1. Bundesliga 17/18
| 12.19 Uhr

Köln verpatzt Saisonstart
Schmadtke plötzlich Krisenmanager

1. FC Köln: Jörg Schmadtke plötzlich Krisenmanager
Jörg Schmadtke auf der Kölner Bank im Gespräch mit Peter Stöger (Archiv). FOTO: dpa, car gfh
Düsseldorf. Jörg Schmadtke, Manager des 1. FC Köln, steht auf Ruhe. Doch nach dem verpatzten Saisonstart ist das Kölner Umfeld gar nicht mehr ruhig. Schmadtke und Trainer Peter Stöger müssen nun erstmals in Köln zeigen, dass sie auch mit einer Krise umgehen können. Von Antje Rehse

"Lieber FC-Fan, ruhig, ganz ruhig bleiben." Mit diesen Worten versuchte Schmadtke im September 2013, mantraartig die notorisch aufgeregten Anhänger des damaligen Zweitligisten 1. FC Köln einzubremsen. Der FC belegte nach zehn Pflichtspielen ohne Niederlage Platz zwei in der 2. Bundesliga und hatte soeben Erstligist Mainz 05 aus dem Pokal gekegelt. Ziemlich genau vier Jahre ist das jetzt her, am Ende der Saison sollte Köln aufsteigen, mittlerweile ist der Verein zurück in Europa. Doch anstatt auf die Euphoriebremse treten zu müssen, ist Schmadtke mit Stöger nun als Krisenmanager gefordert. Zum ersten Mal in der gemeinsamen Amtszeit in Köln.

Die Kölner haben den Saisonstart ordentlich in den Sand gesetzt. Oder "verbockt", wie der "kicker" am Montag treffend titelte. Nach drei Spieltagen stehen die Kölner ohne Punkte am Ende der Tabelle. Zuletzt startete Köln vor 14 Jahren so schlecht. Schmadtke ist nun erneut um Ruhe bemüht. "Gefährlich wäre die Situation nur, wenn unsere Spielanlage katastrophal wäre. Das ist nicht der Fall", sagte der Geschäftsführer nach der 0:3-Pleite beim FC Augsburg. Dort habe die Statistik klar für den FC gesprochen, meinte Schmadtke.

Tatächlich hatte der FC bei Torschüssen, Ballbesitz, Zweikampfquote, Passquote, Flanken und Eckbällen die besseren Werte. Im Sechzehner aber agierten die Gäste bis auf die letzten Minuten extrem harmlos und fingen sich hinten drei Tore ein.

Auch Kapitän Matthias Lehmann wollte von spielerischen Defiziten nichts wissen. "Sie haben gnadenlos unsere Fehler bestraft wie der HSV zuletzt – das war es aber schon", sagte der Mittelfeldspieler. "Wer sagt, dass die uns an die Wand gespielt haben sollen, der muss ein falsches Spiel gesehen haben. Das ist meine Meinung und hat nichts mit Schönreden zu tun."

Auch Schmadtke in der Kritik

Doch im Kölner Umfeld beginnt es, zu brodeln. Schmadtke muss sich für seine Transferpolitik rechtfertigen. Aus den 35 Millionen Euro, die Köln für Stürmer Anthony Modeste bekommen hat, habe Schmadtke zu wenig gemacht, finden viele Fans. Der neue Stürmer Jhon Cordoba, der etwa 15 Millionen Euro gekostet haben soll, steht in der Liga noch ohne Treffer da. Die Bürde der 25 Modeste-Tore wiegt schwer. Cordoba wirkt nach einer ansprechenden Leistung im ersten Spiel in Gladbach zunehmend verunsichert. In Augsburg vergab er die größte Chance des FC kläglich.

Cordoba vergibt Riesenchance gegen Augsburg FOTO: Sky

Neben Cordoba setzte Schmadtke bei seinen Transfers im Sommer vor allem auf junge Spieler. Linksverteidiger Jannes Horn kam für sieben Millionen vom VfL Wolfsburg, der spanische U21-Nationalspieler Jorge Meré für acht Millionen von Sporting Gijon. Er kam in Augsburg in der zweiten Halbzeit erstmals in der Innenverteidigung zum Einsatz. Dazu kamen Spieler, die vorerst in der zweiten Mannschaft Spielanteile sammeln sollen. Mittelfeld und Flügel wurden nicht verstärkt. "Man tut ja so, als hätten wir nur Einbeinige verpflichtet", sagte Schmadtke im Sport1-Doppelpass genervt.

Doch die Sorgen der Fans sind nicht unbegründet. Dass keiner – auch nicht Modeste selbst, wenn er geblieben wäre – wieder 25 Stürmertore hätten garantieren können, ist klar. Doch Cordoba kam in den vergangenen zwei Spielzeiten jeweils nur auf fünf Liga-Tore. Der junge Franzose Sehrou Guirassy, der in der vergangenen Saison verletzungsbedingt kaum zum Zug kam, ist engagiert, aber ebenfalls noch glücklos. Das Mittelfeld um Lehmann und Nationalspieler Jonas Hector glänzt bislang nicht gerade durch Handlungsschnelligkeit. Zu allem Überfluss ist die Abwehr, zuletzt einer der Erfolgsgaranten, plötzlich löchrig. Lediglich Bayer Leverkusen (8) hat mehr Tore kassiert als Köln (7).

"Willst Du jetzt von mir eine Bewertung der Saison haben, am 3. Spieltag? Die Saison ist scheiße!", sagte Schmadtke im Doppelpass in seiner gewohnten Art. Natürlich hat Köln noch jede Menge Zeit, das Ruder wieder rumzureißen. Doch auch Schmadtke weiß, wie schnell sich im Fußball eine Eigendynamik entwickeln kann. Immerhin warten in der Liga mit dem Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund und dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt keine leichten Aufgaben. Und je länger Cordoba, der teuerste Einkauf in der Kölner Vereinsgeschichte, ohne Tor bleibt, desto größer wird der Druck auf den Kolumbianer und dessen Verunsicherung. "Wir dürfen das nicht unterschätzen", sagte Lehmann und fügte an: "Jetzt wird sich zeigen, ob wir als Mannschaft zusammenstehen."

Schmadtke lässt sich Europapokal nicht schlechreden

Vielleicht kommt da das Spiel beim FC Arsenal gerade recht. Europapokal! Zum ersten Mal seit 25 Jahren. Allerdings beginnt damit auch die von vielen so gefürchtete zusätzliche Belastung. "Wir machen da kein Sightseeing. Wir fahren da hin, um das Spiel zu gewinnen", sagte Schmadtke bei Sport1. "Wir freuen uns darauf. Wir sind nach 25 Jahren wieder international vertreten, und alle wollen mir sagen, dass das im Moment scheiße ist. Ich lasse mir das nicht schlechtreden."

Stöger sieht das Spiel im Emirates Stadium als "Belohnung für letztes Jahr. Es ist eine schwierige Aufgabe, bietet uns aber die Chance etwas Positives mitzunehmen, was uns auch in Richtung Meisterschaft weiterbringen könnte". Die Europa League quasi als Mutmacher für die kommenden Wochen.

Die Kölner Social-Media-Abteilung entwickelte derweil ihre eigene Strategie, um die schlechte Stimmung zu vertreiben. Sie twitterte am Montag ein GIF, das Will Smith mit einem "Blitzdings" zeigt. Mit diesem Gerät konnte man im Film "Men in Black" bekanntlich ungewollte Erinnerungen einfach wegblitzen. So einfach werden die aktuellen Defizite in Köln dann aber doch nicht auszumerzen sein.

 
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