1. Bundesliga 15/16 Bundesliga
| 10.19 Uhr

Interview mit Kölns Abwehrchef Maroh
"Wir können als Gegner eklig sein"

Fotos: Maroh wird mit Doppelpack zum Derby-Helden
Fotos: Maroh wird mit Doppelpack zum Derby-Helden FOTO: dpa, ve kno
Köln. Mit leichter Verspätung erscheint Dominic Maroh zum vereinbarten Termin nach dem Vormittagstraining. Der Innenverteidiger des 1. FC Köln entschuldigt sich artig. Sein persönliches Programm aus Kraft- und Dehnübungen hatte etwas mehr Zeit gekostet. Am Samstag (15.30 Uhr/Live-Ticker) kehrt Maroh nach Gelbsperre ins Team zurück. Der Gegner: Bayern München.

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Herr Maroh, wie knackt man dieses Team, das gerade erst in der Champions League gegen Turin seinen Siegeswillen unter Beweis gestellt hat?

Dominic Maroh Die Bayern stehen für mich an der Weltspitze. Auch wir Spieler können schwer sagen, wie es am besten klappt. Es haben Mannschaften mit Viererketten probiert, mit Dreier-, mit Fünferketten. Es haben Mannschaften mit Pressing versucht, mit Komplettverteidigung rund um den Sechzehner. Die Bayern haben sich über Jahre so ein Standing erarbeitet, dass die Teams teilweise kapitulierend in die Spiele gehen. Peter Stöger und sein Trainerteam haben auch diesmal wieder eine Spielidee für uns. Wir müssen es umsetzen. Das klappt mal besser, mal schlechter – je nachdem auch, wie es der Gegner zulässt. Ich freue mich darauf.

Pure Freude oder auch etwas Angst?

Maroh (lacht) Ich habe mir ja extra die fünfte Gelbe Karte davor abgeholt, damit ich gegen die Bayern spielen kann und es da keine Diskussionen gibt. Nein, es ist doch toll, gegen die besten Spieler der Welt zu spielen. Wir stehen mit 33 Punkten im gesicherten Mittelfeld, haben ein volles Stadion mit großartiger Atmosphäre.

Aber für Sie als Abwehrchef wird die Arbeit gegen Bayern besonders hart.

Maroh In erster Linie ist es Spaß an der Aufgabe und die Gier, eine Überraschung zu schaffen. In zweiter Linie musst du aber schon schauen, dass du viel organisierst, viel sprichst. In solchen Spielen ist das schon mehr als in anderes Spielen, weil bei den Bayern der Ball schneller zugepasst wird. Du musst die Männer vor dir in die richtigen Positionen bekommen und ihnen Vertrauen geben, was hinter ihnen passiert.

Gibt es einen Spieler bei den Bayern, vor dem der Respekt besonders groß ist?

Maroh Die Offensivreihe ist schon die crème de la crème. Wenn einer ausgewechselt wird, kommt mittlerweile einer, der diesen eins zu eins ersetzt. Gegen Juve kam Coman in der zweiten Hälfte und Robben und Götze haben gar nicht gespielt.

Gegen Bremen kam Robert Lewandowski für die letzte Viertelstunde...

Maroh Exakt. Wobei man sagen muss, Bayern hat gegen uns immer die nominell beste Elf aufgestellt. Die wissen schon, dass wir eine unangenehme Mannschaft sein können. Wir können als Gegner eklig sein. Bayern weiß das auch. Sie werden uns nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Verlauf?

Maroh Dass die Super-Vorrunde mit 24 Punkten Begehrlichkeiten geweckt hat, ist klar. Dann kam noch der Hinrunden-Abschluss mit dem 2:1 gegen Dortmund, als wir super gespielt haben. Danach sind wir mit Gänsehaut nach Hause gefahren. Da sitzt man Weihnachten und Silvester zu Hause und überlegt in einer ruhigen Minute: So, jetzt lass uns in der Rückrunde angreifen. Vielleicht können wir was Außergewöhnliches schaffen und an die vorderen Plätze rankommen, wie es Augsburg geschafft hat – oder Frankfurt und Freiburg vor Jahren. Und dann kommt das Spiel gegen Stuttgart. Wir hatten das Spiel total im Griff, führten 1:0. Ich hatte das Gefühl, das kann nie und nimmer schiefgehen. Doch wir kriegen ein blödes Tor und verlieren am Ende noch. Wir haben uns gefragt: Wie ging das? Danach haben wir einige Punkte liegen gelassen. Es war einfach mehr möglich, aber wir waren nicht effizient genug. Und es war schnell klar, dass es somit schwer wird, oben anzugreifen.

