1. Bundesliga 16/17
| 18.12 Uhr

Schmadtke kritisiert Fan-Boykott
Kölner Derby-Helden droht Zerwürfnis mit den Fans

1. FC Köln: Derby-Helden droht Zerwürfnis mit den Fans
FOTO: dpa, mjh hak
Köln. Der 1. FC Köln hat erstmals seit zehn Jahren ein Derby zu Hause gewonnen. Doch nun droht ein Zerwürfnis mit den Fans.

Jörg Schmadtke war wütend, frustriert, enttäuscht. Erstmals seit zehn Jahren hatte der 1. FC Köln ein Heim-Derby gegen Borussia Mönchengladbach gewonnen, doch plötzlich droht dem stark gestarteten FC ein echtes Zerwürfnis mit den Fans. "Es hat sich nicht so angefühlt, als ob das ein wichtiger Sieg gewesen wäre", sagte Schmadtke nach dem 1:0 (0:0) betont schmallippig.

Schließlich hatten die Fans, die sich dem Gladbacher Fan-Boykott anschlossen, sogar den eigentlich so beliebten Sportchef attackiert und ihm via Protest-Plakat ("Schmadtke: Ruhig, ganz ruhig") den Mund verbieten wollen. Schmadtke hatte im Vorfeld beklagt, die Fans ließen mit ihrem Boykott die Mannschaft im Stich.

Die Mannschaft sah dies offenbar genauso und verweigerte den obligatorischen Jubel vor der Südkurve. "Wir geben in jeden Spiel alles. Und wir hoffen, dass die Fans das auch für uns tun", äußerte der gebürtige Kölner Marcel Risse: "Es ist einfach schade. Wir feiern nach so vielen Jahren einen so ersehnten Erfolg und er wird nicht so gefeiert, wie es sein sollte."

Auch Trainer Peter Stöger verdarb der Fan-Aufstand - die Kölner Fans waren im Gegensatz zu vielen Gladbachern zwar gekommen, hatten aber auf Fahnen, Choreos und organisierten Support verzichtet - fast die Freude über den Erfolg. Schließlich widmeten sich die Anhänger gefühlt mehr ihrem Protest gegen den DFB als dem Spiel und vergaßen in ihrem Kleinkrieg mit dem Verband damit praktisch die Mannschaft.

"Jeder ist selbst dafür verantwortlich, wie lustig er es im Stadion hat", sagte Stöger dann betont gelassen: "Schade, wir hätten heute alle viel Spaß haben können. Die Mannschaft hatte in der Kabine jedenfalls welchen." Als "ungewöhnlich" und "eigenartig" geißelte Stöger dieses Verhalten: "Als ich hergekommen bin, hat man mir gesagt, dass man vor allem einmal gegen Gladbach gewinnen will. Und jetzt, wo es endlich klappt, feiern wir das in der Gruppe nicht so, wie es sein könnte."

In einer Stellungnahme vom Sonntagabend zeigte sich der Verein auch enttäuscht über Pfiffe einiger Fans nach der ersten Halbzeit: "Unser Team hat sich jede Unterstützung verdient. Wenn bei Teilen der Fans Erwartungen entstanden sein sollten, die dazu führen, unsere Mannschaft im zweiten Jahr nach dem Aufstieg bei sieben Punkten und dem Stand von 0:0 gegen einen Champions-League-Teilnehmer wegen eines Rückpasses auszupfeifen, dann sagen wir klipp und klar: Diese Erwartungen sind überzogen und unangemessen."

Der FC hofft aber, dass sich die Situation nun wieder entschärft. "Wir sind jedoch sicher, dass das Kölner Publikum, um das wir zu recht in der ganzen Liga beneidet werden, schon gegen Ingolstadt wieder seinem guten Ruf gerecht wird und sich 90 Minuten lang hinter die Mannschaft stellt", hieß es in der Stellungnahme weiter.

Mit zehn Punkten aus fünf Spielen ist der Kölner Saisonstart zwar mehr als gelungen, das 2:6 bei Eintracht Frankfurt in der Vorwoche kann nun als Ausrutscher verbucht werden. Zumal die damals wackelige Abwehr am Samstag nicht eine Torchance zuließ. "Es wäre fahrlässig, nach nur einem Spiel jemanden aus dem Abwehr-Verbund rauszunehmen", sagte Stöger, der nicht wie erwartet den genesenen Vorjahres-Abwehrchef Dominic Maroh brachte: "Das Vertrauen wurde gerechtfertigt. Jetzt müssen wir noch die richtige Balance finden. Aber das wird eine Aufgabe für die ganze Saison. Oder vielleicht sogar für die nächsten Jahre."

Bis dahin kann sich der FC auf Siegtorschütze Anthony Modeste (64.) verlassen, der mit vier Treffern zu dieser Saisonphase der bester Kölner Stürmer seit Thomas Allofs vor 27 Jahren ist und in sechs Pflichtspielen an neun Toren beteiligt war. Doch seine Mitspieler setzen ihn nach Stögers Ansicht noch nicht genug ein. "Er gibt uns ganz neue Möglichkeiten", sagte Stöger: "Daran müssen wir uns erst einmal gewöhnen."

(sid)
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