird, ist offen. Der Coach will seine Zukunft jedenfalls nicht von möglichen finanziellen Einbußen aufgrund der Schuldenkrise abhängig machen: "Auch wenn ich das doppelte Geld verdient hätte, würde ich auch nur ein Filet essen können."

Quelle: SID/chk

 
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