1. Bundesliga 17/18
| 10.29 Uhr

Sieben Fakten, die Hoffnung machen
Hier ist der 1. FC Köln nicht Letzter

1. FC Köln: Diese Zahlen können noch Mut machen
Jubeln durfte der FC bislang nur in den Pokalwettbewerben. FOTO: dpa, mb
Düsseldorf. Ganze 13 von 34 Bundesligaspielen sind absolviert, aber der 1. FC Köln scheint sportlich bereits Insolvenz angemeldet zu haben. Kann es wirklich nur noch um Schadensbegrenzung gehen? Wir mussten uns zwar Mühe geben, haben aber noch sieben Punkte gefunden, die dem Schlusslicht Hoffnung machen. Von Aaron Knopp

Der 1. FC Köln durchlebt eine Krise nahezu biblischen Ausmaßes. Nach einem vergleichsweise fetten Jahr und der überschwänglich bejubelten Qualifikation für die Europa League ist das Team von Peter Stöger im Begriff, am Denkmal von Tasmania Berlin zu kratzen. Jenem Klub, der zwar formaljuristisch bereits 1973 das Zeitliche gesegnet hat, sich durch beharrlich schlechte Leistungen jedoch unvergesslich gemacht hat. Seit der Saison 1965/66 vergeht kein Bundesliga-Jahr, in dem Tasmania nicht als Referenz herangezogen wird. Keiner kassierte mehr Tore, keiner holte weniger Punkte, niemand gewann so selten. Tasmania ist der ewig Letzte, sprichwörtlich und im Zahlenwerk der Fußball-Bundesliga. Konkurrenz stand eigentlich nicht zu befürchten, es ist eine Geschichte aus längst vergessener Zeit.

Im modernen Fußball sind solche Ausfälle nicht mehr vorgesehen. Rudi Völler prägte einst die Binsenweisheit, dass es im Fußball keine Kleinen mehr gebe. Damit meinte er den zumindest aus Perspektive eines Teamchefs der deutschen Nationalmannschaft beklagenswerten Zustand, dass selbst einstige Fußball-Entwicklungsländer ebendies getan haben und sich zumindest die grundlegende taktische Disziplin verordnet haben, um Debakel zu verhindern. Zumindest derart Klitzekleine wie Tasmania Berlin sind im Fußball moderner Prägung tatsächlich rar geworden, selbst vermeintliche Total-Außenseiter der jüngeren Vergangenheit wie Darmstadt 98, der SC Paderborn oder Eintracht Braunschweig hielten im Oberhaus manierlich mit. Kein Vergleich mit dem Abschneiden des 1. FC Köln.

Zugegeben, bis zum Saisonende ist noch ein gutes Stück Weges zu gehen, theoretisch ist selbst die Qualifikation für die Champions League noch möglich. Allein, die Zahlen widersprechen entschieden: Nicht nur in der Gesamttabelle ist der 1. FC Köln nach 13 Spieltagen mit gerade einmal zwei Pünktchen 18. Sieger. Der FC hat die wenigsten Tore geschossen, zusammen mit Freiburg die meisten kassiert und nutzt seine Chancen schlechter als jedes andere Bundesliga-Team.

Die Liste der Unzulänglichkeiten und Minusleistungen ließe sich mühelos verlängern. Doch werfen wir einmal einen Blick auf die Werte, in denen der 1. FC Köln nicht Letzter ist und einige Punkte, die den gebeutelten Anhängern vielleicht doch noch ein wenig Hoffnung machen können.

