TV-Kritik: Kahn sagt seine Meinung
VON GIANNI COSTA - zuletzt aktualisiert: 17.06.2010 - 09:56Düsseldorf (RP). Als Oliver Kahn noch in kurzen Hosen über den Rasen hechtete und sein Tagwerk als Torwart-Titan verrichtete, war er ein richtig emotionaler Bursche. Aufgebracht von zu wenig Einsatz seiner Arbeitskollegen, fand er immer ziemlich deutliche Worte für schlechte Leistungen. Er haderte, er grantelte, er fuchtelte mit den Händen wild umher.
Der neue Kahn in feinem Zwirn und im Fernsehstudio ist bislang vorzugsweise als braver TV-Onkel in Diensten des ZDF aufgefallen. Immer verständnisvoll, immer nett, immer etwas distanziert. Bei dieser WM stolperte er zunächst unbeholfen in die Analyse. Seine Beurteilungen des ersten deutschen Auftritts an der Seite von Katrin Müller-Hohenstein waren schnarchig.
Doch einen wie Kahn sollte man nicht zu früh abschreiben. Bei seinem zweiten Einsatz im Zweiten bei der Begegnung zwischen Brasilien und Nordkorea präsentierte er sich deutlich angriffslustiger. "Niemand hat den Brasilianern verboten, sich auch ohne Ball zu bewegen." Oder: "Dunga wird seinen Spielern nicht in der Kabine gesagt haben, geht da raus und spielt so schlechten Fußball."
Kahn ist kein Alleinunterhalter wie Jürgen Klopp bei RTL. Als Kahn zu seinem 41. Geburtstag von Müller-Hohenstein eine Vuvuzela als Präsent im Studio überreicht bekommt, da blickt er grimmig drein. Er ahnt wohl schon, dass er reintröten soll. "Ich übe erst", sagt er. Halbe Sachen macht ein Kahn eben nicht.
Doch dieser Kahn hat eine Menge zu sagen. Er ist das wohltuende Gegengewicht zu einer Müller-Hohenstein, die auf seichtem Niveau unterwegs ist. Kahn in guter Form vermischt seine Erfahrungen als Profi mit den gewonnenen Eindrücken eines Spiels. In dieser Form ist er auch "Titan" am Mikro.
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