1. Bundesliga 17/18
| 11.01 Uhr

Köln feiert Einzug in Europapokal
Europa – und jetzt?

Köln feiert Europapokal-Einzug
Köln feiert Europapokal-Einzug FOTO: dpa, jg fdt
Düsseldorf. Ganz Köln war am Samstag im Freudentaumel. Der FC hat sich erstmals seit 25 Jahren für den Europapokal qualifiziert. Das 2:0 gegen Mainz bescherte den Domstädtern Platz fünf in der Abschlusstabelle. Doch was bedeutet der Erfolg für die kommende Saison?  Von Stephan Seeger

Vorbereitung ohne Eventualitäten

Platz fünf in der Abschlusstabelle bedeutet für den FC die direkte Qualifikation für die Gruppenphase der Europa League. Trainer Peter Stöger kann seine Mannschaft im Sommer somit ganz "normal" auf die kommende Saison vorbereiten. Die Ausscheidungsspiele der dritten Qualifikationsrunde Ende Juli und Anfang August fallen weg, die muss nun Hertha BSC bestreiten. Die Europa-League-Saison beginnt für Köln erst mit der Auslosung am 25. August in Monaco.

Was passiert mit Modeste?

Mit 25 Saisontoren hat Anthony Modeste einen Löwenanteil an der Europa-League-Qualifikation des FC. Dabei hätte Köln den Franzosen im vergangenen Winter beinahe verloren, doch Modeste schlug ein Angebot aus China aus und blieb in der Domstadt. Nach dem Sieg gegen Mainz trugen die Kölner Fans den Stürmer auf Händen, Modeste fing an zu weinen. Viele Beobachter deuteten dies als möglichen Abschied. Der Vertrag des besten Kölner Torschützen seit mehr als 30 Jahren läuft noch bis 2021, schon sehr bald will sich Modeste mit Sportdirektor Jörg Schmadtke zusammensetzen. "Ich werde nicht sagen, dass wir ihn mit allen Mitteln halten werden. Wenn ein exorbitant gutes Angebot reinkommt, dann werden wir darüber diskutieren müssen", sagte Schmadtke. Einen möglichen Nachfolger hat der FC aber bereits auserkoren. Der Mainzer Jhon Cordoba steht auf der Kölner Einkaufsliste und soll wohl auch verpflichtet werden, wenn Modeste bleibt. Rund acht Millionen Euro soll der Stürmer kosten.

FC braucht einen breiteren Kader

Köln-Fans tragen Modeste auf Händen FOTO: Screenshot Sky

Die aktuelle Saison hat gezeigt: Der FC ist noch nicht so weit, dass er die Ausfälle von Leistungsträgern auf Dauer kompensieren kann. Marcel Risse fiel die gesamte Rückrunde mit einem Kreuzbandriss aus, Leonardo Bittencourt musste eine Zwangspause einlegen. Hätte sich auch noch Modeste verletzt, wäre Köln sicher nicht auf Platz fünf gelandet. Der Kader muss also für die anstrengende Saison 2017/18 mit neuen Spielern in der Breite und Qualität verstärkt werden. Vor allem im zentralen Mittelfeld fehlt den Kölnern ein Spielmacher. "Wir haben eine gute Mannschaft. Das haben wir nicht nur heute, sondern im gesamten Saisonverlauf gesehen. Wir werden uns jetzt das eine oder andere überlegen, um hier und da ein i-Tüpfelchen zu setzen. Im Gros werden wir aber zusammenbleiben", kündigte Schmadtke an.

Gut möglich, dass auch Spieler den Klub verlassen. In Neven Subotic (Borussia Dortmund, Leih-Ende) und Marcel Hartel (Union Berlin) stehen bereits zwei Abgänge fest, weitere könnten folgen. Für Subotic braucht der FC Ersatz in der Innenverteidigung. Das Gerücht um eine Rückkehr von Kevin Wimmer hält sich hartnäckig. Der Österreicher wurde nach seinem Wechsel von Köln nach Tottenham nicht glücklich und spielt dort keine Rolle. Auch Zweitliga-Torschützenkönig Simon Terodde wird mit Köln in Verbindung gebracht, auch Borussia Mönchengladbach soll Interesse haben.