  • Disziplin: Elend liebt Gesellschaft. Als würde es nicht ohnehin schon bescheiden laufen, hat FC-Trainer Peter Stöger auch noch reichlich Verletzungspech zu beklagen. Zumindest haben die einsatzfähigen Spieler sich darauf besonnen, die Personalprobleme nicht noch zu verschlimmern. In der Fair-Play-Tabelle steht ein grundsolider Mittelfeldplatz (8) zu Buche. 27 Gelbe Karten bescheinigen dem Schlusslicht zwar keineswegs mangelnde Gegenwehr, einen Platzverweis hatte Köln aber noch nicht zu verbuchen. Fairstes Team der Bundesliga ist derzeit übrigens der FC Bayern, Schlusslicht Bayer Leverkusen.
  • Einsatz: Der jüngste Disput zwischen Stöger und Fitnesstrainer Yann-Benjamin Kugel hat Diskussionen über Trainingsinhalte und den Fitnesszustand der Spieler angeheizt. Zumindest die Zahlen weisen den Tabellenletzten in dieser Disziplin als durchaus bundesligatauglich aus. 1492,79 Kilometer Laufleistung der gesamten Mannschaft bedeuten Rang 13 im Ligavergleich. Darüber, wie aufschlussreich diese Statistik ist, darf allerdings gestritten werden. Ein unmittelbarer Zusammenhang zum Abschneiden in der Tabelle lässt sich an dieser Stelle kaum ablesen. Laufstärkstes Team ist bislang die TSG Hoffenheim, gefolgt vom SC Freiburg. Am wenigsten bewegt haben sich die Spieler des FC Bayern. Nun ja.
  • Ballbesitz: Ein weiterer Wert, dessen Bedeutung Trainer, Experten und Zuschauer je nach persönlichem Dafürhalten irgendwo zwischen Weltformel und reinem Aberglauben ansiedeln. Auch hier ist der FC so mittelmäßig, wie es sich der geneigte Fan derzeit nur wünschen kann: Elfter. Durchschnittlich hat das Stöger-Team 48,3 Prozent Ballbesitz – und damit nur unwesentlich weniger als der FC Schalke (48,5) und Borussia Mönchengladbach (48,6), die unmittelbar davor rangieren. Aussagekräftig scheint in dieser Disziplin aber nurmehr die Tabellenspitze. Hier gehen der FC Bayern (64,9) und Borussia Dortmund (62,3) voran. Bayer Leverkusen auf Rang drei folgt bereits mit großem Respektabstand (55,4).
  • Chancen: Die Chancenverwertung liest sich leider alles andere als ermutigend. Aus mickrigen 3,3 Prozent aller Möglichkeiten der Kölner sind bislang Tore resultiert. Umgerechnet: für ihre vier Saisontore mussten die Rheinländer satte 120 Mal aufs Tor schießen. Auch wenn in diese Statistik jede Verzweiflungstat und etwas festere Rückgabe mit einfließt, liegt hier der offensichtlichste Schwachpunkt. Ermutigend ist allein, dass der FC sich überhaupt Chancen erspielt und zum Abschluss kommt. Vergleich man allein die Anzahl der Torschüsse, rangiert der FC auf einem soliden zehnten Platz. Schlusslicht Hertha BSC brachte es dagegen zustande, mit nur 87 Torschüssen stolze 18 Tore zu erzielen. Mit einer solchen Erfolgsquote bei seinen 120 Abschlüssen hätte Köln knappe 25 Tore erzielt – mehr als Leipzig, Mönchengladbach und Schalke. Effektivität gehört zweifelsohne nicht zu den größten Stärken des FC. Bleibt die Hoffnung auf eine Leistungsexplosion eines Angreifers oder einen geschickten Transfer in der Winterpause, um dieses Manko zu beheben.
  • Zugelassene Chancen: Was der "Effzeh" vorne an Effektivität vermissen lässt, wird ihm immer wieder von den Gegnern aufgezeigt. Denn obwohl die Kölner mit 25 Gegentreffern in dieser Statistik ganz hinten liegen, lassen sie keineswegs die meisten Torchancen zu. 55 davon wurden auf Kölner Seite gezählt, damit liegt der FC auf Platz 10. Bei den zugelassenen Torschüssen reicht es mit 120 noch zu Platz 11. Letzter in beiden Fällen übrigens der Lokalrivale Borussia Mönchengladbach, in der einzigen Tabelle die zählt satte 22 Punkte vor den Kölnern platziert. 
  • Zuschauer: Beim letzten Heimspiel gegen Hertha BSC kamen zwar bislang die wenigsten Zuschauer zu einem Bundesliga-Heimspiel in dieser Saison, was angesichts von 47.800 Besuchern und einer Gesamtkapazität von 50.000 allerdings beileibe kein Zeichen mangelnden Rückhalts ist. Das Stadion ist praktisch immer voll und die Fans sind nach wie vor bereit, jedes kleine Erfolgserlebnis zu belohnen. In der Zuschauertabelle liegt Köln auf Platz 9. Ein Pfund, das im Abstiegskampf eigentlich ein Vorteil sein muss. So spektakulär, wie Tasmania Berlin auch auf diesem Terrain einst Schiffbruch erlitten hat, dürfte es dem FC selbst in der Oberliga nicht ergehen. Nachdem den Tasmanen beim ersten Bundesligaspiel noch 81.500 zujubelten, kamen am Ende gegen Borussia Mönchengladbach noch handgezählte 827 Zuschauer. Ein beispielloser Niedergang, der in der Rheinmetropole nicht zu befürchten steht. Sollte der 1. FC Köln tatsächlich in die 2. Bundesliga müssen – die Stadt würde beim Wiederaufstieg zuverlässig Kopf stehen.
  • Die Pokalwettbewerbe: Dem FC gelang zwar auch in der Europa League nicht alles, allerdings haben dieselben Spieler, denen in der Bundesliga so frappierend wenig gelingen will, in der Europa League beachtliche Ergebnisse erzielt. Ob gegen Borrisow oder Arsenal – die Siege auf der Bühne, nach der sich alle in Köln so gesehnt haben, zeigen, dass diese Mannschaft doch grundsätzlich auch in der Bundesliga konkurrenzfähig sein sollte. Mit Blick auf die auf internationaler Bühne ausgesprochen diskreten Vorstellungen der Konkurrenz aus deutschen Landen, muss der FC hier keinen Vergleich scheuen. Ob die Chance, auch 2018 in DFB-Pokal und Europa League vertreten zu sein angesichts der drohenden Doppelbelastung allerdings eine verheißungsvolle Perspektive ist, sei dahingestellt.
 
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