Hat die Mannschaft nach diesem Sieg gegen Dortmund gedacht, sie sei schon einen Schritt weiter in der Entwicklung gewesen?

Maroh Das ist schwer zu sagen. Vielleicht war es einfach blöd, dass nach dem Sieg die Pause kam. Wir hatten einen super Lauf. Es ist jedenfalls so: Wenn wir als 1. FC Köln nicht an die 100 Prozent Leistung kommen, dann verlieren wir gegen Bayern, gegen Dortmund, aber eben auch gegen Stuttgart. Oder können gegen Hannover verlieren. Wir müssen immer am Maximum spielen, sonst wird es ganz schwer.

Ist das der Knackpunkt in der Rückrunde?

Maroh Wir hatten in den Spielen zu viele Phasen, wo wir nicht gut genug waren. Das ist der nächste Schritt für uns. Wir müssen innerhalb eines Spiels 75, 80 Minuten top da sein. Das haben wir in der Rückrunde zu selten geschafft. Wir haben mal eine Hälfte verschlafen, dann haben wir mal die ersten 15 Minuten verschlafen. Dann wird es schwer, einem Rückstand hinterherzulaufen. Denn das ist uns auch zu oft passiert. Deswegen stehen wir da, wo wir stehen, auch zurecht. Das gesicherte Mittelfeld mit einem einstelligen Tabellenplatz ist aber zwei Jahre nach dem Aufstieg auch völlig in Ordnung.

In der vergangenen Jahren ist beim 1. FC Köln viel Ruhe eingekehrt. Sie kamen nach dem Abstieg 2012. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Maroh Die chaotischen Zeiten waren ja vor meiner Zeit. Als ich hierhergekommen bin, hatten Verantwortliche das Sagen, die wissen, wie man so einen Verein, der ja heute auch Unternehmen ist, kompetent führt. Mit Peter Stöger hat der FC einen tollen Trainer verpflichtet. Ich vergleiche das wirklich gerne mit einem Puzzle, das zusammengefügt wurde. Das hat angefangen mit Werner Spinner, Markus Ritterbach und Toni Schumacher als neuem Vorstand. Dann kamen Jörg Jakobs, und Alexander Wehrle, danach Peter Stöger und Jörg Schmadtke. Nach und nach wurden die entscheiden Position sehr gut besetzt. Das Team wurde dementsprechend aufgebaut, der Trainer hat eine klare Philosophie vorgegeben. Der Klub hat keine Spieler geholt, die meinen, sie stünden über den anderen und wären ein größerer Name. Jeder Spieler, der kommt, wird ganz leicht integriert. Wir sind eine homogene Truppe und ein homogener Klub.

Sie sprechen Peter Stöger an. Was macht ihn aus? Was hebt ihn von anderen Trainern ab?

Maroh Er identifiziert sich voll und ganz mit der Aufgabe – auch mit Kleinigkeiten wie Karneval. Selbst wenn die Mannschaft davor nicht gut spielt, die Fans wollen, das die Mannschaft in der Stadt ist. Die Spieler sollen diese Mentalität hier aufsaugen. Das Team soll zum Anfassen sein. Da habe ich schon andere Trainer erlebt. Da heißt es: 'Zapfenstreich! Ihr bleibt zuhause!' Er appelliert viel an die Eigenverantwortung. Das finde ich super. Jeder Spieler sollte sich selbst hinterfragen. Bei uns gibt es keinerlei Probleme. Keiner schießt quer und baut Mist. Peter Stöger hält die Gruppe komplett zusammen, ist nicht zu pessimistisch, wenn es nicht läuft. Aber bei einem guten Lauf sagt er auch: 'Männer, beide Beine auf den Boden.' Er findet immer die richtigen Worte. Das ist eine große Kunst.

Und es gab keinen Vorfall, dass diese losen Zügel mal ausgenutzt wurden?

Maroh Es ist wirklich nichts Dramatisches vorgekommen. Und wenn mal einer aus der Reihe tanzt, können wir viel innerhalb der Gruppe regeln. Dann schnappen sich zwei, drei ältere Spieler denjenigen und sagen: 'Guck, dass du wieder zu uns in den Kreis kommst. Das geht so nicht.' Das ist auch eine unserer Stärken, dass wir das intern regeln können. Es ist schön, diese lange Leine zu haben. Das zahlt sich aus bei uns.

Wo sehen Sie den 1. FC Köln denn mittelfristig, in drei, vier Jahren?