Standortvorteil Köln

Die Tops und Flops der Saison FOTO: dpa, jg fdt

Um den Reisestress in der Europa League zu minimieren, will der FC nach den Spielen am Donnerstagabend direkt wieder nach Hause fliegen anstatt am Spielort zu übernachten. "Wir haben hier in Köln einen Standortvorteil, weil der Flughafen hier nachts auf ist. Das war in Hannover auch so. Dann könnte man nach einem Auswärtsspiel direkt zurückfliegen und müsste nicht noch mal in einem fremden Bett schlafen. Das tut der Regeneration gut", sagte Schmadtke in einem Interview mit unserer Redaktion.

Europapokal-Einnahmen

Bis zu zehn Millionen Euro nimmt der FC allein durch die Qualifikation für die Gruppenphase der Europa League ein. Zudem verbesserte sich der Klub durch den Sieg gegen Mainz in der TV-Tabelle, die sich durch die Platzierungen der vergangenen fünf Jahre errechnet. "Genial", nannte Kölns Finanzchef Alexander Wehrle den Verlauf des letzten Spieltags: "Wir haben uns in dieser Saison von Platz 14 auf Platz neun verbessert." In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies: Für jeden Platz, den ein Klub in der TV-Tabelle nach oben springt, kassiert er 2,1 Millionen Euro mehr.

FC hofft sogar auf die Champions League

Ja, tatsächlich hat der FC als Fünfter noch die Chance auf die Qualifikation für die Champions League. Sollte die Uefa RB Leipzig das Startrecht für die Königsklasse entziehen, würde Köln nachrücken und die Play-offs spielen. Die Verantwortlichen der Sachsen geben sich zwar seit Wochen und Monaten wegen möglicher Verstöße gegen die Regularien der europäischen Fußball-Union demonstrativ gelassen, auf das Grüne Licht aus Nyon muss RB allerdings noch warten.

"Bei uns im Verein wird seit Monaten mit Hochdruck daran gearbeitet, alle Bedingungen zu erfüllen, deswegen mache ich mir da auch überhaupt keine Sorgen", sagte Sportdirektor Ralf Rangnick im Aktuellen Sportstudio. Schließlich habe man schon "vor Jahren" gewusst, dass dieser Tag einmal kommen könnte. Die Uefa selbst hatte erklärt, etwaige Verstöße erst zu prüfen, wenn die Meldungen für die europäischen Wettbewerbe bei ihr eingegangen seien.

Die große Frage dabei: Wie eng ist das Verhältnis zwischen RB Leipzig und dem "Schwesterverein" Red Bull Salzburg? Und verstößt es gegen Artikel 5 der Champions-League-Regularien?

Dort heißt es unter anderem zum "Schutz der Integrität des Wettbewerbs", dass kein Verein, der an einem Uefa-Klubwettbewerb teilnimmt, direkt oder indirekt auf irgendeine Art und Weise an der Führung, der Verwaltung und/oder den sportlichen Leistungen eines anderen an einem Uefa-Klubwettbewerb teilnehmenden Vereins beteiligt sein oder Einfluss darauf haben darf.

Im Februar hatte ein Bericht der Salzburger Nachrichten für Aufsehen gesorgt, wonach die Uefa bereits erste Signale gesendet hätte, dass bei einer Doppel-Qualifikation nur ein "Bullen"-Klub am internationalen Wettbewerb 2017/18 teilnehmen dürfe. Die Uefa hatte den Bericht als "Spekulation" bezeichnet, Leipzig ein angeblich drohendes Startverbot dementiert.

(seeg)
 
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