1. Bundesliga 16/17
| 12.50 Uhr

Fair Play, arrogante Schiedsrichter, TV-Beweis
Das "Handball-Tor" von Köln wirft viele Fragen auf

Fotos: Andreasen trifft mit dem Arm gegen Köln
Fotos: Andreasen trifft mit dem Arm gegen Köln FOTO: Screenshot Sky
Köln. Nur Fangen wäre deutlicher gewesen. Nach Leon Andreasens spielentscheidendem "Handball-Tor" für Hannover 96 wurden in Köln deshalb nahezu alle grundlegenden Fragen des Fußballs heißblütig diskutiert: Gibt es noch Moral und Fair Play? Sind die Schiedsrichter zu überheblich? Und wieder einmal: Braucht es den TV-Beweis?

Das Handspiel zum 1:0 (1:0) von Hannover 96 war allerdings zu deutlich, als dass es nur mit technischen Hilfsmitteln aufklärbar gewesen wäre. Dennoch spottete Kölns Trainer Peter Stöger: "Wir haben jede Woche vier oder fünf gravierende Fehlentscheidungen. Aber Hauptsache, wir haben die Torlinientechnik eingeführt! Die wird ja so häufig gebraucht." In dieser, ihrer ersten Saison in der Bundesliga, bis jetzt noch gar nicht. Dafür hatte auch der VfB Stuttgart am Sonntag gegen den FC Ingolstadt (1:0) durch ein irreguläres Tor gewonnen – klares Abseits.

FC-Manager Jörg Schmadtke stellte die Frage nach der Qualität der "vier Herrschaften, die sogar Geld dafür bekommen. Ich habe gelesen, wir hätten die besten Schiedsrichter der Welt. Aber ich werde jede Woche eines Besseren belehrt." Und Stöger warf den Unparteiischen mangelnde Kommunikation und Kritikfähigkeit vor: "Sie haben zu 90 Prozent ein Problem damit, Kritik anzunehmen. Das geht in Richtung Überheblichkeit."

Pressestimmen: "Fohlen tanzen durch die Liga" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Am Sky-Mikrofon nach dem Spiel gestand Bastian Dankert seinen Fehler aber immerhin ein. "Sicherlich ist man unter den 48.500 Zuschauern, die im Stadion waren, derjenige, der am meisten enttäuscht ist", erklärte der 35-Jährige, der seit 2014 auf der Fifa-Liste steht: "Nach dem Studium der Bilder muss man sagen, dass das auf diesem Niveau nicht passieren darf, solche Fehler zu machen."

Schmadtke betonte nach der "0:Hand-Niederlage" (Express), Dankert hätte Andreasen befragen müssen. Er wundere sich, dass dieser Impuls angesichts der vielen Proteste nicht gekommen sei: "Das war fahrlässig. Da hat er seinen Job nicht engagiert genug gemacht." Der frühere Fifa-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer begründete seine Forderung an Dankert als Bild-Experte höchst ungewöhnlich: "Hätte Andreasen dann gelogen, hätte er den Schwarzen Peter gehabt."

Genau dagegen wehrte sich wiederum Stöger. "Es ist der Job des Schiedsrichters, das zu erkennen", sagte der Österreicher, der dem Assistenten nach der Fehlentscheidung ironisch seine Brille angeboten hatte: "Wenn bei mir Dinge nicht funktionieren, kann ich auch niemanden fragen, ob er nicht eine Idee hätte."

96-Coach Michael Frontzeck nahm Fragen nach der Rechtmäßigkeit des Tores und damit des Sieges derweil offenbar persönlich. "Wir müssen uns nicht entschuldigen. Unglückliche Entscheidungen sind Teil des Spiels. Ich weiß nicht genau, was Sie von mir erwarten", sagte der 51-Jährige und heizte die Diskussion um Moral und Anstand erst richtig an.

Köln - Hannover FOTO: afp, bb

Frontzeck wollte damit in erster Linie Andreasen verteidigen, doch dem machte nicht einmal der Gegner einen Vorwurf. "Ich kann verstehen, dass er nicht zum Schiedsrichter geht – in der Situation, in der Hannover sich befindet", erklärte FC-Torhüter Timo Horn. Und Stöger versicherte: "Ich verlange vom ihm zu null Prozent, dass er hingeht und das Handspiel zugibt."

Vorwürfe, er habe "betrogen", wehrte Andreasen erzürnt ab: "Nächste Frage." Es sei "natürlich ein Handspiel" gewesen, bestätigte der Däne, er fühlte sich aber dennoch eher als Opfer. "Für mich ist es ein blödes Gefühl, ich bin normal ein fairer Spieler. Die Situation ist für mich nicht so lustig", erklärte er: "Ich weiß nicht, wieso ich hier stehen und mich entschuldigen muss."

(can/sid)
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