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WM-Porträt: Algerien: Tolle Premiere und die "Schande von Gijon"

zuletzt aktualisiert: 01.04.2010 - 07:16

Algier (RPO). 1982 wurden sie betrogen, 1986 waren sie ohne Chance: Im dritten Anlauf soll es nun endlich klappen mit Algeriens erster Achtelfinal-Teilnahme bei einer WM. "Und dann gegen Deutschland - das wäre ein Traum", hat Karim Matmour bereits einen Wunschgegner. Der Stürmer von Borussia Mönchengladbach traut den "Wüstenfüchsen" jedenfalls ein viertes Spiel zu: "Wir können eine Überraschung schaffen und die Vorrunde überstehen."

Um gegen Titelkandidat England, Slowenien und die USA zu bestehen, muss aber schon ein kleines Wunder her. Denn Nationaltrainer Rabah Saadane hat gleich mehrere Baustellen. Das beginnt traditionell auf der Torhüterposition, auf der weder Lounes Gaouaoui noch Faouzi Chaouchi einen Stammplatz sicher haben, und setzt sich in der oft löchrigen Abwehr fort - trotz Nationalheld Anthar Yahia vom VfL Bochum, der seit seinem 1:0-Siegtor im hitzigen Play-off-Spiel gegen Ägyten von den Fans verehrt wird.

Mehr Mut macht das Mittelfeld, wo in Karim Ziani vom VfL Wolfsburg ein dritter Bundesliga-Profi wirbelt. Als echtes Juwel gilt zudem Spielmacher Mourad Meghni, einst in Frankreich als "kleiner Zidane" gefeiert und seit 2007 bei Lazio Rom unter Vertrag. Vorne soll es Optimist Matmour richten: "An einem guten Tag sind wir nur schwer zu schlagen. Viele kennen uns nicht, das ist unsere Chance", sagt der Gladbacher.

Auf ein Achtelfinale gegen Deutschland hoffen auch Millionen Fans in Algerien. Denn noch immer ist die "Schande von Gijon" nicht vergessen, jener denkwürdige Nichtangriffspakt zwischen der DFB-Elf und Österreich bei der WM 1982 in Spanien. Die hilflosen Nordafrikaner schieden damals aus, Deutschland kam bis ins Endspiel. Algeriens 2:1-Sensation gegen Jupp Derwalls Mannschaft im ersten Gruppenspiel war plötzlich ohne Wert.

Vier Jahre später endete Algeriens zweiter und bislang letzter WM-Auftritt weit weniger spektakulär. Nach drei Vorrundenspielen gegen Brasilien (0:1), Spanien (0:3) und Nordirland (1:1) musste die chancenlose Mannschaft als Gruppenletzter vorzeitig die Heimreise antreten. Für eines der stärksten Teams des Kontinents, 1990 immerhin Afrikameister, begann eine 24-jährige WM-Durststrecke, die erst mit der Qualifikation für die WM 2010 endete.

Bis nach Südafrika war es allerdings ein buchstäblich steiniger Weg. Erst in einem Entscheidungsspiel gegen den Erzrivalen Ägypten (1:0) setzte sich Algerien durch. Für Schlagzeilen sorgte kurz zuvor das hitzige Duell beider Teams in Kairo, wo der Mannschaftsbus der Algerier Zielscheibe ägyptischer Rowdys wurde. Einige Spieler kamen mit blutigen Gesichtern am Hotel an: "Ich hatte Angst um mein Leben. Seit diesem Spiel kenne ich keinen Druck mehr", sagt Matmour heute.

Doch das Chaos von Kairo schweißte die Mannschaft auch zusammen. "Erst waren wir Freunde, jetzt sind wir wie Brüder", berichtet Matmour über den Teamgeist der zumeist in Frankreich geborenen Nationalspieler.

Die WM-Generalprobe im Januar verlief indes eher mäßig: Beim Afrika-Cup in Angola sorgte besonders das 0:3 gegen Malawi für Ernüchterung, im Halbfinale war nach einem 0:4 gegen Ägypten Schluss. Die Euphorie in der Heimat bremste das freilich nicht: "In Algerien ist die WM der Höhepunkt des Jahres", sagt Matmour: "Alle reden darüber: kleine Kinder, Omas, Opas."

Und vielleicht erreicht ja tatsächlich Außenseiter Algerien das Achtelfinale. Matmour jedenfalls ist sich sicher: "Am Ende gewinnt nie der Favorit."

Quelle: SID/chk

 
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