Maroh Das Wichtigste ist die Bundesliga-Zugehörigkeit. Das steht über allem.Der Klub arbeitet zudem am Abbau der verbliebenden Verbindlichkeiten. Trotzdem will er in die Infrastruktur investieren, weil das die Zukunft des 1. FC Köln ist. Und rund um das Geißbockheim kann man sicherlich einiges verbessern, zum Beispiel die Trainingsplätze Gerade in der Winterzeit ist es hier besonders schwierig. Sportlich wäre es schön, wenn man kurz- oder mittelfristig durch eine gute Saison mal in die Europa League rutscht und die Euphorie dann in die nächste Saison mitnimmt. Aber das ist schwer zu planen.

Bei Ihnen persönlich lief es zu Beginn der Saison durch eine Muskelverletzung nicht so gut. Wie zufrieden sind Sie jetzt?

Maroh Die Verletzung war ein bisschen schlimmer als gedacht. Dann hab ich Gas gegeben. Es ist ein gutes Zeichen an alle Spieler, wenn man mal hintendran ist, dass sich die harte Arbeit dann auch auszahlt. Ich spiele eine gute Saison. Ich bin zufrieden mit mir. Meine zwei Tore in Leverkusen waren natürlich ein Höhepunkt.

Sie haben sich nach langem Hin und Her für die slowenische Nationalelf und gegen Deutschland entschieden. Jetzt hätte sich durch viele Verletzungen im DFB-Team vielleicht die Möglichkeit geboten, eine EM zu spielen. Ärgern Sie sich ein bisschen, dass Sie keine Rolle in der Diskussion spielen können?

Maroh Das Niveau ist ja trotzdem sehr hoch. Früher war das mal ein Thema, aber ich habe mich lange nicht mehr damit beschäftigt. Es geht ja auch nicht mehr. Aber ich verfolge das deutsche Team. Natürlich auch wegen Jonas (Hector, Anm. d. Red.), der das dort toll macht. Ein Problem in der Defensive hat die deutsche Elf ohnehin nicht.

Also neckt Sie Jonas Hector nicht, dass sie mal aufs deutsche Pferd hätten setzen sollen?

Maroh Ich kriege gelegentlich den ein oder anderen Spruch. Aber da kommt schnell ein Spruch zurück.

Haben Sie gewisse Routinen am Spieltag?

Maroh Ich stehe meistens relativ früh auf, so um 7 Uhr. Bei Heimspielen gehe ich zehn Minuten raus, lockere mich ein bisschen. Auswärts machen wir mit der Mannschaft einen Spaziergang. Ich esse immer Pasta mit Olivenöl, um möglichst viele Kohlenhydrate vor dem Spiel aufzunehmen. Dann mache ich Mobilisations- und Kraftübungen. Der Ablauf ist seit Jahren gleich.

Im Privatleben gab es eine Änderung bei Ihnen. Nach sieben Jahren Beziehung haben Sie in der Winterpause ihre Frau Madlen geheiratet. Hat sich seitdem etwas geändert?

Maroh Ich hatte eigentlich gedacht, irgendwas wird anders werden. Aber es hat sich gar nichts geändert. Außer, dass ich jedes Mal vor dem Spiel vergesse, den Ring auszuziehen. Schmuck ist ja nicht erlaubt.

Da Sie gegen Hannover gesperrt waren, ist Ihnen das ja erspart geblieben. Ihre Kollegen haben 2:0 gewonnen. Jetzt ist der Abstand zu den Abstiegsrängen und zu den internationalen Plätzen groß. Wie lautet die Marschroute jetzt?

Maroh Vor dem Hannover-Spiel hieß es in der Öffentlichkeit, wenn wir nicht gewinnen, dann kommen danach die Bayern und dann sind wir mittendrin im Abstiegskampf. So denke ich, tun wir gut daran, zu schauen, wo wir Anfang, Mitte April stehen. Dann wissen wir, ob noch was nach oben geht.

Sie sind 29 Jahre alt, können noch ein paar Jahre spielen. Gibt es Pläne für danach?

Maroh Ich habe eine gewisse Vorstellung, aber die behalte ich für mich. Mir geht es aber körperlich gut und ich will so lange wie möglich spielen. Kevin McKenna hat mal gesagt, das ihm die Kabinengespräche am meisten fehlen. Darüber habe ich auch nachgedacht. Es ist eine Kleinigkeit, aber das wird mir auch mit am meisten fehlen. Jedem, dem ich begegne, sage ich, dass ich den tollsten Job der Welt habe und nie jammern würde auch wenn es mal eine schlechte Phase gibt. Mir macht es aktuell unglaublich viel Spaß.

Patrick Scherer führte das Gespräch.

Quelle: RP
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